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The Philosophers

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 14. Februar 2014

The Philosophers

Experimente einer Schulklasse sind immer ein gern gesehenes Thema, um zum einen die jeweilige Phantasie weiter zu entwickeln, zum anderen aber auch um die Jugendlichen mit einer unbekannten Situation zu konfrontieren und somit die Fähigkeit für selbstständige Entscheidungen zu stärken. Besagtes Experiment wurde bereits mit den Filmen „Die Welle“ und „Das Experiment“ recht anschaulich und überaus erfolgreich aufbereitet, mit John Huddles „The Philosophers – Wer überlebt?“ wird nun ein Gedankenexperiment dargestellt, bei dem sich eine zwanzigköpfige Schulklasse der theoretischen Frage ausgesetzt sieht, welche Menschen welchen Wert haben, wenn die Menschheit durch einen atomaren Konflikt bedroht wird.

An einer internationalen Schule in Jakarta werden Jugendliche auf das spätere Leben vorbereitet. Einer dieser Vorbereitungskurse ist der Philosophieunterricht von Mr. Zimit (James D’Arcy), der am letzten Schultag ein letztes Mal zu einem Gedankenexperiment einlädt. Ziel dieses Experimentes soll es sein die möglichst richtige Entscheidung zu treffen, wenn in einem Endzeit Szenario die Welt von einer atomaren Katastrophe bedroht wird. In diesem Szenario steht die zwanzigköpfige Schulklasse vor einem Bunker der nur ausreichend Platz für zehn von ihnen bietet und so liegt es an den Schülern selber zu entscheiden wer in den Bunker darf und wer es nicht wert ist zu überleben. Ein entscheidendes Kriterium bei dieser Auswahl sind die jeweiligen Berufe die vorher per Karte gezogen wurden, Interessen die über dem Allgemeinwohl stehen sowie jener Fakt, dass mit besagten zehn Individuen die Menschheit in einem Jahr wieder komplett neu aufgebaut werden soll…

The PhilosophersNachdem sich Regisseur und Drehbuchautor John Huddles (Unsere verrückte Farm) gegen Ende der 90er Jahre an zwei Produktionen mehr oder minder erfolgreich versuchte, ist es in den letzten 15 Jahren recht ruhig um seine Person geworden. Mit „The Philosophers – Wer überlebt?“ versucht Huddles nun seinen Neuanfang, doch wo er sich in einer zweifelsohne interessanten Geschichte diversen moralischen Fragen hingezogen fühlt, bleibt leider die Spannung auf der Strecke. Woran aber liegt es das sein Film trotz dem offensichtlichen Potential einfach nicht zu überzeugen vermag?

In erster Linie liegt dies an der Konzeptionierung des entsprechenden Drehbuchs, dass über weite Strecken ungemein viel Potential aufweist, letzten Endes dieses Potential aber einfach nicht zu nutzen vermag. Die im Mittelpunkt stehenden Figuren wirken zum Großteil einfach zu glatt, wie ein paar Jugendliche der Oberschicht die vollkommen ohne jegliche Makel Strukturen zu analysieren versuchen, die es eigentlich wert wären weiter hinterfragt zu werden. Dadurch werden bewusst Szenen provoziert in denen die Jugendlichen anhand ihrer per Los gezogenen Berufe den Wert eines Menschen beurteilen müssen, wie dieser in einer möglichen Zukunft zu gebrauchen ist und wie sich seine Einstellung auf den Rest des Teams auswirken würde, müssen diese doch nicht nur auf engstem Raum ein Jahr überleben, sondern ebenso für Nachwuchs sorgen.

The PhilosophersDie damit verbundenen moralischen Fragen sind nie komplett ausformuliert, vieles wirkt behäbig, fast schon statisch und aus der Feder eines neunmalklugen, wenn beispielsweise der Film nicht nur mit Zitaten berühmter Dichter begonnen wird, sondern zeitgleich ein Experiment von Philippa Foots versucht wird zu erklären, bei dem es um das Endgleisen eines Zuges und das Retten von Menschenleben geht. Dieser theoretische Ansatz ist es letztendlich auch durch den alles ein wenig unfertig wirkt, denn psychologische Probleme und extreme Situationen wie ein auftretender Kannibalismus werden kaum in ihrer Gänze verdeutlicht. Stattdessen springt man von einem Extrem ins nächste, während alle drei Gedankenexperimente doch im groben gleich aufgebaut sind und spätestens beim zweiten Durchlauf doch bereits Längen durch Wiederholungen entstehen.

Während der moralische und philosophische Ansatz zumeist in theoretischen Diskussionen endet, versucht John Huddles durch den Wechsel zwischen Klassenzimmer und Bunker immer wieder ein wenig Fahrt in sein Werk zu bekommen. Das dies nicht unbedingt funktioniert liegt ein wenig an der Perfektion der ausgewählten Orte, denn während das Klassenzimmer von seiner Wertigkeit her wie ein Ort für Millionärskinder wirkt, ist die komplette Bunkeranlage doch in erster Linie von einer übertriebenen Reinheit und Perfektion gezeichnet. Im Hinblick auf die drei Landschaften vor den Bunkern versucht Huddles sein moralisches Konzept in erster Linie mit Vielfalt zu erklären, denn während wir uns beim ersten Experiment noch in den Ruinen eines alten Tempels befinden, rückt später die zerklüftete Landschaft von Vulkanen und eine Insel in den Mittelpunkt des Interesses. Insbesondere bei den ersten beiden liegt der Gebrauch von Green-Screen auf der Hand, denn wenn man die zum Teil wirklich schlechten CGI Projektionen sieht in denen sich die Gruppe bewegt, fühlt man sich zuweilen in die späten 90er Jahre zurückversetzt.

The PhilosophersIm Bereich der Darsteller kann man bei „The Philosophers – Wer überlebt?“ nur wenig Kritik anbringen, denn alle wurden ganz offensichtlich in erster Linie nach ihrem äußeren ausgewählt. Wirkliche Randgruppen gibt es kaum, ein jeder scheint zumindest körperlich bestimmten Idealbildern zu entsprechen, während die Darsteller selber zumeist ihre theoretischen neunmalklugen Texte aufsagen, die viel Inhalt vorgaukeln, jedoch einfach nicht zu packen verstehen.

All jene die von diesen Zeilen nicht abgeschreckt sind und sich selbst von den Qualitäten des Films überzeugen möchten, den bietet sich ab dem 18. Februar 2014 die Gelegenheit. Im Verleih von Ascot Elite Home Entertainment ist „The Philosophers – Wer überlebt?“ auf Blu-ray, DVD und natürlich auch per Video-on-Demand erhältlich. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und überwiegend durch sehr kräftige Farben gekennzeichnet, während der Ton in DTS-HD 5.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, die sich diesmal durchaus sehen lassen konnten. Neben dem Feature „Behind the Scenes“ in welchem wir einen Eindruck zur Entstehung und zur Produktion bekommen, sind doch insbesondere die zahlreichen Interviews mit dem Cast recht interessant gehalten. Den Abschluss bildet neben zahlreichen Trailern ein Feature zum letzten Drehtag, bei dem die Verantwortlichen die letzten Szenen recht entspannt abdrehen.

John Huddles verfolgte mit „The Philosophers – Wer überlebt?“ im Grunde einen recht interessanten Ansatz im Hinblick auf moralische Fragen und die daraus resultierenden Probleme, doch wirkt sein Werk letzten Endes einfach zu steril und perfekt. Menschliche Abgründe und Probleme werden nicht hinterfragt, die Darsteller wirken nur wenig überzeugend und somit ist es kein Wunder, dass die Umsetzung über weite Strecken den Zuschauer einfach nicht zu packen versteht.

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Wir vergeben daher 5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Ascot Elite Home Entertainment

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The Philosophers

Länge: 107 min

Kategorie: Drama, Fantasy, Sci-Fi

Start: 18.02.2014

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

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Info

The Philosophers

The Philosophers

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 107 min
Kategorie: Drama, Fantasy, Sci-Fi
Start: 18.02.2014

Bewertung Film: (5/10)

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