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Lang lebe Charlie Countryman

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 17. Februar 2014

Lang lebe Charlie Countryman

Wenn ein aufstrebender Kurz- oder Werbefilm Regisseur plötzlich damit beginnt die nächste Stufe seiner Karriereleiter zu erklimmen, so muss man zumeist recht vorsichtig sein, denn im Bereich des Spielfilms gelten nicht nur komplett andere Regeln, die Erwartungshaltung des Zuschauers ist auch eine völlig andere. Im Falle von Fredrik Bond trifft genau dies auf seinen ersten Spielfilm namens „Lang lebe Charlie Countryman“ zu, welcher bereits im Wettbewerb der Berlinale vor nunmehr einem Jahr lief und nun doch noch seinen Sprung ins Heimkino vollzieht.

Der etwa 25-jährige Charlie Countryman (Shia LaBeouf) hat alles andere als ein normales Leben, doch als er plötzlich mit ansehen musste wie seine Mutter stirbt, muss sich schleunigst etwas ändern. Zum Glück rät ihm der Geist seiner Mutter sein Glück in Bukarest zu suchen, einmal ein komplett anderes Land zu erkunden und eigene Erfahrungen zu sammeln. Besagte Erfahrungen sammelt Charlie bereits im Flugzeug zur rumänischen Hauptstadt, wo sein direkter Sitznachbar plötzlich neben ihm vollendet und ihn bittet seine Tochter Gabi (Evan Rachel Wood) aufzusuchen und ein Geschenk zu überreichen.

Lang lebe Charlie CountrymanDas Treffen mit Gabi könnte kaum besser verlaufen, denn Charlie verliebt sich nicht nur umgehend in die Musikerin, er findet auch langsam gefallen an der etwas anderen Stadt, die mit zahlreichen Problemen für einen ungewohnten Kontrast zu sorgen vermag. Leider findet Gabis Ehemann Nigel (Mads Mikkelsen) diese aufkeimende Romanze alles andere als lustig, weswegen er nicht nur Charlie die eine oder andere Lektion zu erteilen vermag, sondern ganz nebenbei auch noch Gangsterboss Darko (Til Schweiger) auf der Spielfläche erscheint, der nicht lange mit sich reden lässt…

Der schwedische Regisseur Fredrik Bond (The Mood) machte in der Vergangenheit in erster Linie als Werbefilmer auf sich aufmerksam, doch wenn es um den Sprung auf die nächst höhere Stufe der Karriereleiter geht, vermag auch er allerhand Register zu ziehen. Für sein Debüt namens „Lang lebe Charlie Countryman“ verpflichtete Bond mit Shia LaBeouf, Mads Mikkelsen und Til Schweiger gleich eine ganze Reihe hochkarätiger Darsteller, doch auch diese helfen nur wenig, wenn sich das Drehbuch von Autor Matt Drake (Project X) als Stoff herausstellt der den Zuschauer einfach nicht zu packen versteht.

Lang lebe Charlie CountrymanIm Grunde könnte man das Drehbuch als eine Art Aneinanderreihung von bekannten Elementen beschreiben, wenn Matt Drake die in den letzten Jahren gern genutzte Art einen Film von hinten aufzurollen auch hier zu praktizieren versucht. Der Zuschauer wird sogleich mit dem vermeintlichen Tod des Hauptprotagonisten konfrontiert, bevor Erzähler John Hurts zeitlich um einige Wochen zurück springt und versucht etwas Licht ins dunkle zu bringen. Besagte Geschichte hat zuweilen etwas von einem Krimi, eine Art Drama das eine kleine Romanze beinhaltet, bevor sich gegen Ende alles in etwas undefinierbares verwandelt.

Ohne besagtes Ende nun zu sehr vorweg nehmen zu wollen (der Zuschauer erfährt es bereits nach nur fünf Minuten), so scheint Matt Drake nie genau zu wissen wo er mit seinem Film überhaupt hin möchte. Die Nebenhandlung rund um die undurchsichtige Gabi ist bestenfalls im Ansatz interessant und erinnert strukturell an eine der vielen Folgen von „Tatort“, während die Seitenarme der Geschichte bezüglich der Figuren ihres Ehemanns Nigel und Gangsterboss Darko so hoffnungslos grotesk und überzeichnet daherkommen, dass man diese zuweilen sogar mit recht viel Humor aufnehmen könnte.

Lang lebe Charlie CountrymanEs ist aber nicht nur diese unglaubliche Geschichte die zu keiner Zeit einem logischen roten Faden folgt und die manchmal als eine Art Drogenerzeugnis daherkommen könnte, es sind auch die Darsteller die bereits beim Dreh mitbekommen haben müssen, dass dies alles nicht im Ansatz eine Form von Wertigkeit aufweist. Der aus Transformers bekannte Shia LaBeouf läuft die ganze Zeit lustlos umher, die aufkeimende und bedingungslose Liebe zu Evan Rachel Wood (Across the Universe) ist nicht im Ansatz zu erkennen, wodurch sich der Zuschauer stets fragt, was all dies überhaupt soll. Neben dem hoffnungslos schlechten Til – ich habe keine Mimik – Schweiger (Kokowääh) kann sich in „Lang lebe Charlie Countryman“ noch am ehesten der Däne Mads Mikkelsen (Hannibal) auszeichnen, der mit seiner finsteren Art gewohnt souverän den unnachgiebigen Ehemann spielt, der alles dafür unternehmen würde sein Eigentum zu schützen.

Visuell ist „Lang lebe Charlie Countryman“ überwiegend sehr dunkel gehalten, Kameramann Roman Vasyanov (The East) versucht in erster Linie die eher weniger bekannten Ecken von Budapest zu nutzen, was zum einen dem Stil zugute kommt, zum anderen aber auch dem Budget des Films geschuldet sein dürfte. Leider wird besagter dunkler Stil immer wieder durch grotesk bunte drogenrauschartige Bilder unterbrochen, wodurch zum einen die entsprechende Musik von Mobi eingebunden wird, zum anderen aber auch eine gewisse fehlende Stringenz zu erkennen ist.

Das Debüt von Fredrik Bond ist alles andere als gelungen, was weniger der Inszenierung selber zuzuschreiben ist, als vielmehr dem unmöglichen Drehbuch von Matt Drake sowie den lustlosen Darstellern die zu keiner Zeit zu überzeugen verstehen.
Neben dem Trailer hat die DVD keinerlei Extras zu bieten.

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Wir vergeben daher 4,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Koch Media

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Lang lebe Charlie Countryman

Länge: 108 min

Kategorie: Drama

Start: 20.02.2014

cinetastic.de Filmwertung: (4,5/10)

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Info

Lang lebe Charlie Countryman

Lang lebe Charlie Countryman

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 108 min
Kategorie: Drama
Start: 20.02.2014

Bewertung Film: (4,5/10)

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