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Lost Place

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 14. März 2014

Lost Place

Das deutsche Genre-Kino steckt bereits seit mehreren Jahrzehnten in einer gewaltigen Krise, denn obwohl in den späten 20er und den frühen 30er Jahren die Grundsteine gelegt wurden, kam mit Ausnahme der Komödie doch nie etwas Besonderes dazu. Umso mehr muss man jenen Respekt zollen die sich trotz allem am Horror und Thriller Genre versuchen, was im Falle des Regiedebüts von Thorsten Klein durchaus lobenswert ist, sich dem Vergleich mit ähnlichen Werken aus dem Ausland aber lieber nicht stellen sollte.

Der etwa 18-jährige Daniel (François Goeske) und seine E-Mail Bekanntschaft Elli (Jytte-Merle Böhrnsen) sind leidenschaftliche Geocacher, welche sich mit einem GPS Gerät bewaffnet in den Pfälzer Wald begeben und dort versuchen Hinweisen nachzujagen, um am Ende einen geheimnisvollen Schatz zu finden. An ihrer Seite befinden sich ebenso Daniels Kumpel Thomas (Pit Bukowski) und Ellis Freundin Jessi (Josefine Preuß), die von alledem nicht unbedingt angetan sind. Die Schnitzeljagd führt die vier schließlich auf ein altes Militärgelände auf dem zu Zeiten des kalten Krieges die Amerikaner mit Radiowellen experimentiert haben sollen, doch obwohl auch der nahe gelegene Campingplatz verlassen zu sein scheint, geht dort dennoch etwas vor. Nach dem Verzehr einiger Haschkekse fallen die vier Freunde plötzlich in Ohnmacht, doch plötzlich ist Jessi verschwunden. Mit Hilfe eines plötzlich auftauchenden Wissenschaftlers (Anatole Taubman) in einem Strahlenschutzanzug machen sie sich nun daran das Geheimnis um den Wald und die geheime Bunkeranlage zu lösen…

Lost PlaceRückblickend auf die letzten zwanzig Jahre gibt es wohl nur sehr wenige gute Thriller und Horrorfilme die nicht nur in Deutschland gedreht, sondern ebenso produziert wurden. Die Ausnahme bildet bei alledem wohl am ehesten „Anatomie“, der mit seiner nahezu perfekten Atmosphäre das geschafft hat, was später unzählige Regisseure zu kopieren versuchten. Mit „Lost Place“ versucht sich nun auch der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Thorsten Klein in seinem Regiedebüt einen ganz ähnlichen Status zu erarbeiten, denn sein Film wurde nicht nur in aufwändigem 3D gedreht, sondern setzte als erste deutsche Produktion ebenso auf die neue Technik namens Dolby Atmos, bei der die Töne in noch mehr Tonspuren untergebracht werden.

So ambitioniert sich all dies im ersten Moment auch anhören mag, so enttäuschend fällt letzten Endes leider das Ergebnis aus. In bekannter Manier wird uns hier die Geschichte vierer Freunde im Wald aufgetischt, welche vor Klischees nur so strotzt und auch kaum eine Gelegenheit auslässt, um uns etwas zu zeigen das wir nicht bereits aus hunderten vergleichbarer Werke kennen würden. Da haben wir den Nerd der einfach keine Bindung zu Frauen findet, eine Dame mit einem kleinen Handycap das für das spätere Finale dienen soll, einen recht verblödeten Kumpel und eine noch dümmere Blondine, wodurch die ersten Opfer bereits vorgezeichnet sind.

Lost PlaceDas Problem bei alledem ist aber vor alledem das Drehbuch selber, welches Thorsten Klein zusammen mit Lena Vurma (Ausflug) verfasste und welches zwar ambitioniert erscheint, dennoch aber ungemein vieles falsch macht. Das Setting ist gut gewählt, der Pfälzer Wald ist noch unverbraucht, der altbackene Campingplatz besitzt einen gewissen Charme und auch die verwinkelte Bunkeranlage kann zum Teil überzeugen, doch besitzt „Lost Place“ zu keiner Zeit einen gewissen Spannungsbogen. Die vier Freunde irren durch den Wald, bereits recht früh wird auf absolut plumper Art und Weise klar gemacht das Daniel im späteren Verlauf seine eigenen Ängste besiegen muss, während der unbekannte Mann im Strahlenschutzanzug dermaßen viel Spannung herausnimmt, dass der Film bereits an dieser Stelle zu Ende sein könnte. Doch weit gefehlt, ab diesem Wendepunkt stagniert „Lost Place“ nun beinahe eine Stunde, wenn die restlichen verbliebenen der Gruppe nun versuchen das Geheimnis hinter der Anlage zu ergründen und sogleich auch zu stoppen, damit sie mit ihrem eigenen Leben davon kommen.

Dies alles hätte man spannend aufbereiten können, nur hätte man dafür eine wesentlich härtere Gangart einlegen müssen. Durch die angestrebte FSK 12 Freigabe fühlt sich „Lost Place“ stets wie ein Film für ältere Kinder an, auf Schockmomente wird vollkommen verzichtet, während auch Spannungsspitzen zuweilen vollkommen ausbleiben. An dieser Stelle hätte man vielmehr darauf bauen sollen was wirklich passiert, der Zuschauer möchte die Bedrohung sehen, fassen und spüren können, erleben was mit der entführten Jessi passiert, doch auf all dies wird hier leider verzichtet. Daraus resultiert auch das „Lost Place“ gerade für das ältere Publikum einen Großteil der Zeit bestenfalls dahin plätschert, man als Zuschauer sprichwörtlich das Ende herbei sehnt, während sich dieses bei einer Länge von beinahe zwei Stunden ungemein quälend nach hinten zieht.

Lost PlaceAn diesem konzeptionellen Umstand des unterdurchschnittlichen Drehbuchs können auch die Darsteller nur wenig ändern, die zwar ambitioniert erscheinen, doch kaum etwas an die Hand bekommen um mehr abzubilden als diverse Klischees. Die Figuren sind kaum ausgearbeitet, den wohl größten Background bekommt der Mann im Strahlenschutzanzug verpasst der nur wenige Minuten zu sehen ist, währenddessen wir uns stets Fragen, wie diese vier Menschen überhaupt jemals haben zusammenfinden können. Das der unerträglich dumme Thomas wirklich Daniels Freund sein könnte ist genauso unlogisch wie die stets desinteressierte Jessi als Teil von Elli, was in der Gesamtbetrachtung diverser Logiklöcher aber schon bald nicht mehr wichtig zu sein scheint.

Kommen wir nun aber auf das 3D zu sprechen, wurde „Lost Place“ doch aufwendig direkt in 3D gedreht und nicht erst im Nachhinein konvertiert. Die zusätzliche Tiefenschärfe kommt gut zur Geltung, die Waldszenen wirken zum Großteil sehr räumlich, während im späteren Bunker von alledem nur noch sehr wenig zu sehen ist. Ebenso das neue Soundkonzept auf Basis Dolby Atmos muss infrage gestellt werden, denn wo bereits zum Kinostart kaum ein Lichtspielhaus dieses wiedergeben konnte, ist man im Home Entertainment Bereich davon natürlich noch Jahre entfernt. Deswegen wurde diese Audiospur auch erneut auf DTS-HD 5.1 heruntergerechnet, was noch immer gut ist, ein 7.1 in der heutigen Zeit jedoch wünschenswert gewesen wäre.

Für all jene die sich von dieser Kritik nicht abgeschreckt fühlen und „Lost Place“ trotz allem eine Chance geben möchten, für die wird sich ab dem 28. März 2014 die Gelegenheit ergeben, denn NFP marketing und distribution bringt diesen auf Blu-ray, DVD und natürlich auch per Video-on-Demand in euer Wohnzimmer. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p insbesondere bei den zahlreichen Waldszenen wirklich gut, während der Ton in DTS-HD 5.1 durchaus gelungen auf die unterschiedlichen Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere am zusätzlichen Material des Mediums interessiert, wo uns diesmal mit rund anderthalb Stunden einiges geboten wird. In einem 20-minütigen Interview berichten François Goeske, Josefine Preuß, Pit Bukowski, Thorsten Klein, Alex Weimer und Esther Friedrich vom Dreh und was alles bei 3D beachtet werden muss, wir bekommen einige geschnittene Szenen zu sehen und wir sind natürlich bei den Soundtrack Aufnahmen in Prag live dabei. Nicht fehlen darf bei alledem ein 40-minütiges Videotagebuch vom Dreh sowie eine Folge von „dEEP – das 3D Kinomagazin“, in welcher der Fokus auf „Lost Place“ gelegt wurde. Neben einem Trailer bietet noch ein ausführliches Feature über die Visual FX Elemente den Abschluss, wodurch die zahlreichen Extras wunderbar abgerundet werden.

Thorsten Kleins Regiedebüt „Lost Place“ kann als recht ambitioniert angesehen werden, doch kommt vor allem das Drehbuch kaum über die Durchschnittlichkeit heraus. Kaum Spannung, von Horror ist weit und breit nichts zu sehen, während in erster Linie bekannte Klischees bedient werden.

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Copyright: MovieBrats, Dragonfly Films, NFP

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Lost Place

Länge: 101 min

Kategorie: Horror, Mystery, Thriller

Start: 28.03.2014

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

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Lost Place

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 101 min
Kategorie: Horror, Mystery, Thriller
Start: 28.03.2014

Bewertung Film: (5/10)

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