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Sein letztes Rennen

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 16. März 2014

Sein letztes Rennen

Man ließt immer wieder in den verschiedensten Medien der Tagespresse von älteren Menschen die noch einmal alles geben und mit einer unglaublichen Leistung beeindrucken, die plötzlich Berge erklimmen, einen Marathon laufen oder sich gar an eine Weltumseglung wagen. Eine ganz ähnliche Geschichte hat nun Fernsehregisseur Kilian Riedhof zu erzählen, der von einem ehemaligen Olympiasieger berichtet, welcher sich im hohen Alter noch einmal am Berlin Marathon versucht und von seinen Kollegen im Altersheim bei alledem nur belächelt wird.

Vor einem halben Jahrhundert war Paul Averhoff (Dieter Hallervorden) am Höhepunkt seiner Karriere angelangt, als dieser bei den Olympischen Spielen des Jahres 1956 im australischen Melbourne die Goldmedaille gewann. Seitdem hat sich Paul aber keinesfalls ausgeruht, denn obwohl er bereits seit langem zum alten Eisen zählt, hat er dennoch die Zeit zusammen mit seiner Frau Margot (Tatja Seibt) genossen. Leider überkommt diese in letzter Zeit des Öfteren diverse Schwächeanfälle, woraufhin Tochter Birgit (Heike Makatsch) den beiden endgültig den Vorschlag unterbreitet doch nun endlich einmal ins Altersheim zu gehen, kann sie als Stewardess doch nicht jedes Mal Urlaub nehmen wenn ihre Mutter erneut ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Sein letztes RennenDer Plan ist schnell in die Tat umgesetzt, doch obwohl es Margot dort wesentlich besser zu gehen scheint, fühlt sich Paul doch um einiges unterfordert. Gesangsgruppen, das Bauen von Kastanienmenschen und das gemeinsame Abendessen füllen diesen ehemaligen Sportler eben doch nicht aus und so beschließt er kurzerhand im angrenzenden Wald wieder laufen zu gehen. Von den Senioren belächelt, von den Pflegern kaum beachtet und von seiner Frau unterstützt kommt dann schließlich auch noch der Plan auf beim bald startenden Berlin Marathon mitmachen zu wollen…

Das alte Menschen noch lange nicht zum alten Eisen gehören das weiß Hauptdarsteller Dieter Hallervorden (Honig im Kopf) mit seinen 78 Jahren wohl am besten, dass er sich trotz allem aber dann an eine so sportliche Rolle heranwagt, muss dann aber doch etwas mit dem Drehbuch seines neusten Filmes zu tun haben. Drehbuchautor Marc Blöbaum (Notruf Hafenkante) schrieb zusammen mit Regisseur Kilian Riedhof (Tatort) diese Geschichte über einen ehemaligen Sportler der noch einmal etwas im Leben erreichen möchte Hallervorden wie auf den Leib, überraschte mit einigen gelungenen Kniffen und versuchte sich gleichzeitig am Spagat zwischen Drama und Komödie, ohne seine Darsteller der Lächerlichkeit aussetzen zu wollen.

Das Ergebnis kann sich in Form von „Sein letztes Rennen“ durchaus sehen lassen, denn neben der interessanten Geschichte die in erster Linie auf das ältere Publikum zugeschnitten ist, werden doch so allerhand sozialkritische Themen angesprochen, die momentan aktueller denn je sind. Es geht vornehmlich darum das man älteren Menschen noch Ziele geben sollte, dass diese trotz aller gesundheitlicher Bedenken durchaus auch erreicht werden können, wenn man denn nur daran glaubt und dieser vor allem entsprechende Unterstützung erhält. Dieses höhergesteckte Ziel wurde in „Sein letztes Rennen“ versucht in Form eines Marathons abzubilden, was rein medizinisch bei einem untrainierten älteren Mann natürlich vollkommender Unsinn ist, der eigentlichen Botschaft allerdings keinen Abbruch tun soll.

Sein letztes RennenNeben diesem höher gesteckten Ziel welches sich durchaus positiv auf die Gesundheit auswirken könnte, versucht Marc Blöbaum aber auch sozialkritische Aspekte unserer Gesellschaft anzusprechen. Da haben wir die Tochter die einfach nicht mit ihren älteren Eltern umgehen kann und sich weigert sich diesen anzunehmen, da haben wir die durchstrukturierten Altenheime in denen die dort wohnenden Menschen sprichwörtlich verblöden und natürlich ebenso ein System von viel zu geringem Person, weigern sich doch immer mehr junge Menschen sich dem Pflegedienst hinzugeben. Genau dieser Punkt wird nahezu vortrefflich in Form des jungen Pflegers Tobias (Frederick Lau) verkörpert, der einerseits sieht was alles falsch läuft und darauf auch durchaus hinweist, auf der anderen Seite aber auch nicht bereit ist mehr zu tun, als in seiner Arbeitszeit möglich wäre.

Leider ist auch in „Sein letztes Rennen“ nicht alles so vortrefflich gelungen wie man es auf den ersten Blick vermuten würde, denn mit diversen Nebengeschichten haben sich die Autoren beim besten Willen keinen Gefallen getan. Die Geschichte rund um Tochter Birgit ist interessant, hebt sich mit den Hochglanzbildern vom Rest allerdings zu sehr ab, während die Interviewpassage mit Reinhold Beckmann als gänzlich misslungen angesehen werden darf. Dieser dreht seinem Interviewpartner sprichwörtlich die Sätze im Mund um, stellt diesen als ein wenig verwirrt dar, was schnell ein falsches Bild von älteren Menschen darstellen kann.

Auf Seiten der Darsteller glänzt bei alledem wohl am ehesten Hauptdarsteller Dieter Hallervorden, der mit seinen 78 Jahren noch einmal alles gibt und sich dementsprechend in seine Figur hineinzuversetzen versucht. Er schafft den Spagat zwischen Sportler und Mann der sich noch Ziele stecken kann vortrefflich, während Tatja Seibt (Formentera (2012)) die leicht verwirrte Trainerin und Ehefrau gibt, die bis zuletzt zu ihrem Ehemann hält. Die Darbietung von Heike Makatsch (Die Bücherdiebin) ist solide obwohl die Geschichte irgendwie nicht ganz zum Rest passt, während Katrin Saß (Good Bye Lenin!) als Heimleiterin Rita in erster Linie darauf aufmerksam macht, dass mit wenig Personal gar nicht mehr zu schaffen ist, wenn man auf die Gesundheit der Bewohner Rücksicht zu nehmen versucht.

Sein letztes RennenFür all jene die nun Interesse an „Sein letztes Rennen“ gefunden haben, dem bietet sich ab dem 28. März 2014 die Gelegenheit, denn Universum Film bringt Kilian Riedhof’s Debüt auf Blu-ray, DVD und natürlich auch per Video-on-Demand in euer Wohnzimmer. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und zeichnet sich in erster Linie durch sehr kräftige Farben aus, während der Ton in DTS-HD 5.1 gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an dem zusätzlichen Material des Mediums interessiert, welches diesmal jedoch recht überschaubar war. Neben einer exklusiven Hörfilmfassung für Sehbehinderte gibt es rund 38 Minuten Interviews mit Dieter Hallervorden, Heike Makatsch, Frederick Lau und Regisseur Kilian Riedhof, die in einzelnen Fragen über den Film, ihre jeweilige Rolle und den Entstehungsprozess berichten.

Kilian Riedhof ist mit „Sein letztes Rennen“ ein durchaus unterhaltsamer Spielfilm mit einem sozialkritischen Ansatz gelungen, doch vermag sich so manche Nebengeschichte einfach nicht in homogen in die Haupthandlung einfügen. Gute Unterhaltung mit einigen Abstrichen.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum Film

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Sein letztes Rennen

Länge: 114 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 28.03.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Bewertung Extras: (6,5/10)

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Info

Sein letztes Rennen

Sein letztes Rennen

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 114 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 28.03.2014

Bewertung Film: (6/10)

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Bewertung Extras: (6,5/10)

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