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Turning Tide – Zwischen den Wellen

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 13. Januar 2014

En Solitaire

Die Auseinandersetzung des Menschen mit der unbändigen Natur wurde in seinen verschiedensten Facetten bereits unzählige Male in aller Ausführlichkeit behandelt. Egal ob es das Überleben im Dschungel, in der Wüste oder gar auf dem Meer ist, zumeist sind die entsprechenden Dramen einzig und allein darauf ausgelegt, dass die im Mittelpunkt stehende Figur über sich hinauswächst und das unbezwingbare im letzten Augenblick doch noch schafft. In Christophe Offensteins „Zwischen den Wellen“ deutet vieles im ersten Moment auf ein ähnliches Konzept hin, doch wo anfangs noch der sportliche Erfolg und der Kampf gegen das Meer im Vordergrund steht, soll dieser schon bald gegen weitaus wichtigeres weichen.

Der größte Traum des Franzosen Yann Kermadec (François Cluzet) ist es nur ein Mal im Leben an der Vendée Globe teilzunehmen, der härtesten Einhandsegler-Regatta der Welt, bei der man einmal die Erde umrunden muss. Als Yann sein Freund Frank (Guillaume Canet) bei einem Motoradunfall schwer stürzt ist seine Zeit gekommen, denn Yann darf für diesen einspringen. Seine kleine Tochter Léa (Dana Prigent) lässt er bei seiner Freundin Marie (Virginie Efira), die Sachen sind schnell gepackt und schon ist der Startschuss auch bereits gefallen. Der Neuling greift ohne Rücksicht die Konkurrenz an, rollt sprichwörtlich das Feld von hinten auf und kann sich schon bald bis zu den ersten fünf des Feldes vorkämpfen, doch plötzlich kollidiert er mit einem unbekannten Hindernis, welches sein Ruder schwer beschädigt. Aufgeben kennt Yann nicht und so fährt er zu den auf dem Weg liegenden kanarischen Inseln, wo er besagtes Ruder repariert. Nach rund zwei Tagen ist sein Segelboot wieder seetüchtig, Yann ist auf Platz 15 zurückgefallen doch er gibt nicht auf, doch plötzlich findet er auf seinem Boot einen blinden Passagier für den er disqualifiziert werden könnte…

En SolitaireDie Karriere des Franzosen Christophe Offenstein (Kleine wahre Lügen) nahm bisher einen durchaus positiven Verlauf, denn nachdem Offenstein als Filmelektriker begann und sich schnell zum Kameraassistenten und Chefkameramann hocharbeitete, präsentiert er nun sein Regie- und Drehbuchdebüt. Besagtes Drehbuch schrieb Offenstein zusammen mit Jean Cottin (Public Enemy No. 1 – Todestrieb), der die ungewöhnliche Idee über einen Regattasegler und seinem blinden Passagier von Frédéric Petitjean (Madame Irma) übernahm.

Die Vendée Globe zählt zur härtesten Regatta der Welt im Bereich der Einhandsegler, denn bei einer Strecke von rund 24.000 Kilometern geht es direkt über die verschiedensten Ozeane, am Kap Horn vorbei in die stürmischen und überaus gefährlichen antarktischen Gewässer, wo jede Menge Packeis darauf wartet den kleinen Segler in sekundenschnelle zum Kentern zu bringen. Besagte Tour von rund 90 Tagen möchte ausgerechnet der im Mittelpunkt stehende Yann Kermadec angehen, der sich durch den Unfall seines Freundes profitierend plötzlich mit dessen Boot einen lang gehegten Traum erfüllen darf. Bestens vorbereitet mit einem Hightech Boot unter den Füßen, was kann da schon schief gehen?

En SolitaireNatürlich geht in Christophe Offensteins „Zwischen den Wellen“ eine ganze Menge schief, denn nachdem das Ruder durch einen Zusammenprall beschädigt wurde, findet sich auf dem Boot auch noch ein blinder Passagier ein, der zur Disqualifikation führen könnte. Von nun an geht es weniger um die Regatta und den Kampf gegen die unbändige See, sondern vor allem um das Zwischenmenschliche, dass gleich zwischen den verschiedensten Personen geklärt werden muss. Auf der einen Seite wird so im Ansatz die Beziehung von Yanns Freundin Marie und seiner Tochter Léa thematisiert die sich langsam erst einander annähern und eine Art freundschaftliche Beziehung entstehen lassen, auf der anderen Seite aber auch jene Beziehung zwischen Yann und seinem blinden Passagier Mano (Samy Seghir), der im Grunde nur eine Überfahrt nach Frankreich suchte. Von nun an wird sich beinahe eine Stunde mit der Veränderung von Yann auseinander gesetzt, wie er sich vom manischen Sportler hin zu jener Person entwickelt, die sich für das Leben seines Begleiters zu interessieren beginnt.

Plötzlich pflegt er ihn wenn er krank ist und baut dadurch ein Lügengerüst auf das zuhause mehr als nur eine Frage aufwirft, es entwickelt sich eine freundschaftliche Beziehung bis hin zur Akzeptanz von Mano auf seinem Boot, für den er plötzlich selbst Umwege in kauf zu nehmen gedenkt. Dies alles ist in erster Linie von François Cluzet (Ziemlich beste Freunde) wunderbar dargestellt, denn nicht nur das er seine Rolle auf dem kleinen Segler auf Hochsee mit Bravur meistert (er hat zur Vorbereitung selbst über Monate hinweg einen Segelkurs besucht), er kann mit seiner Rolle als sich weiterentwickelnder Familienvater ebenso überzeugen, der einerseits die 90-tägige Trennung von seiner Tochter glaubhaft wiedergibt, zum anderen mit Mano eine Art Vater-Sohn-Beziehung im weitesten Sinne aufbaut.

En SolitaireNeben der interessanten Geschichte die trotz allem den sportlichen Wettbewerb nicht zu kurz kommen lässt, kann „Zwischen den Wellen“ aber auch mit seinen Bildern überzeugen, für die sich Kameramann Guillaume Schiffman (The Artist) verantwortlich zeichnet. Die Bilder auf hoher See sind zum Teil wirklich hervorragend geworden, der enge Raum auf dem kleinen Boot wird nahezu perfekt genutzt, während man sich nicht im Ansatz vorstellen kann, das darauf zuweilen bis zu 18 Mann bei den Dreharbeiten untergebracht waren.

Mit „En Solitaire“ ist Christophe Offenstein ein durchaus interessantes Drama gelungen, das sportlichen Ehrgeiz mit den Themen Familie und Freundschaft zu verbinden vermag.

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Turning Tide - Zwischen den Wellen

Länge: 97 min

Kategorie: Drama

Start: 12.12.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

Turning Tide - Zwischen den Wellen

Turning Tide – Zwischen den Wellen

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 97 min
Kategorie: Drama
Start: 12.12.2014

Bewertung Film: (7/10)

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