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Upside Down

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 5. Januar 2014

Upside Down

Es gibt immer wieder Filme die polarisieren, die Meinungen der Zuschauer stark auseinander gehen lassen, doch selten zuvor war das Meinungsbild so unterschiedlich wie man es bei Juan Solanas „Upside Down“ erleben durfte, der auf dem letztjährigen Fantasy Filmfest seine Deutschlandpremiere feierte und nun seinen Sprung ins Home Entertainment vollzieht. Was ist also dran an diesem seltsamen Film, der die Welt sprichwörtlich auf den Kopf zu stellen vermag?

In einem Universum jenseits unserer Vorstellungskraft gibt es zwei Planeten die sich so unglaublich nah aneinander befinden, dass man nicht nur auf dem jeweils anderen die Städte erkennen kann, sondern ebenso Besuche theoretisch möglich wären. Leider sind besagte Besuchte von den jeweiligen Regierungen strengstens untersagt, denn nicht nur das jeder Planet nur die jeweils eigene Materie durch die vorhandene Gravitation anzieht, es kann auch zu allerlei Nebenerscheinungen kommen, die in dem Fall durch inversive Materie herbeigeführt werden.

Upside DownIn dieser Welt lernt der auf dem unteren Planeten befindliche Adam (Jim Sturgess) in jüngeren Jahren die auf dem oberen Planeten lebende Eden (Kirsten Dunst) kennen und lieben, die sich in jeder nur freien Minute auf einem hohen Berg treffen, wo sich beide Planeten am nächsten sind. Leider wird besagter Romanze durch die Regierung schon bald ein Strich durch die Rechnung gemacht, woraufhin Eden bei einem Fluchtversuch zu ihrem eigenen Planeten einen Unfall erleidet. Zehn Jahre später arbeitet Adam als Wissenschaftler an einer neuartigen Creme als er Eden plötzlich im Fernsehen sieht, realisieren muss das sie damals doch nicht gestorben war und plötzlich beschließt bei der Firma „Transworld“ auf dem oberen Planeten zu arbeiten, um seine Traumfrau erneut in die Arme schließen zu können…

Als Sohn von Regisseur Fernando E. Solanas waren die Erwartungen an den Spanier Juan Solanas (La león) bereits frühzeitig recht hoch, die er bereits mit seinem ersten Kurzfilm erfüllen konnte, als er für „Der Mann ohne Kopf“ bei den Filmfestspielen in Cannes im Jahre 2003 den Preis der Jury erhielt. Zehn Jahre später ist von besagtem Glanz nur noch wenig übrig, denn nachdem sein letzter Spielfilm „Nordeste“ bereits acht Jahre zurück lag, musste Solanas sich wieder mit kleineren Angeboten begnügen. Mit der Verfilmung seines eigenen Drehbuchs präsentiert er mit „Upside Down“ nun einen Film der sich dramaturgisch an der bekannten Romeo und Julia Geschichte orientiert, sozialkritische Elemente mit einbringt und dies alles versucht mit einer recht unglaublichen Science Fiction Idee zu vermengen, was im Ansatz durchaus sehenswert ist, sich letzten Endes aber dennoch als zu wenig herausstellen soll.

Upside DownDas Problem von Science Fiction und Zukunftsvisionen ist oftmals die Art wie die Ideen umgesetzt werden, wie sehr man sich an physikalische Gegebenheiten hält und gleichzeitig stringent seine eigene Geschichte umsetzt, sodass möglichst wenig Logiklöcher entstehen. Im Falle von Juan Solanas „Upside Down“ sollte man auf genau diese Gegebenheiten eher weniger achten, denn wo sich zwei Planeten fast berühren, daneben noch über eine Art Fahrstuhl miteinander verbunden sind und zusätzlich noch die bekannte Thesen von Gravitation vollkommen auf den Kopf gestellt werden, versucht man weniger mit Stringenz als mit Story zu überzeugen.

Genau diese Geschichte ist es letzten Endes auch auf die sich Solanas in seinem Science Fiction Werk versucht zu konzentrieren, wenn er einerseits die bekannte Romeo und Julia Geschichte in Form von Adam und Eden neu aufrollt, zum anderen aber auch sozialkritische Elemente mit einbringt. Die Geschichte der verbotenen und somit unerreichbaren Liebe ist beim besten Willen nicht neu, sodass sich Solanas hier einfach mehr einfallen lassen muss. Besagtes „mehr“ versucht er hier mit den gesellschaftlichen Unterschieden großflächig abzubilden, denn während die Bewohner des oberen Planeten in Saus und Braus leben, werden jene auf dem unteren ausgebeutet. Es geht in „Upside Down“ aber nicht nur um die Ausbeutung von Lebewesen sondern vor allem um ein recht seltsames System von Gravitation, dass uns in den ersten fünf Minuten des Filmes ein Sprecher aus dem Off zu vermitteln versucht.

Upside DownGravitation ist auf Materie geeicht die auf dem jeweiligen Planeten vorkommt, wenn man Materie zu einem anderen Planeten überführt, so wirkt trotz allem noch immer jene Gravitation des Heimatplaneten. Zu Deutsch soll das heißen: Wenn ein Bewohner der unteren Welt zu jener der oberen reißt, geht er sprichwörtlich an die Decke. Natürlich sollte man über solche Dinge aus rein wissenschaftlicher Sicht nicht einmal im Ansatz nachdenken, im Falle von „Upside Down“ ergeben sich dadurch allerdings recht interessante Ideen, die mit jeder Menge CGI Sequenzen umgesetzt werden. So gibt es beispielsweise Büros in denen die Tische zum einen auf dem Boden und zum anderen an der Decke angebracht sind, da dort Individuen beider Planeten mehr oder weniger zusammen arbeiten. Um nun also die Traumfrau der oberen Welt kennen zu lernen muss sich Adam auf ihre Ebene der Gravitation begeben, was hier in Form von inversiver Materie umgesetzt wird, die er sich in Jacke und Schuhe versteckt einbaut, die sich mit der Zeit jedoch soweit erhitzt, dass seine Kleidung anfangen könnte zu brennen.

So interessant sich allein dieser Aspekt für Freunde guter Science Fiction Unterhaltung anhört, so täuscht diese verkehrte Welt trotz allem nicht darüber hinweg, dass die zugrunde liegende Geschichte nicht nur überaus flach aufgebaut, sondern zusätzlich mit allerhand Kitsch und Klischees angereichert ist. Die Suche nach der Traumfrau ist zuweilen einfach zu wenig, Randfiguren dienen lediglich dazu die Geschichte beider voran zu bringen, während Probleme sich oftmals spielerisch von selbst lösen, als das diese in weitere Sub-Plots weiter erörtert werden. Hier verlässt sich Juan Solanas einzig und allein auf seine atemberaubenden Bilder, die zwar überwiegend plastisch wirken und allein auf CGI aufbauen, den Zuschauer aber dennoch in Staunen versetzen. Wenn sich die strahlende obere Welt in ihren warmen Farben mit der kalten und monochrom unteren Welt gegenübersteht, fühlt man sich nicht nur an eine Szene aus „Inception“ erinnert, sondern sprichwörtlich selber auf den Kopf gestellt.

Upside DownVon Seiten der Darsteller sollte man hier leider nicht zu viel erwarten, denn abgesehen davon das Jim Sturgess (Cloud Atlas) und Kirsten Dunst (Melancholia) kaum Szenen miteinander haben, könnten beide schauspielerisch auch wesentlich mehr. Der Funke der Liebe scheint hier leider zu keiner Zeit wirklich zwischen den Personen über zu springen, die unsterbliche Liebe und die daraus resultierende Sehnsucht sind nicht einmal im Ansatz zu erkennen, was leider auch an so manch einfallslosem Dialog begründet liegt, der zuweilen absolut fehlplatziert wirkt.

Für all jene die nun an der Science Fiction Idee und den angesprochenen großartigen Bildern Gefallen gefunden haben, den bietet sich ab dem 16. Januar 2014 die Gelegenheit, denn „Upside Down“ erscheint im Verleih von Concorde Home Entertainment auf Blu-ray, DVD und natürlich auch als Video-on-Demand. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gestochen scharf und überaus reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir aber insbesondere an dem zusätzlichen Material des Mediums interessiert, das sich diesmal durchaus sehen lassen kann. In einem 27-minütigen „Making Of“ bekommen wir einen exklusiven Blick hinter die Kulissen und einen Eindruck wie die imposanten Szenen realisiert wurden, im 14-minütigen Storyboard wird uns ein Überblick zwischen den ursprünglichen Zeichnungen und dem finalen Film gezeigt, während wir in zwei Minuten ein paar kurze Szenen vom Film zu sehen bekommen, die es leider nicht in die finale Fassung geschafft haben. Den Abschluss der Extras bilden schließlich eine unkommentierte B-Roll von etwa fünf Minuten sowie etwa 20 Minuten Interviews in denen Juan Solanas und die Beteiligten des Films über die Idee dahinter und die eigentliche Entstehung berichten.

Juan Solanas „Upside Down“ muss man recht zwiespältig betrachten, denn während die Science Fiction Idee und das visuelle begeistern, ist die „Romeo und Julia“ Adaption einfach zu wenig um fast zwei Stunden unterhalten zu können.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Concorde

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Upside Down

Länge: 107 min

Kategorie: Drama, Fantasy, Romance

Start: 16.01.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Bewertung Extras: (7/10)

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Info

Upside Down

Upside Down

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 107 min
Kategorie: Drama, Fantasy, Romance
Start: 16.01.2014

Bewertung Film: (6/10)

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