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Geld her oder Autsch’n!

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 23. Februar 2014

Geld her oder Autsch'n!

Bereits in frühster Kindheit kommen die ganz Kleinen trotz fortschreitender Technik oftmals als erstes mit dem Puppentheater in Berührung, wo noch heute altgediegene Puppenspieler mit bekannten Figuren die Kinder zu unterhalten versuchen. Im Falle von Puppenspieler René Marik sind allerdings vielmehr die älteren Zuschauer das avancierte Publikum, die nicht nur bei zahlreichen Live-Shows Maulwurfn, Eisbär Kalle und Frosch Falkenhorst haben bewundern dürfen, sondern nun auch endlich mit ihrem ersten Kinofilm im heimischen Theater.

Das Leben von Maulwurfn, Falkenhorst und Eisbär könnte besser nicht sein, denn während Frosch Falkenhorst als Theaterleiter des Cabarèt Toujour die Einnahmen des ausverkauften Hauses zählt, begeistert Eisbär mit seiner Show die Gäste. Ganz anders läuft es am anderen Ende der Stadt wo Kasper, Seppel, Gretel, Krokodil, Großmutter, Svetlana (Dorka Gryllus) und Bodo (Bodo Goldbeck) das Wasser bis zum Halse steht. Das Haus ist brüchig, die Zuschauer kann man an zwei Händen abzählen und die Rechnungen türmen sich bereits auf dem Tisch, doch was kann man tun? Kasper kommt die rettende Idee, denn wenn schon die Zuschauer nicht zu unterhalten sind, dann muss man sich eben anderen Möglichkeiten der Geldbeschaffung bedienen. Kurzerhand wird ein Plan ausgetüftelt bei dem Eisbär Kalle entführt werden soll, doch plötzlich hat nicht nur Falkenhorst kein Geld mehr um diesen auszulösen, sondern Gangster Spec (Christoph Maria Herbst) auch noch Anspruch auf besagte Summe…

Geld her oder Autsch'n!Die Live-Shows von Comedian René Marik (Neues aus der Anstalt) haben in den letzten Jahren über 300.000 Zuschauer gesehen, selbige wurde im Fernsehen als Serie ausgestrahlt, auf DVDs verkauft und die Clips auf YouTube zählen mehrere Millionen Besucher, was fehlt noch um das Franchise entsprechend abzurunden? Natürlich musste ein Kinofilm rund um die bekannten Puppen her, der trotz aller Bestrebungen jedoch nicht einfach zu realisieren war. René Marik konzipierte die erste Fassung des Drehbuchs, Autor Thomas Brussig (Sonnenallee) straffte dies ein wenig und gab ihm einen roten Faden, während Johan Robin die Regie übernahm und zeitgleich mit Marik sein Debüt gab. Trotz allem war „Geld her oder Autsch’n!“ nicht einfach zu realisieren und so wendete sich Marik an seine vielen Fans, die mit Hilfe von Crowdfunding innerhalb von nur 60 Tagen ganze 110.000 Euro zusammen trugen und somit die Finanzierung stemmten.

Das Ergebnis dieser Tortur kann sich wirklich sehen lassen, denn obwohl das Drehbuch die einen oder anderen konzeptionellen Schwächen aufweist, werden doch insbesondere Fans von Maulwurfn, Eisbär Kalle und Frosch Falkenhorst gut unterhalten. Die zugrunde liegende Geschichte mit Kalle als Entführungsopfer ist bei weitem nicht neu und schon gar nicht originell, dennoch können die Figuren mit ihren zahllosen Sprüchen über weite Strecken begeistern. Allen voran Eisbär Kalle mit seinem wunderbaren Berliner Slang der nach der Show hinter den Kulissen dem Alkohol und den Drohen frönt, während Kasperle sich als hartgesottener Gangster gibt, der in jeder zweiten Szene jemanden mit seinem Holzbrett vermöbelt.

Geld her oder Autsch'n!Natürlich gibt es neben Theaterleiter Falkenhorst noch eine dritte Partei im Film die etwas zu sagen hat, bei der Christoph Maria Herbst den fiesen Geldeintreiber gibt, der endlich seine Kohle zurück haben möchte. Leider ist gerade Herbst seine Figur von allen die enttäuschendste, denn während dieser zumeist auf den tollpatschigen Gangster reduziert wird dem nichts gelingen vermag, kann er auch kaum eigene Akzente setzen. Von Seiten der technischen Umsetzung muss man René Marik und Johan Robin durchaus Respekt zollen, denn Aufgrund der fehlenden Filmförderung drehten sie mit dem Geld der Fans und jenem einiger privater Investoren zum Großteil in zwei Phasen in Ungarn. Dabei wurde stets darauf geachtet das die viel kleineren Puppen durch geschicktes platzieren vor der Kamera vor den viel größeren Kulissen gut zur Geltung kommen, überzeugend dargestellt werden und sich gleichzeitig nicht vor den realen Darstellern zu verstecken brauchen, die zumeist kameratechnisch vor den Puppen stehen um die Größenverhältnisse zu minimieren.

René Marik’s „Geld her oder Autsch’n!“ soll aber weder durch seine visuelle Umsetzung noch durch seine Geschichte überzeugen, sondern vielmehr durch seiner Vielzahl an wirklich witzigen Dialogen. Diese sind allerdings alles andere als Kindgerecht aufbereitet, Alkohol und Drogen werden in den Szenen offen konsumiert, während die Dialoge zumeist in vulgärer Gossensprache vorgetragen werden.

Geld her oder Autsch'n!Wer nun Interesse an René Marik’s Debüt bekommen hat und dieses leider im Kino verpasste, der bekommt nun Gelegenheit dieses Versehen zu berichtigen. Im Verleih von Universum Film ist „Geld her oder Autsch’n!“ ab dem 21. Februar 2014 auf Blu-ray, DVD und natürlich auch per Video-on-Demand fürs Home Entertainment erhältlich, was insbesondere Fans von Marik empfohlen werden kann. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und überwiegend durch sehr kräftige Farben gekennzeichnet, während der Ton in DTS-HD 5.1 in deutscher Sprache gut auf die verschiedenen Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an dem zusätzlichen Material des Mediums interessiert, bei dem es einiges interessantes zu entdecken galt. Neben ganzen 13 Clips von jeweils einer Minute (waren bereits zum Kinostart auf YouTube zu sehen) bekommen wir in einem 18-minütigen „Behind the Scenes“ Feature wertvolle Einblicke in die Dreharbeiten, wo die Beteiligten auch ein paar Worte zu diversen Szenen verlieren. Den Abschluss der Extras bilden vier Interviews mit René Marik, Maulwurfn, Kalle und Falkenhorst, bei denen auf jeweils eingeblendete Fragen geantwortet wird. Besagte 40 Minuten an Interviews drehen sich in erster Linie um die jeweilige Rolle, die Dreharbeiten und natürlich die Idee des Films, die doch einige Jahre bis zur endgültigen Realisierung benötigte.

René Marik’s „Geld her oder Autsch’n!“ kann trotz einiger konzeptioneller Schwächen im Drehbuch zum Großteil überzeugen, was in erster Linie den unmöglichen Figuren und deren Dialoge zu verdanken ist. Fans können hier bedenkenlos zugreifen.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum, Dreamer Joint Venture Filmproduktion

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Geld her oder Autsch'n!

Länge: 93 min

Kategorie: Comedy

Start: 21.02.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

Geld her oder Autsch'n!

Geld her oder Autsch’n!

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 93 min
Kategorie: Comedy
Start: 21.02.2014

Bewertung Film: (6,5/10)

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