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Beware of Mr. Baker

Geschrieben von Frank Schmidke am 5. April 2014

Beware of Mr. Baker-1Mit Jay Bulgers Film kommt nun die beste Musikdoku des vergangenen Kinojahres auch fürs Home Entertainment auf den Markt. Die knackige Doku zeichnet das Bild eines umtriebigen Musikers, der Rock-Geschichte geschrieben hat und auch im hohen Alter immer noch Musik macht. Gezwungenermaßen, denn Ginger Baker scheint mit Geld einfach nicht umgehen zu können.

Drummer, sagt man, sind in der Rockmusik das, was Torhüter im Fußball sind: leicht verrückt und mit sehr eigenwilligem Temperament ausgestattet. Für den zum Zeitpunkt der Doku 73jährigen trifft das unbedingt zu. Schon während seiner großen Karriere, vor allem in den frühen Jazz-Zeiten und als Rockdrummer, der bei Graham Bond Organization und in der All Star Group Cream, die Baker zusammen mit Jack Bruce und Eric Clapton zu Weltruhm brachte,  fiel Ginger Baker immer wieder auf, indem er ausfallend und handgreiflich wurde, häufig auch unter dem Einfluss illegaler, bewusstseinserweiternder Substanzen.

MP_70-00001-004Dokumentarfilmer Jay Bulger kriegt eins mit dem Gehstock auf die Nase, weil er dem Schlagzeuger eröffnet, dass er für diese Doku auch andere Musiker interviewen will. Mister Baker allerdings ist der Meinung, dies sei sein Film, andere Leute bräuchte es da verdammt nochmal nicht. Doch, braucht es – sei es nur, um Bakers egomanische Vereinnahmung der musikalischen Meriten zu relativieren. Bestimmt war Bakers Einfluss auf die Musik sämtlicher Formationen, in denen er beteiligt war ohnegleichen, aber ob er die Sounds tatsächlich definiert und bestimmt hat, darf durchaus angezweifelt werden.

Es gibt einen Haufen Dokumentarfilme, in denen auch Ginger Baker gewürdigt wird, vor allem als Rolemodel des Rock-Drummers, doch so nahe wie Jay Bulger kommt dem Mann hinter dem Beat niemand. Filmmacher Bulger befragt Freunde und Mitmusiker und bebildert die nicht so gut dokumentierten Lebenszeiten mit guten manchmal auch experimentellen, animierten Sequenzen.Da tun sich auch menschliche Schwächen auf, eine gewisse Großmannsucht, die Faszination für den Polo-Sport und die immer wieder abrupten Richtungsänderungen, die Baker im Laufe seines Lebens und seiner Karriere  hingelegt hat – häufig begleitet von  dem Streit suchenden Zerwürfnis mit den bisherigen Mitmusikern und Freunden.

beware-of-mr-baker-3Auch wenn in Bulgers Doku nicht alle Phasen der Karriere Bakers hinreichend abgearbeitet werden, bleibt doch ein umfassender Eindruck eines Musikerlebens. Besonders spannend, weil für einen Europäer und einen Weißen seinerzeit absolut  ungewöhnlich ist die Phase in den 1970ern, in der Baker nach Nigeria zog, um in Lagos afrikanische Polyrhythmik zu erleben und mit den Musikern um Fela Kuti, den Großmeister und Erfinder des Afrobeat, zu musizieren.Heute hat Ginger Baker ein spätes Glück in Südafrika gefunden, wo er auf einer Farm mit seiner jüngeren Frau lebt und sich aus dem Musikerleben weitestgehend zurückgezogen hat. Doch auch diese x-te neue Existenz wird – mal wieder -von Geldsorgen bedroht.

Die Ausstattung des Home Entertainment Titels ist allerdings nicht gerade verkaufsfördernd. Außer dem deutschen Filmtrailer gibt es kein Bonusmaterial. Eine Discographie oder etwas Hintergrundinfo hätten ebenso wenig geschadet wie eine Bildgalerie oder vielleicht auch einige Outtakes; aber Fehlanzeige.

Schade auch, dass der Film nur im englischen Original mit deutschen Untertiteln vorliegt, die nicht auszublenden sind. Auch soundmäßig gibt es keine weiteren Optionen als die Kinoabmischung. Das hat man an bei anderen Musikfilmen auch schon  liebevoller erleben dürfen.

„Beware of Mr. Baker“ lebt im Wesentlichen von der eigenwilligen Persönlichkeit Bakers und ist voll darauf zugeschnitten. Insgesamt entsteht so eine richtig gelungene biografische Doku, die nicht nur für Rockfans interessant ist.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: EuroVideo/ NFP

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Länge: 88 min

Kategorie: Documentary

Start: 17.04.2014

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Info

Beware of Mr. Baker

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 88 min
Kategorie: Documentary
Start: 17.04.2014

Bewertung Film: (8/10)

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