cinetastic.de - Living in the Cinema

The Fear

Geschrieben von Frank Schmidke am 7. März 2014

THE FEARAlt zu werden, ist schon wenn es gut läuft, eine komplizierte Angelegenheit. Für den Gangsterboss geht es da nicht nur um das Regeln der Nachfolge sondern auch um zunehmende Vergesslichkeit. Die führt im englischen  Brighton zu einiger Verwirrung. Die BBC-Miniserie „The Fear“ gibt dem Genre einige dramatische Impulse und dem gestandenen Charaktermimen Peter Mullen beschert die Serie, die nun auch auf Deutsch herausgekommen ist, eine weitere Paraderolle.

THE FEAR Ritchie Beckett (Peter Mullan) hat eigentlich alles erreicht. Er hat als kleiner Gauner angefangen und ist nun ein respektierter Geschäftsmann im südenglischen Brighton. Das ehemalige Vorzeigeseebad hat auch schon bessere Tage erlebt und Ritchies großes Vorhaben ist die Wiederbelebung und Renovierung des legendären Piers. Aus den kriminellen Machenschaften hat er sich weitgehend zurückgezogen. Das überlasst Ritchie seinen beiden Söhnen Cal (Paul Nichols) und Matty (Harry Lloyd), der hofft mit einer albanischen Familie ins Geschäft zu kommen, die mit Prostituierten handelt. Doch das geht gründlich schief und nun muss Daddy es wieder richten.

Der hat allerdings ganz andere Probleme: Während seine Frau Jo (Anastasia Hille) als Galeristin erfolgreich ist und immer wieder Techtelmechtel mit aufstrebenden Künstlern anfängt, hat Ritchie zunehmende Gedächtnislücken. Es beginnt damit, dass er einen nervigen Einradfahrer brutal verprügelt, bei der polizeilichen Vernehmung kann er sich nicht mehr an den Vorfall erinnern. Und die Erinnerungslücken wirken sich auch auf den Deal mit den Albanern aus. Nicht nur, dass Ritchie total austickt und das albanische Familienoberhaupt angreift, er weiß auch keine Einzelheiten von der Abmachung mehr. Stattdessen wird die Vergangenheit immer wieder hochgespült. Richtie wendet sich an seinen alten Weggefährten Seb Withing (Richard E. Grant), der erfolgreicher Arzt ist und inzwischen eine Klinik für plastische Chirurgie leitet. Seb diagnostiziert Demenz im Anfangsstadium.

THE FEARDas persönliche Grauen des Richtie Beckett beginnt schleichend, doch  ziemlich schnell baut die BBC-Miniserie „The Fear“ ein bedrohliches Szenario auf, das jederzeit zu eskalieren droht. Denn der Krankheitsverlauf ist nicht nur vom Verlust des Kurzzeitgedächtnisses bestimmt, sondern führt zeitgleich zu einer Überprasenz der eigenen Vergangenheit und Ritchie verliert sich in der gewalttätigen Welt, die er aus Erinnerungsfragmenten zusammenfantasiert. Das geht einher mit emotionalem Kontrollverlust und – je nach Charakter des Betroffenen – mit Stimmungsschwankungen die sich ganz unterschiedlich äußern können. Ritchie wird brutal.

Produzent Timothy Bricknell, der unter anderem für die Anthony Minghella Filme „Unterwegs nach Cold Mountain“ und „Breaking & Entering“ verantwortlich zeichnete, hat für das Projekt zwei kreative Serienköpfe zusammengebracht: Autor Richard Cottan hat auch die Drehbücher für Kenneth Branaghs „Wallander“-Verfilmungen erarbeitet und Regisseur Michael Samuels konnte zuletzt mit der Miniserie „Any Human Heart“ Kritikerlob und Einschaltquoten feiern. Doch trotz seiner Unterwelt-Handlung ist „The Fear vor allem Drama und menschliche Tragödie.

Der so häufig gefeierte schottische Schauspieler Peter Mullen verschwindet in der Rolle des Ritchie, die ihm auf den Leib geschrieben zu sein scheint, und bringt alle Facetten der Figur und auch des Krankheitsverlaufes mit gewohnt fiebernder Intensität an den Tag. Das ist derart charismatisch, dass die restliche Besetzung daneben ein wenig verblasst.

THE FEARDoch es ist auch das Setting in Brighton, das ja auf einige durchaus zwielichtige Ereignisse zurückblicken kann. Die Stadt scheint sich zu erholen, aber unter der mühselig restaurierten Fassade ist noch immer der alte kriminelle Dreck zu finden, der sich in heruntergekommenen Mietshäusern, abgewrackten Bauernhöfen und in den Nachtclubs des Rotlichtviertels verkrochen hat und eine Parallelwelt abbildet. Als Gangstersaga ist „The Fear“ allerdings nicht so stark wie als psychologisches Drama, obwohl die Motive der rivalisierenden Söhne und der feindlichen Übernahmeversuche durch die organisierte Bedrohung aus dem ehemaligen Ostblock durchaus für Spannung und einige derbe Szenen sorgen.

Auch im privaten Umfeld von Ritchie, findet die Serie gute visuelle Elemente, um die Verwirrung des Protagonisten umzusetzen, wie etwa die Gemälde, die Jo anschleppt und die wirken, als seinen Abbilder einer neuronalen Aufnahme, sinnigerweise „Konfusion“ betitelt. Ritchie könnte ein gemachter Pensionär sein, wäre er denn in der Lage, seine Krankheit und seine Schwäche einzugestehen und daraus die Konsequenz zu ziehen. So scheint er seine Familie in das Verderben mitzureißen.

Die BBC-Miniserie „The Fear“ dürfte Crime-Fans ebenso überzeugen wie Freunde psychologischer Dramen, sofern sie mit einer Milieubedingten Brutalität umgehen können. Peter Mullen lohnt alleine schon die Serie.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Polyband

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden

Länge: 200 Minuten

Kategorie: TV-Mini-Series, Thriller

Start: 11.03.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (1/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

The Fear

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 200 Minuten
Kategorie: TV-Mini-Series, Thriller
Start: 11.03.2014

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (1/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten