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Sibirische Erziehung

Geschrieben von Frank Schmidke am 18. Dezember 2013

siberian-education-kidsDie Legende will es, dass Stalin als er sibirische Gauner wie auch die anderer Volksgruppen nach Transnistiren am Schwarzen Meer deportieren ließ, dort eine regelrechte Gaunerrepublik mit eigenen Ehrenkodizes und eigenen Gesetzen etablierte. Dort wachsen die Freunde Kolymar und Gagarin zusammen auf, bevor sie als Männer zu erbitterten Feinden werden. Die italienische Gaunersaga „Sibirische Erziehung“, die Anfang Dezember als DVD – und Blu-ray-Premiere erschien, ist durchaus sehenswert ausgefallen.

Gabriele SalvatoresDie Sibirier in dieser Gegend am Schwarzen Meer bleiben unter sich. Ihr Grand Seigneur ist Großvater Kuzya (John Malkovich) und er bringt seinem Enkel Kolmar (Arnas Fedaravicius) und dessen bestem Freund Gagarin (Vilius Tumalavicius) die Grundbegriffe von Ehre und Moral bei, wie sie unter den gläubigen Gaunern unumstößlich herrschen. Ihre Zeit vertreiben sich die beiden Jungen damit, sowjetische LKWs auszurauben, die durch die Gegend fahren. Eines Tage wird Gagarin geschnappt und kehrt erst als junger Mann aus dem Knast zurück.

Doch Gagarin hat sich ebenso verändert wie sein Freund Kolymar, der mit seinem Zeichentalent nun Tätowierer werden will und beim Meister Ink (Peter Stormare) in die „Lehre“ geht. Außerdem hat sich Kolymar mit der geistig zurückgebliebenen Xenya (Elinor Tomlinson) angefreundet, die ihn auf ihre unschuldige Weise anhimmelt. Gagarin zeigt zunehmend Verachtung für das konservative Wertesystem der Sibirier, nimmt Drogen, ist auf schnelles Geld aus und verbrüdert sich mit den Gaunern anderer Volksstämme. Die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Gabriele SalvatoresDie italienische Produktion „Sibirische Erziehung“ ist episches Genrekino, das vor allem von den beiden Charakterdarstellern John Malkovich und Peter Stormare getragen wird, die immer wieder Glanzpunkte setzen können. Aber auch die jungen Darsteller wissen ihre Rollen auszufüllen und die Spannungen in der Freundschaft werden wirklich gut getroffen. Der Film, der auf dem Debutroman von Nicolai Lilin basiert, entführt den Zuschauer in eine eigenartig heile Welt, in der Ganoven noch Ehre haben und das Familienoberhaupt einem die Welt erklärt. Das wirkt an sich schon beinahe märchenhaft verwunschen, hat aber eine innere Logik und zeichnet das Bild einer Parallelgesellschaft, die nach ganz eigenen Gesetzen funktioniert. Das hat Ähnlichkeiten mit anderen Geschichten über das organisierte Verbrechen, sei es nun die Mafia, die Yakuza oder was auch immer.

siberian-education-szenenbild_4Das Epos „Sibirische Erziehung“, das auf den autobiografischen Erlebnissen des russischstämmigen Autors basiert, der heute in Italien lebt und auf italienisch publiziert, erzählt eine zeitlose Geschichte von Freundschaft, vom Erwachsenwerden und auch vom Verschwinden einer bekannten Welt. Die Parabel über den Wandel ist in eine stimmige Genrehandlung eingebunden und hat durchaus ihre Momente, ohne sich dabei nur auf die großen Stars zu verlassen.

Italienisches Genrekino von internationalem Rang, das zumindest eine Marke ist, gibt es seit seligen Italowestern und Historienschinken nicht mehr. Seit Jahren wird die italienische Filmkultur vom Autorenfilm getragen und dort werden die Filmschaffenden immer älter. Insofern  begründet „Sibirische Erziehung“ zwar keinen zweiten Frühling, aber im Kriminalgenre zeichnet sich seit der hochgelobten TV- Serie „Romanzo Criminale“ (2005) und dem Mafia-Drama „Gomorrha“ (2008) zumindest wieder frischer Wind ab. Es verwundert folglich auch nicht, dass sich Regisseur Gabriele Salvatores mit zwei Drehbuchautoren zusammen getan hat, die auch für Romanzo Criminale“ aktiv waren.

Das Gaunerepos „Sibirische Erziehung“ kann durchaus internationalen Standards genügen und weiß mit einer zeitlosen Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden im Gaunermilieu gut zu unterhalten. John Malkovich setzt da als russischer „Pate“ noch ein paar Glanzlichter drauf.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Ascot Elite

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Länge: 110 min

Kategorie: Biography, Crime, Drama

Start: 03.12.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

Sibirische Erziehung

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 110 min
Kategorie: Biography, Crime, Drama
Start: 03.12.2013

Bewertung Film: (7/10)

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