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Mittsommernachtstango

Geschrieben von Frank Schmidke am 19. Februar 2014

Mittsommernachtstango_1Mit stoischer Mine sitzt Finnlands Kult-Regisseur vor der Kamera und erzählt von der Herkunft des Tango. Erfunden selbstverständlich von den Finnen, den Ostfinnen um genau zu  sein, dann von Seefahrern verbreitet und über Uruguay nach Argentinien gekommen. Eigentlich verwundere es ihn nicht, dass die Argentinier den Tango für sich beanspruchen, schließlich würden die Finnen von der Geschichtsschreibung ja des Öfteren stiefmütterlich behandelt: Auch der Walzer sei eine finnische Erfindung! Aber das sei eine andere Geschichte.

Mittsommernachtstango_8Klar, dass der stolze Argentinier diese Entstehungsgeschichte des Tango so nicht stehen lassen kann. Also schickt die deutsche Regisseurin Viviane Blumenschein ein argentinisches Tango-Trio auf die Reise in die finnische Mittsommernacht, zum Kampf der Tango-Kulturen. Dabei geht es um die Musik nicht um den Tanz, denn die Finnen tanzen eher einen „Gehtango“. Und ganz so martialisch wie man vermuten könnte, geht es in dieser musikalischen Spurensuche auch nicht zur Sache, denn die sympathischen Protagonisten in „Mittsommernachtstango“ sind voller gegenseitigen Respekts und wollen voneinander lernen, sich nicht gegenseitig die musikalische Tradition streitig machen.

Mittsommernachtstango_5Dem Zuschauer kann das nur recht sein, denn die drei Argentinischen Musiker kurven mit einem alten ladaartigen Wagen durch die finnische Einöde und besuchen die hiesigen Tango-Größen. Immer wieder springt die alte Kiste nicht an und nicht immer ist man sich über den Weg sicher. Da folgt man schon einmal einer mobilen Sauna, die von einem Mofa gezogen wird, bis in den nächsten Ort.

Zunächst wirkt das ländliche Tanzvergnügen jenseits des nördlichen Polarkreises auf Chino Laborde (Bandoneon), Diego Kvitko (Gitarre und auch für die Filmmusik verantwortlich) und Pablo Greco (Gesang) eher befremdlich, aber bald ist die Stimmung ansteckend und man erkennt, dass finnischer Tango keine Konkurrenz zum argentinischen ist, vielmehr eine Spielart, eine Variante, die dem bärigen Gemüt der Menschen und der einsamen Weite des Landes angepasst ist.

Mittsommernachtstango_3M.A. Numinem, quasi der zeitgenössische Papst für finnischen Tango, findet erläuternde Worte und ist sich auch nicht zu schade, regelmäßig im Hasenkostüm für Kinder zu spielen – Tango versteht sich. Auf dem Bauernhof der berühmten finnischen Tango-Sängerin Sanna Pietiäinen, bekommt Pablo auch noch eine Gesangsstunde und müht sich redlich mit den unaussprechlichen finnischen Worten.

Am Ende sind alle zufrieden, außer vielleicht Aki Kaurismäki, dem man das nie ansehen kann, und die Finnen haben etwas von dem südamerikanischen Temperament erleben können. Die Argentinier freuen sich auf die heimische Großstadt Buenos Aires und darauf, endlich wieder im Dunkeln schlafen zu können. Und die Zuschauer haben Lust auf musikalische Entdeckungsreisen zu gehen.

„Mitternachtstango“ ist ein unterhaltsamer Ausflug in die Welt der melancholischen Musik und kann mit seinen liebenswerten Protagonisten und dem leisen Humor überzeugen. Wer allerdings eine musikwissenschaftliche Dokumentation erwartet, wird von diesem Road Movie enttäuscht sein.

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Copyright: Neue Visionen

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Mittsommernachtstango

Länge: 82 min

Kategorie: Documentary

Start: 13.03.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Mittsommernachtstango

Mittsommernachtstango

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 82 min
Kategorie: Documentary
Start: 13.03.2014

Bewertung Film: (7/10)

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