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Dancing in Jaffa

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 10. April 2014

Dancing in Jaffa

Der anschwellende Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ist eine unendliche Geschichte, denn obwohl sich viele Gruppierungen bemühen diesen zu entschärfen, ist der Hass doch allgegenwärtig. In den letzten Jahren versuchte man diesem Hass mit Projekten wie einem gemeinsamen Kino beizukommen, mit Musikfestivals welche die Menschen verbinden sollten, den neusten Versuch unternimmt nun Tänzer Pierre Dulaine, wenn er ein Schulprojekt für gemeinsamen Gesellschaftstanz ins Leben ruft.

Pierre Dulaine wurde 1944 als Sohn eines britischen Vaters und einer palästinensischen Mutter in der israelischen Hafenstadt Jaffa geboren, floh nur vier Jahre später als der Stadt Israel gegründet wurde und machte schon bald Karriere als Tänzer und ab den 90er Jahren als pädagogischer Tanzlehrer in New York. Beinahe 70 Jahre später kehrt Pierre Dulaine nun in die Stadt seiner Geburt zurück um dieser etwas wieder zu geben, um gegen den Hass zwischen Palästinensern und Israelis anzukämpfen und seinen Teil zur Völkerverständigung beizutragen.

Dancing in JaffaBesagtes Projekt gestaltet sich überaus schwierig, denn nachdem der Zuschauer durch alte Aufnahmen einen kurzen Überblick über die Person Dulaine bekommen hat, wird dieser auch schon mit der Gegenwart konfrontiert. Wir sehen Demonstrationen, einen Aufruf zur Veränderung, Jugendliche darüber streiten wie denn beispielsweise Palästinenser ihr Leben negativ beeinflussen, haben diese doch in ihrem Staat nichts verloren. Das dieser Konflikt allerdings viel weitreichende Ursachen hat soll in dieser Dokumentation von Regisseurin Hilla Medalia (To Die in Jerusalem) unerheblich sein, denn es geht dieser vornehmlich darum zu zeigen, was mit ein wenig Überzeugungsarbeit alles zu schaffen ist.

Bereits in einer prägenden Szene im ersten Drittel des Filmes werden wir mit dem Hauptproblem dieses Projektes konfrontiert, denn nachdem Yvonne Marceau (die ehemalige Tanzpartnerin von Pierre Dulaine) die von Polizisten bewachte Schule betreten möchte und sie diesen freundschaftlich die Hand zu geben versucht, begegnen diese ihr abweisend. Es ist kulturell nicht gestattet eine andere Frau zu berühren, genauso schwerfällig, zögerlich und sogar ablehnend gestalten sich die ersten Proben in der Schule. Gesellschaftstanz kann laut Pierre Dulaine nur zwischen Mann und Frau vonstattengehen, was aber macht man wenn sich die Kinder der 5ten Klasse einfach nicht die Hand geben möchten?

Dancing in JaffaDer nun folgende Weg den Pierre Dulaine zusammen mit Yvonne Marceau zu bestreiten versucht ist überaus steinig, denn nachdem erst die Lehrer und später die Kinder langsam überzeugt werden konnten, muss auch noch Überzeugungsarbeit bei den Eltern geleistet werden. „Wieso sollte mein Kind mit einem Palästinenser zusammen tanzen“ wird gefragt? Die Antwort ist ganz einfach, um Vorurteile abzulegen, den jeweils anderen kennenzulernen und so womöglich zum Frieden des Landes beizutragen, dass seit so vielen Jahrzehnten vom Hass regiert wird.

Im Mittelpunkt dieser Geschichte stehen in erster Linie zwei Tanzpaare die wir näher kennenlernen, denen wir nach Haus folgen und somit Details aus deren Privatleben erfahren. So werden wir mit der Geschichte eines Mädchens konfrontiert die bereits früh ihren Vater verlor und seitdem darunter leidet, wir sehen Armut und Verzweiflung in den Gesichtern der Menschen, selbige aber auch lachen und sich umarmen wenn es um das Tanzen geht. Die Kinder finden mit der Zeit zusammen, dass Ziel soll ein Tanzwettbewerb zwischen drei Schulen sein, auf der Bühne Palästinenser und Israelis Seite an Seite, Krieg, Hass und gegenseitige Abneigung werden für einen kurzen Moment zugunsten ihrer Kinder ausgeblendet.

Es geht aber nicht nur um den Konflikt der zumeist dezent im Hintergrund gehalten wird, es geht nicht um politische oder gar religiöse Aussagen die ganz andere womöglich mit hätten einfließen lassen, es geht in erster Linie um die Kinder und das Miteinander, dass hier beinahe 90 Minuten im Vordergrund steht. Dies alles meistert vor allem der 70-jährige Pierre Dulaine mit einer unglaublichen Hingabe. Wenn dieser perfekt gekleidet die Straßen entlang geht mag man ihn womöglich für einen Snob aus dem Westen halten, wenn er allerdings die Kinder mit Witzen und kleinen Späßen dazu ermutigt über bestehende Grenzen hinweg zu springen, kann man sein Projekt nur als Erfolg betrachten.

Pierre Dulaine schafft es mit seinem Projekt spielend leicht zur Völkerverständigung beizutragen und dies ganz nebenbei auch noch spannend durch Hilla Medalia aufzubereiten. An dieser Stelle sei auch auf den Abspann explizit hingewiesen der besagt: dass der Tanz weitergeht und in Jaffa inzwischen mehr als tausend Schülerinnen und Schüler in Dulaines Sinne unterrichtet wurden.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: MFA+ FilmDistribution

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Dancing in Jaffa

Länge: 90 min

Kategorie: Documentary

Start: 10.04.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Info

Dancing in Jaffa

Dancing in Jaffa

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 90 min
Kategorie: Documentary
Start: 10.04.2014

Bewertung Film: (7,5/10)

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