cinetastic.de - Living in the Cinema

Wild Bill

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 23. Dezember 2013

Wild Bill

Nach einem Gefängnisaufenthalt stehen oft Worte wie Resozialisierung im Raum, der Wunsch endlich wieder ein geordnetes Leben führen zu dürfen, doch die harte Realität sieht oftmals leider gänzlich anders aus. In „Wild Bill“ versucht der Brite Dexter Fletcher mit seinem Regiedebüt dieser Weisheit zu wiedersprechen, wenn plötzlich ein Ex-Knacki über sich hinaus wächst und endlich beginnt jener Vater zu sein, der er im Grunde niemals sein wollte.

Nach acht Jahren im Gefängnis wird Bill (Charlie Creed-Miles) auf Bewährung entlassen und kehrt in die Wohnung seiner Familie zurück, doch was er dort sieht ist alles andere als erfreulich. Seine Frau ist mit ihrem Liebhaber vor neun Monaten nach Spanien verschwunden, die Wohnung ist ein Saustall und ganz nebenbei hassen ihn auch noch seine beiden Kinder. Der 15-jährige Dean (Will Poulter) kann mit seinem Vater beim besten Willen nichts anfangen und wünscht sich diesen sofort vom Hals, der neunjährige Jimmy (Sammy Williams) verbringt mehr Zeit auf er Straße als in der Schule, während Bill auch bereits wieder in jene alten Drogengeschäfte verwickelt wird, für die er einst ins Gefängnis wandern musste. Am liebsten würde Bill sofort wieder verschwinden und in Schottland ein neues Leben beginnen, doch plötzlich steht das Jugendamt vor der Tür und würde am liebsten sofort seine beiden Söhne mitnehmen…

Wild BillWenn erfolgreiche Schauspieler nach einer etwa 45-jährigen Karriere plötzlich beschließen selbst einmal Regie führen zu wollen, so muss man dies immer mit ein wenig Vorsicht genießen, denn trotz der langjährigen Erfahrung vor der Kamera, ist die Position dahinter oftmals eine ganz andere. Im Falle des Briten Dexter Fletcher (Kick-Ass) war besagte Vorsicht zum Glück unberechtigt, denn zusammen mit Co-Autor Danny King (The Hitman Diaries) schrieb Fletcher eine bekannte Milieustudie, die insbesondere mit ihrem ganz besonderen Humor zu unterhalten vermag.

Ein mieses Viertel irgendwo in England das direkt aus Joe Cornish seinem Film „Attack the Block“ stammen könnte, ein Mann der aus dem Gefängnis entlassen wird, nach Hause kommt und nichts besseres zu tun hat als erst einmal seinen ehemaligen Drogendealer-Freunden einen Besuch abzustatten. Nun folgen noch eine ganze Reihe von Klischees über Jugendliche die nichts auf Schule geben, jungen Frauen die mit 15 bereits das erste Mal Schwanger waren und natürlich dem Jugendamt, dass zwar bemüht ist, bei alledem aber den Wald vor lauter Bäumen nicht zu erkennen vermag.

Wild BillAuf Basis dessen versuchen nun Dexter Fletcher und Danny King eine Geschichte zu kreieren welche die meisten Klischees bedient, sich in diesen aber nicht etwa suhlt, sondern vor allem einen Ausweg aus einem miesen Leben aufzuzeigen versucht. Natürlich bleibt bei alledem nicht aus das es die üblichen Spannungen innerhalb der neu zusammengefundenen Familie gibt, denn während sich die Mutter mit ihrem neuen Freund bereits seit neun Monaten in Spanien vergnügt, musste der erst 15-jährige Dean die Rolle des Vaters einnehmen und sich einen Job auf dem Bau suchen, während dieser sein bestmöglichstes tat um den jüngsten Spross von der Bedeutung einer entsprechenden Schulbildung zu überzeugen.

Natürlich passt in dieses Bild der Ex-Knaki Bill natürlich nicht einmal im Ansatz hinein, doch wenn plötzlich das Jugendamt an die Tür klopft und man zumindest vorgeben muss eine Familie zu sein, könnten Veränderungen fast von alleine kommen. Bill nimmt Abstand von seinen ehemaligen Freunden, zeitgleich verdient sich der neunjährige Jimmy durch das Dealen von Drogen etwas zum Taschengeld hinzu, ein Kreislauf der ewig immer so weitergehen könnte. Der Ausweg soll langsam aber stetig kommen, was nicht nur an Bills Sinneswandel liegt nun endlich doch einmal für seine Familie da sein zu können, sondern ebenso durch diverse Personen aus dem direkten Umfeld der Familie, die plötzlich versuchen für einander da zu sein. Da haben wir die Prostituierte Roxy (Liz White) mit einem Herz aus Gold die sich selbst auch schon einmal zum Geburtstag verschenkt, die gleichaltrige Freundin (Charlotte Spencer) von Dean mit er erste sexuelle Erfahrungen sammelt und natürlich eine noch junge und engagierte Sozialarbeiterin, der die Familie entgegen den älteren Kollegen doch nicht ganz egal zu sein scheint.

Wild BillBei alledem soll aber nicht nur die Geschichte im Vordergrund stehen die so dem bekannten Schema folgt und nur wenige Überraschungen für den Zuschauer parat hält, sondern ebenso der oftmals überaus trockene Humor, den man wohl am besten als echt britisch bezeichnen könnte. Zum Geburtstag gibt es eine Prostituierte, der neunjährige Dean hat einen florierenden Tauschhandel mit vielen derben Sprüchen, während die Drogendealer in erster Linie mit jeder Menge Gossensprache zu überzeugen wissen, bei der Humor und Drohungen zwischenzeitlich Hand in Hand gehen. Von Seiten der Darsteller ergibt sich dadurch ein recht unterschiedliches Bild, denn während insbesondere Charlie Creed-Miles (Das fünfte Element) als etwas anderer Vater und Will Poulter (Wir sind die Millers) als jähzorniger älterer Sohn unterhalten können, gehen fast alle anderen Darsteller in deren Schatten nahezu unberücksichtigt unter. Dies liegt oftmals jedoch nicht an einer schlechten Darbietung, als vielmehr einer recht oberflächlich entwickelten Figurenzeichnung, wodurch der Zuschauer nie auch nur im Ansatz eine Bindung aufbauen könnte, geschweige denn interessante Details erfährt.

Für all jene bei denen nun das Interesse an dieser ungewöhnlichen Mischung aus Milieustudie, Drama und Komödie geweckt wurde, für den ergibt sich ab dem 9. Januar 2014 die Chance, denn Tiberius Film bringt „Wild Bill“ nun erstmalig auf Blu-ray und DVD in den Handel. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und sehr kontrastreich, während der Ton in DTS-HD 7.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch bestens auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, die diesmal jedoch recht übersichtlich waren. Neben einigen Trailern gibt es lediglich rund zwölf Minuten gelöschte und erweiterte Szenen, die es in dieser Form leider nicht in die finale Fassung des Films geschafft haben. Wünschenswert wäre hier noch das entsprechende Making Of gewesen, welches auf der UK BD noch hinterlegt wurde.

Mit „Wild Bill“ legt Dexter Fletcher ein beeindruckendes Debüt als Regisseur und Drehbuchautor hin, denn wo sich andere Autoren in Klischees oftmals verlieren, vermischt er seine Milieustudie mit einer gehörigen Portion Humor und dem Glauben an eine bessere Gesellschaft, dass man dem Kreis von Gewalt und Verbrechen eben doch entkommen kann, wenn man nur will.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Tiberius Film

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Wild Bill

Länge: 98 min

Kategorie: Drama

Start: 09.01.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (3/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Wild Bill

Wild Bill

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 98 min
Kategorie: Drama
Start: 09.01.2014

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (3/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1