cinetastic.de - Living in the Cinema

Michael Kohlhaas

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 24. März 2014

Michael Kohlhaas

Es liegt leider in der Natur der Sache das man gerade zu den Dingen recht schwer Bezug fassen kann mit denen man in der Schule sprichwörtlich gequält wurde, dass zuweilen noch immer der nötige Abstand fehlt sich mit dem Stoff neu auseinander zu setzen und man somit Gefahr läuft wirklich großartige Werke links liegen zu lassen. Im neusten Film des Franzosen Arnaud des Pallières ist selbstverständlich die Rede von Heinrich von Kleist seiner Novelle „Michael Kohlhaas“, die dieser nicht nur komplett neu interpretierte, sondern für die er mit dem Dänen Mads Mikkelsen auch einen Hauptdarsteller fand, der erneut eine überragende Darbietung hat abliefern können.

Frankreich im 16. Jahrhundert: Der Pferdehändler Michael Kohlhaas (Mads Mikkelsen) ist zusammen mit seinem Knappen César (David Bennent) unterwegs um auf dem Markt ein paar seiner Pferde zu verkaufen, da wird ihm vom Baron (Swann Arlaud) des benachbarten Landes der Zutritt verweigert. Die Männer des Barons verlangen einen Passierscheint, Kohlhaas überlässt ihnen zwei Rappen als Pfand und zieht weiter. Als Kohlhaas am nächsten Tag besagte Rappen wieder abholen möchte, liegen diese geschunden und halb tot im Stall des Barons. Ganz ähnlich erging es aber auch Kohlhaas seinem Knappen, der mit schweren Bisswunden von gleich mehreren Hunden im Wald aufgefunden wird. Kohlhaas wendet sich an die Prinzessin und verlangt Wiedergutmachung, doch das einzige was er bekommt ist eine so schwer zugerichtete Ehefrau (Delphine Chuillot), dass ihm letztendlich der Geduldsfaden reißt. Kohlhaas verkauft sein Land und seine Pferde, versammelt Gleichgesinnte um sich herum und beginnt gegen ein System in den Krieg zu ziehen, dass er als ungerecht empfindet…

Michael KohlhaasHeinrich von Kleist seine Novelle „Michael Kohlhaas“ gehört vielerorts zur Pflichtlektüre in den Schulen, dementsprechend abgeneigt sind die meisten von den unzähligen Verfilmungen, die sich diesem Stoff im Laufe der Jahrzehnte bereits haben widmen wollen. Der Franzose Arnaud des Pallières (Drancy Avenir) ist sich diesem bewusst und somit lässt er es sich nicht nehmen besagten Stoff komplett neu zu interpretieren. Bereits die Einleitung des Films wird mit den Worten „Frei nach der Novelle von Heinrich von Kleist“ begonnen, die Verlegung des Geschehens von Deutschland nach Frankreich soll allerdings nur ein Teil von dessen sein.

Zusammen mit Autorin Christelle Berthevas schafft es Arnaud des Pallières dem überaus schwierigen Stoff ein neues Gewand zu verleihen, denn obwohl natürlich die Frage im Raum steht was ein deutscher Pferdehändler denn in Frankreich wohl verloren hat, soll dies nie Thema dieser Neuinterpretation sein. Stattdessen konzentrieren sich die beiden mit Hilfe einer Unmenge an neuer Dialoge auf den Menschen Michael Kohlhaas, der nach dem Tode seiner Frau zusammen mit Tochter Lisbeth (Mélusine Mayence) in den Krieg zieht, um sich gegen die Willkür der feudalen Herrscher zu währen. Bei alledem werden diverse neue Nebencharaktere in die Geschichte mit eingeführt, Kohlhaas am ehesten als stummer Anführer als ein Kämpfer gegen das Unrecht dargestellt, während die Aussagekraft bei alledem recht undeutlich bleibt.

Michael KohlhaasKohlhaas lehnt sich gegen das ungerechte System auf das vergleichbar mit den späteren französischen Strukturen ist, welche ein unbeschreibliches Blutvergießen mit sich brachten, gleichzeitig nimmt er sich allerdings ebenso die Freiheit um selbst durch eben jene Willkür das von ihm gesprochene Recht zu sprechen. Dabei werden vornehmlich Angehörige und Bauern des Barons überfallen, nie jedoch gebrandschatzt und vergewaltigt, worauf selbst in seinen eigenen Reihen die Todesstrafe steht. Für den einen oder anderen mag diese Heldenverehrung und die Neuinterpretation der Person Kohlhaas zuwider sein, ganz andere werden diverse strukturelle Probleme innerhalb der Handlung selber bemängeln, wiederrum andere werden sich wunderbar unterhalten fühlen.

Genau diese wunderbare Unterhaltung resultiert aber nicht nur aus dieser Neuinterpretation des altbekannten Stoffes, sondern vor allem aus den unterkühlten Bildern Frankreichs, die vor allem mit ihrer Minimalistik überzeugen. In langen Einstellungen fängt Kameramann Jeanne Lapoirie (Wilde Herzen) die Schönheit der Natur ein, die kargen Häuser, den Hof und die Tiere. Fast wie ein Fest stellt er aber auch jene im Mittelpunkt stehende Trauerszene dar, in der Kohlhaas seine Frau wie auf einem Altar liegend bestattet wird, während die Trauer von Kohlhaas und seiner Tochter allgegenwärtig ist. Von genau diesen langen und vor allem unbeschreiblich schönen Einstellungen gibt es eine Vielzahl, dem Zuschauer wird Geduld abverlangt, sich zum einen dem schwierigen Thema, zum anderen aber auch der kargen Inszenierung mit vollster Aufmerksamkeit zu widmen.

Michael KohlhaasVon Seiten der Darsteller glänzt erneut der Däne Mads Mikkelsen (Hannibal), der inzwischen wohl zum am meisten leidenden Darsteller der Welt aufgestiegen sein müsste. Erneut überragt dieser mit seinem intensiven Spiel der Mimik, mit seinen kalten ausdruckslosen Augen, wenn er seine Männer gegen ein ungerechtes System in die Schlacht schickt, gegen das es mit friedlichen Mitteln keine Möglichkeiten zur Wehr gibt. Neben Mikkelsen sehen wir in einem sehr zurückgezogenen Spiel die kleine Mélusine Mayence (Sarahs Schlüssel) als seine Tochter Lisbeth die im Laufe der Zeit einen spürbaren Wandel durchmacht sowie David Bennent (Die Blechtrommel Die Blechtrommel) als sein Knappe César, der die Willkür des feudalen Systems hat am eigenen Leibe erfahren dürfen.

Für all jene die nun Interesse an dieser Neuinterpretation des bekannten Stoffes gefunden, den Film jedoch im Kino verpasst haben, kommt nun die Rettung, denn Polyband bringt „Michael Kohlhaas“ ab dem 28. März 2014 auf Blu-ray und DVD direkt in euer Wohnzimmer. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und zeichnet sich zumeist mit sehr unterkühlten Farben aus, während der Ton in DTS-HD 5.1 in den Sprachen Deutsch und Französisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, welche überschaubar, qualitativ jedoch wirklich sehenswert waren. In gut 30 Minuten berichten Mads Mikkelsen und Regisseur Arnaud des Pallières über den Film, dessen Entstehungsgeschichte und die recht schwierige Adaption der Novelle von Heinrich von Kleist.

Arnaud des Pallières schafft es Heinrich von Kleist seine Novelle in einem komplett neuen Gewand darzustellen, was nicht nur gegenüber der Vorlage interessant ist, sondern ebenso von Mads Mikkelsen erneut brillant umgesetzt wurde.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Polyband

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Michael Kohlhaas

Länge: 122 min

Kategorie: Drama

Start: 28.03.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Michael Kohlhaas

Michael Kohlhaas

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 122 min
Kategorie: Drama
Start: 28.03.2014

Bewertung Film: (7,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten