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Shogun

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 3. Februar 2014

Shogun

Seitdem die Blu-ray mit ihren hochauflösenden Bildern und dem fein abgestimmten Ton vor vielen Jahren Einzug in unser Wohnzimmer fand, sind diverse Filmverleihe bemüht nicht nur neue, sondern insbesondere ältere Filme zu digitalisieren und dem Zuschauer erneut zugänglich zu machen. Aus diesem Grund werden wir in letzter Zeit nicht nur mit vielen Klassikern aus den 40er, 50er und 60er Jahren bedacht, sondern nun auch mit einer der größten Fernsehserie überhaupt, denn Paramount Home Entertainment beschloss den knapp neunstündigen „Shogun“ aus den 80er Jahren noch einmal komplett zu überarbeiten.

Japan am Anfang des 17. Jahrhunderts: Der englische Navigator John Blackthorne (Richard Chamberlain) erleidet bei der Überfahrt von zwei Ozeanen Schiffbruch vor der Küste Japans, wo nicht nur ein Großteil seiner Besatzung ums Leben kommt, sondern dieser auch mit einer völlig anderen Kultur konfrontiert wird, mit der Anfangs nicht unbedingt viel anzufangen weiß. Bereits am Strand wird er Zeuge einer grausamen Hinrichtung, doch wo anfangs noch Barbaren das kleine Fischerdorf regieren, soll sich bald eine komplett andere Sichtweise auf die dort lebenden Bewohner herauskristallisieren. Nach einem kurzen Aufenthalt im Gefängnis wird John zum Gefolgsmann des aufstrebenden Kriegsherrn Toranaga (Toshiro Mifune), er lernt mit Hilfe dessen Vertrauter Mariko (Yoko Shimada) die japanische Sprache und die Kultur des Landes kennen, während er schon bald zwischen die Fronten rivalisierender Kriegsherren gerät…

ShogunBasierend auf dem überaus erfolgreichen Roman des britisch-amerikanischen Schriftstellers James Clavell (Gesprengte Ketten) versuchte Regisseur Jerry London (Ein Käfig voller Helden) beinahe 1200 Seiten in einen beinahe neunstündigen Film abzubilden, der im Laufe von beinahe drei Jahrzehnten in den unterschiedlichsten Schnittfassungen im Fernsehen zu sehen war. Besagter Roman basiert auf den wahren Erlebnissen des englischen Navigators William Adams, der mit einer holländischen Expedition um 1600 herum an der Küste Japans strandete und zwei Jahrzehnte später als erster Europäer überhaupt in den Stand eines Samurais erhoben wurde.

Bei der Adaption eines so erfolgreichen Romans wie „Shogun“ bleibt der direkte Vergleich natürlich nicht aus, denn obwohl die damalige Mini-Serie mit rund neun Stunden recht umfangreich war, musste Jerry London dennoch rein strukturell auf einige Passagen des Buches verzichten. So wurde sich in erster Linie auf John Blackthorne und dessen Sicht der Dinge konzentriert, einzelne Nebenschauplätze in denen Randfiguren Seitenarme der Geschichte prägten wurden weggelassen, während auch die Gedankengänge Fürst Toranagas weitestgehend reduziert wurden. Dies alles ist jedoch keinesfalls schlimm, denn durch die Straffung der Geschichte und die Reduzierung auf eine einzelne Perspektive geling es auch Neulingen welche das Buch nicht kennen, sich nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung in der verworrenen Kultur Japans zurecht zu finden.

ShogunDiese Kultur ist es auch auf die hier sehr viel Wert gelegt wurde, denn obwohl es rein inhaltlich in erster Linie um Machtspiele diverser Fürsten geht, ist es doch wunderbar mitanzusehen, wie ein Engländer ohne jedwede Kenntnisse von diesem Land sich mit der Zeit damit nicht nur beginnt auseinander zu setzen, sondern gleichwohl daran Gefallen zu finden. Er lernt die Menschen kennen, akzeptiert dessen Lebensweise als einen Teil ihrer Kultur, während er nicht nur zu verstehen beginnt, sondern sich mit der Zeit gleichwohl als einen Teil davon betrachtet.

Natürlich ist diese Adaption aus heutiger Sicht mit allerlei Klischees behaftet, die Settings und auch die Kostüme halten nicht unbedingt einem zweiten Blick in Richtung detailtreue des 17. Jahrhunderts stand und dennoch wird man als Zuschauer sprichwörtlich von der Geschichte in ihren Bann gezogen. Als zusätzliche Unterstützung dieses kulturellen Aspekts wurde auch komplett auf eine Übersetzung der japanischen Dialoge verzichtet, selbst Untertitel sind nicht vorhanden, wodurch zum einen das nichtverstehen der Gegenseite wunderbar transportiert wird, zum anderen der Voice-Over-Erzähler zur Geltung kommt, der Gedanken aufbereitet und wertvolle Hintergrundinformationen für den Zuschauer bereit hält.

ShogunNeben der wirklich gelungenen Adaption sollte an dieser Stelle allerdings vielmehr Wert auf die entsprechende Überarbeitung der Blu-ray gelegt werden, die sich qualitativ zur überarbeiteten DVD vor einigen Jahren im positiven Sinne abzuheben versteht. Das Bild wurde natürlich im Verhältnis von 4:3 belassen, jedoch einer erneuten Digitalisierung unterzogen, wodurch die Fragmente innerhalb des Bildes noch einmal reduziert werden konnten. Während man sich dazu entschloss die überladen wirkende Art der warmen Farben beizubehalten, haben die Verantwortlichen insbesondere bei der erneuten Abtastung der Tonspur einiges herausholen können. Freunde der original englischen Version können sich auf eine sauber abgestimmte DTS-HD 5.1 Tonspur freuen, während alle übrigen Sprachen leider noch in Mono vorliegen.

Wie aber ist es mit dem zusätzlichen Material bestimmt, kommt „Shogun“ doch trotz seiner beinahe neun Stunden Spielzeit auf drei Blu-rays daher? Im Bereich der Extras hat sich Paramount Pictures diesmal mehr als nur angestrengt, denn wir bekommen das 13-teilige „Making Of“ geboten das mit fast 80 Minuten kaum etwas auszulassen vermag. Wir wohnen der Produktion bei, erfahren zusätzliche Details zur Entstehungsgeschichte, den Dreharbeiten im Studio sowie dem kulturellen Hintergrund, prallten hier doch entgegengesetzte Weltbilder aufeinander. Es geht weiter mit drei Features zu den Samurai, der Teezeremonie sowie der Geisha die zusammen rund 15 Minuten lang sind, während auf dem dritten und letzten Medium Regisseur Jerry London zu sieben ausgewählten Szenen (12 min) noch einen Audiokommentar für den Zuschauer bereithält. All diese Extras wurden jedoch nicht wie der Film noch einmal aufwendig restauriert, wodurch sie ausschließlich in SD Qualität vorliegen.

Mit „Shogun“ hat Regisseur Jerry London eine Romanadaption erschaffen die sich wirklich sehen lassen kann. Die Geschichte wurde nahezu genau wiedergegeben, ist mit seinen rund neun Stunden recht umfangreich, während Richard Chamberlain in seiner Rolle brilliert. All jene die womöglich noch die DVD im Regal stehen haben dürfen bei der digitalisierten Blu-ray bedenkenlos zugreifen, es lohnt sich!

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Paramount Home Entertainment

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Shogun

Länge: 548 min

Kategorie: Drama, History

Start: 06.02.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Info

Shogun

Shogun

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 548 min
Kategorie: Drama, History
Start: 06.02.2014

Bewertung Film: (7,5/10)

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