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Inside Llewyn Davis – Special Edition

Geschrieben von Frank Schmidke am 17. April 2014

INSIDE LLEWYN DAVISFür einige Filmfreunde war der letzte Film der Coen-Brüder „Inside Llewyn Davis“ eines der Highlights des vergangenen Kinojahres und der Kollege hat das Werk auf diesen Seiten zum Kinostart hoch gelobt. Jetzt ist „Inside Llewyn Davis“ auch für das Home Entertainment erschienen;  unter anderem in einer beachtenswerten Special Edition. Das Spezielle daran ist die Konzert-Doku zur Musik aus dem Film. Diese wurde im September 2013 bei einem einmaligen Event auf die Bühne der New Yorker NYC Town Hall aufgeführt. Also zwei gute Gründe sich die Special Edition vorzunehmen.

Anfang der 1960er schlägt sich der Folksänger Llewyn Davis (Oscar Isaacs) mehr schlecht als recht durchs Leben. Seit sein Duo-Partner sich das Leben genommen hat, bleibt auch der Achtungserfolg aus. Momentan fehlt Llewyn außerdem eine Bleibe, weshalb er sämtlichen Bekannten und Freunden auf den Senkel geht, ob er bei ihnen auf der Couch pennen darf. Gelegentlich verschafft ihm ein befreundeter Clubbesitzer mal ‚nen Gig.

Als LINSIDE LLEWYN DAVISlewyn bei den Gorfeins übernachtet, entweicht ihm am nächsten Morgen deren Katze und der frustrierte Folksänger hat ein weiteres Problem an der Backe. Sein momentanes Hauptproblem ist allerdings, abgesehen vom mangelnden Erfolg, dass Jean (Carey Mulligan), die mit Jim (Justin Timberlake) zusammen ist, von Llewyn schwanger ist. Und dann muss er auch noch aus Greenwich Village raus und nach Chicago. Bei all dem muss sich der eigentlich charmante Tunichtgut nicht sonderlich bemühen, um seine Mitmenschen zu vergrätzen.

Im Making of (rund 43Minuten) zu „Inside Llewyn Davis“ stellen die Brüder Joel und Ethan Coen fest, dass man einen Film über amerikanische Folkmusik eigentlich nur vor Dylan machen kann, danach müsse man sich gezwungenermaßen mit dem Ausnahme-Songwriter befassen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass am Ende des Films ein Wuschelkopf auf der Bühne von Llewyns Hausclub sitzt und vor sich hin nuschelt.  Mit ihrer Geschichte fangen die Coens eine vergessene Phase der Musikgeschichte ein.

INSIDE LLEWYN DAVISWie inzwischen die meisten wissen, ist die Story an die Autobiographie des Folksängers Dave van Ronk angelehnt, der an seinem Musikerdasein verzweifelte. Diese Phase kreativen Stillstands, der sich Ende der Fünfziger und zu Beginn der Sechziger Jahre durch die gesamt New Yorker Folkszene zieht, setzt „Inside Llewyn Davis“ kongenial um. Hier stimmt, trotz des vergleichsweise kleinen Budgets, fast alles auf den Punkt: Charaktere, Darsteller, Zeitgeist, Ausstattung, kulturelles Umfeld, Story, Dialoge und vor allem Musik, die Produzent T-Bone Burnett mit grandioser Stilsicherheit zusammengefügt hat. Das alles macht „Inside Llewyn Davis“ zu einer absoluten Filmperle und zu einem der besten Filme über Musik in den letzten Jahren.

ANOTHER DAY, ANOTHER TIME: Celebrating the Music of Inside Llewyn DavisEs gibt also Grund, sich die Musik von „Inside Llewyn Davis“ gesondert anzusehen. Wie schon bei ihrem Film „O Brother Where Art Thou“, der 2000 bei den Grammys abräumte, hat T-Bone Burnett die musikalische Leitung übernommen, dieses Mal mit dem britischen Musiker Marcus Mumford zusammen. Dabei haben die beiden einige zeitgenössische und vergessene Folkperlen wieder ans Licht gebracht und die Musik wurde für den Film live eingespielt, allerdings vorab im Studio, damit der Drehplan nicht aus den Fugen gerät. Da ist es, auch weil der Film eben wegen seiner Musik so gelobt wurde, absolut sinnvoll diese auch live zu performen.

ANOTHER DAY, ANOTHER TIME: Celebrating the Music of Inside Llewyn DavisDabei hat man nicht nur die am Film beteiligten Musiker und Schauspieler, die alle selbst singen und spielen, herangezogen, sondern sich auch etliche prominente Gäste organisiert, um eine große Lagerfeuer-Atmosphäre auf der Bühne der New York City Townhall zu entfesseln. Über eben diesem Auftritt, der bei vielen Musikkritikern schon als halblegendäres Event gilt, ist auch die Konzert-Doku „Another Day, Another Time“ und die ist wirklich sehenswert ausgefallen. Produziert von T-Bone Burnett und gefilmt unter der Regie von Christopher Wilcha schafft es die Doku eindrucksvoll und mit toller Bild – und Soundqualität, die Stimmung des Abends rüberzubringen. Geschickt springt der Film immer wieder zwischen Auftritt, Backstage-Footage und Interviews mit den Musikern hin und her, ohne das Kontinuum der Stimmung abreißen zu lassen. Manchmal passt das alles in einen Song und wenn der nächste beginnt, ist der Zuschauer wieder auf der Bühne.

ANOTHER DAY, ANOTHER TIME: Celebrating the Music of Inside Llewyn DavisMusikalisch beschränkt man sich nicht nur auf die Musik von „Inside Llewyn Davis, sondern gibt auch etwas von „O Brother“ zum Besten. Das ist thematisch durchaus stimmig und huldigt einer Entwicklungslinie traditioneller amerikanischer Musik. Und diese nicht in Vergessenheit geraten zu lassen,  hat man sich schließlich versammelt. Die Doku ist rund 100 Minuten lang und hat als Highlights die Auftritte von Joan Baez, Gillian Welch, Jack White und Patti Smith zu verzeichnen. Das gesamte Konzert war allerdings länger und umfasst auch Auftritte von Elvis Costello, Connor Oberst und  Keb Mo. Nonesuch hat angekündigt, den Mitschnitt im Frühjahr als Album zu veröffentlichen. Mal abwarten.

Alles in allem lässt die Special Edition von „Inside Llewyn Davis“ absolut keine Wünsche offen und beide Filme sind  schlicht klasse.

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Wir vergeben daher 8,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Studiocanal

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Länge: 104 min

Kategorie: Drama, Music

Start: 10.04.2014

cinetastic.de Filmwertung: (8,5/10)

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Info

Inside Llewyn Davis – Special Edition

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 104 min
Kategorie: Drama, Music
Start: 10.04.2014

Bewertung Film: (8,5/10)

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