cinetastic.de - Living in the Cinema

Museum Hours

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 26. Januar 2014

Museum Hours

Kunst und Kultur wird leider noch immer viel zu oft mit der elitären Oberschicht in Verbindung gebracht, mit gebildeten Akademikern die darin bestimmte Dinge sehen und etwas hinein interpretieren, woran oftmals der jeweilige Schöpfer vor langer Zeit nicht einmal im Traum gedacht hätte. Das Kunst aber auch für den ganz normalen Menschen etwas ist versucht nun Regisseur Jem Cohen aufzuzeigen, wenn er einen älteren Museumswärter beobachtet und gleichzeitig eine Geschichte erzählen lässt, die in erster Linie durch viel Erfahrung und Menschenkenntnis geprägt ist.

Der etwa 55-jährige Johann (Bobby Sommer) hat seine wilde Zeit bereits lange hinter sich. Früher war er einmal Punk, arbeitete danach als Manager für diverse Bands und zog mit diesen durchs Land, heute geht er es wesentlich ruhiger an. Als Museumswärter ist er im kunsthistorischen Museum in Wien tätig, hilft den Besuchern aus, beantwortet Fragen und achtet gleichzeitig darauf das keinem der Exponate etwas geschehen kann. Eines Tages spricht Johann eine einsam im Raum stehende Frau (Mary Margaret O’Hara) mit dem Namen Anne an, die vor einem der Bilder steht und tief versunken in ihren eigenen Gedanken zu schwelgen scheint. Anne kommt aus Kanada, ist in Wien nur zu Besuch bei ihrer im Koma liegenden Cousine, während sie immer wieder zwischen Krankenhaus und den Sehenswürdigkeiten Wiens hin und her pendelt. Beide kommen ins Gespräch, sehen sich tags darauf wieder und werden ein Teil des jeweils anderen Lebens…

Museum HoursEs gibt oftmals besonders ruhige Filme die keine große Geschichte zu erzählen haben, die zumeist darauf abzielen den Zuschauer als stillen Beobachter einzufangen und daraus zugleich eine ganz besondere Bindung herzustellen. Ein solcher Film ist zweifelsohne „Museum Hours“ von Jem Cohen, der bereits seit frühster Kindheit mit der Kunst durch seine Eltern konfrontiert wurde. Cohen gefiel dabei schon immer wie die Kunst mehrere Ebenen zu bestimmen versteht, den teilnehmenden Beobachter für sich einfängt und diesen ganz nebenbei Assoziationen zum eigenen Leben herstellen lässt.

Als eine Art fiktionale Dokumentation versucht Jem Cohen (Benjamin Smoke) sein Drama rund um die Zufallsbekanntschaft zwischen dem älteren Museumswärter Johann und der Kanadierin Anne aufzubauen, wenn sie sich zum ersten Mal im Museum begegnen und daraus plötzlich so etwas wie Freundschaft entsteht. Aus dem Off Erzählend nimmt der Zuschauer die Rolle des stillen Beobachters ein, wenn beide in den verschiedensten Gemälden des kunsthistorischen Museums in Wien versinken, darüber philosophieren ob man Jahrhunderte alte Kunst thematisch auf die Gegenwart anwenden kann und gleichzeitig einen kleinen Einblick darauf geben, wie das Leben in so einem Museum tagtäglich verläuft.

Museum HoursDas besagte Museum soll dabei stets den Mittelpunkt der Geschichte bilden, zuweilen sehen wir diverse Örtlichkeiten von Wien sowie das sterile Krankenzimmer von Annes Cousine, was im direkten Kontrast zu allem anderen steht. An diesen Orten ist der Zuschauer eingeladen Dinge für sich zu entdecken, die Szenerie auf sich einwirken zu lassen und gleichzeitig einen Überblick darüber zu bekommen, was es alles aus kunsthistorischer Sicht in Wien zu bestaunen gibt. Dies alles wirkt keinesfalls belehrend, die Dialoge schweifen nicht ab in hochtrabende Analysen von Gemälden und der Assoziation mit bestimmten Dingen. Cohen ist bei alledem vielmehr darauf bedacht die Kunst auf den Zuschauer einwirken zu lassen, kleine Dinge hervorzuheben auf die man eben nicht geachtet hätte, während der im Mittelpunkt stehende Johann immer wieder einen Schwung aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz erzählt. Genau diese Art der Erzählung verleitet ein ums andere Mal „Museums Hours“ ernst zu nehmen, es eben doch als wahrhaftige Dokumentation hinzunehmen, wenn der ältere Museumswärter beispielsweise von Besuchern erzählt, die ihn nur ansprechen um zu erfahren wo sich denn die Toilette befände.

Museum HoursAm ehesten könnte man „Museum Hours“ als eine Art episodenhafte fiktionale Dokumentation beschreiben, wenn wir beispielsweise für einige Momente an diversen Örtlichkeiten Wiens hängen bleiben, Johann im Krankenzimmer der im Koma liegenden Patientin versucht Rembrandts Selbstporträt zu beschreiben oder wir eine andere Museumsmitarbeiterin dabei beobachten, wie diese versucht Bilder von Bruegel für die Anwesenden zu analysieren. Wie so oft im Leben sind genau diese eher ruhigen Szenen in denen der Zuschauer als Beobachter fungiert nicht jedermanns Sache, denn obwohl all diese Szenen inhaltlich überaus interessant sind, ermüden ganz andere doch sehr. Der Schlüssel zu „Museum Hours“ ist wie so oft im Leben die Einstellung gegenüber des gezeigten, denn während Kunstinteressierte vor allem einen wunderbaren Einblick in die Kunstszene Wiens erhalten, werden ganz andere mit wunderbaren Bildern von Jem Cohen und Peter Roehsler (Jenseits des Krieges) belohnt, die ihre Bildkompositionen genauso ruhig halten wie der im Hintergrund dargelegte Kommentar aus dem Off, der in erster Linie mit seiner Ruhe die Stimmung innerhalb des Museums wiederzugeben versucht.

Jem Cohen ist mit „Museum Hours“ ein wirklich sehenswerter Film über eine etwas andere Zufallsbekanntschaft gelungen, die in erster Linie auf dem kunsthistorischen aufbaut. Wer sich für Kunst interessiert und dem Thema aufgeschlossen gegenübersteht, wird mit wunderbaren Bildanalysen aus dem kunsthistorischen Museum in Wien belohnt.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Little Magnet Films, Arsenal Berlin

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Museum Hours

Länge: 107 min

Kategorie: Drama

Start: 10.04.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Museum Hours

Museum Hours

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 107 min
Kategorie: Drama
Start: 10.04.2014

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten