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Breathe In – Eine unmögliche Liebe

Geschrieben von Frank Schmidke am 8. Januar 2014

Breathe_In__1Beziehungskisten scheinen es Filmemacher Drake Doremus angetan zu haben. Mit Drehbuchpartner Ben York Jones hat er bereits in „Douchebag“ (2010) und „Like Crazy“ (2011) Beziehungskonstellationen ausgelotet. Auch in „Breathe In“ geht es um die Romanze als Lebensinspiration. Doch die Ausgangssituation Familienvater in der Midlife-Crisis und lebenslustige Gastschülerin birgt so ihre Untiefen. Und die kann das romantische Drama trotz guter Besetzung nicht umschiffen.

Breathe_In__3Musiklehrer Keith Reynolds (Guy Pearce) lebt mit seiner Frau Megan (Amy Ryan) und fast erwachsener Tochter Lauren (Mackenzie Davis) in einer Kleinstadt nahe New York. Immer wieder hadert der ehemalige Rockmusiker mit der Ereignislosigkeit in seinem Leben und stößt damit bei seiner Frau auf taube Ohren. Klaglos und wortkarg fügt sich Keith in den Kleinstadtalltag. Als Cellist hilft er gelegentlich bei den New Yorker Symphonikern aus und als dort eine Vollzeitstelle frei wird, beschließt er sich zu bewerben. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt bekommen die Reynolds für einige Monate eine englische Gastschülerin. Sophie (Felictiy Jones) versucht, die Weichen für ihre Zukunft zu stellen, und hofft, in den USA mehr Klarheit über ihre Interessen zu erhalten. Dabei ist Sophie eine begnadete Pianistin, will aber nicht „nur“ Musikerin werden, weil sie es eben kann, sondern sich bewusst dafür entscheiden. In Keiths Klavierklasse taucht sie vorerst dennoch nicht auf. Auch deshalb kommen sich Keith und Sophie langsam  näher.

Breathe_In__9Mit Guy Pierce und Amy Ryan als Ehepaar, bei dem ein wenig die Luft ausgegangen ist, und Neuentdeckung Felicty Jones ist die Romanze „Breathe In“ eigentlich hochkarätig besetzt und sollte für gute, dramatische Unterhaltung sorgen. Dass die Darsteller die Story trotzdem nicht vor dem Mittelmaß retten können, liegt vor allem am kaum vorhandenen Erzähltempo. Der Film kommt nur sehr behäbig in seinen geruhsamen und unaufgeregten Rhythmus. Ausgehend von Keiths latenter Unzufriedenheit werden die üblichen Eheprobleme sichtbar, die auftreten, wenn die Kinder flügge werden.

Breathe_In__7Der Gegensatz zwischen den Partnern, die früher eine wilde Zeit geteilt haben, dann aber als Eltern erwachsen wurden und ihre gegenwärtige Situation vollkommen unterschiedlich bewerten, ist das Grundproblem dieser vermeintlich harmonischen Familie. Während Megan in dem Kleinstadtleben aufzugehen scheint und mit den Fahrdiensten für ihre Tochter und dem Sammeln von Keksdosen zufrieden scheint, hadert Keith mit dem immer gleichen Alltagstrott als Musiklehrer. Sein schwacher Versuch, auszubrechen, ist es, sich als Berufsmusiker zu bewerben und so auch häufiger in der Großstadt zu sein. Doch Megan nimmt die Bedürfnisse ihres Gatten allenfalls als Marotten wahr und verweist mehr als nur einmal auf die finanzielle Sicherheit der  gegenwärtigen Situation.

Mit Sophie taucht – für Keith überraschend – jemand auf, der seine Situation und seine Sehnsucht in gewisser Weise nachvollziehen kann und ihn tatsächlich als Mann mit Leidenschaften und Bedürfnissen wahrnimmt. Dass daraus eine geradezu klassische Liebesgeschichte erwächst, ist ebenso absehbar wie grundsätzlich stimmig und behutsam inszeniert; zu behutsam. Es geht in dieser Lolita-Variation auch weniger um körperliches Verlangen als darum, einen Seelenverwandten zu finden, der das eigene Leid spiegelt und zugleich lindert.

Breathe_In__10Doch „Breathe In“ verliert sich dabei in der Bedächtigkeit des klassischen Streichersoundtracks, der  es ziemlich schwer macht, Keith die Garagenrock-Vergangenheit abzunehmen. Die Konflikte in dem Drama sind absehbar und die Konkurrenzsituation von Sophie und Tochter Lauren zeichnet sich schon früh ab, als klar wird, dass Laurens Beinahefreund auch die Gastschülerin attraktiv findet. Gleiches gilt für beinahe alle Entwicklungen in der Romanze. Dass ausgerechnet Lauren dann ihren Vater noch in einer scheinbar verfänglichen Situation beobachten muss, ist ebenso unspektakulär wie die daraus resultierende Reaktion Laurens und die Ehekrise zwischen Megan und Keith.

Man muss zugeben, dass „Breathe In“ seinen Sound, seine Grundstimmung und seine dramaturgische Linie konsequent durchhält und die Darsteller alle mehr als solide Leistungen abliefern. Doch das Drehbuch ist leider zu vorhersehbar, um daraus einen wirklich gelungenen Film zu machen.

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Copyright: Universum

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Länge: 98 Min.

Kategorie: Drama, Romance

Start: 03.01.2014

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

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Info

Breathe In – Eine unmögliche Liebe

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 98 Min.
Kategorie: Drama, Romance
Start: 03.01.2014

Bewertung Film: (5/10)

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