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NWR – Die Nicolas Winding Refn Doku

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 23. Dezember 2013

Über den Dänen Nicolas Winding Refn kann man als Zuschauer durchaus geteilter Meinung sein, denn während die einen seine Filme als überwiegend gewaltverherrlichend und zuweilen sogar inhaltsleer hinnehmen, sehen ganz andere darin große Kunst die selbst in Cannes bereits entsprechend gewürdigt wurde.

Der französische Regisseur und Drehbuchautor Laurent Duroche (Zyklus) versucht den Mythos rund um Nicolas Winding Refn ein wenig zu entschlüsseln, wenn er den Ausnahmeregisseur im Zeitraum nach Beendigung seines Filmes „Drive“ und der Entstehung von „Only God Forgives“ begleitet. Herausgekommen ist eine 65-minütige Fernsehdokumentation die zuweilen überaus kritisch mit dem Dänen umgeht, denn Duroche versucht mit dem frühen Umzug von Dänemark in die USA ein umfassendes Bild jenes Mannes zu zeichnen, der durchaus mit seiner Art polarisiert. Er spricht von Refn seiner Lese- und Rechtschreibschwäche die sich erst im Alter von etwa 13 Jahren langsam legte, dessen ungeheuren Fernsehkonsum und somit auch die Liebe zum Film, die sich stetig steigerte. Als Schlüsselereignis wird Tobe Hoopers „The Texas Chain Saw Massacre“ genannt den Refn bereits im Alter von gerade einmal 14 Jahren sah, wodurch eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt wurde, bei der er in erster Linie versuchte mit Horrorfilmen für Aufmerksamkeit in seinem Umfeld zu sorgen.

Ähnlich eigenwillig gestaltete sich aber auch der Rückumzug nach Dänemark, wo Nicolas Winding Refn einen Platz an der Filmhochschule ausgeschlagen hat, wollte er doch viel lieber seinen ersten Spielfilm namens „Pusher“ drehen. Das besagter Film aus heutiger Sicht ein Erfolg geworden ist steht im Grunde für sich, dass die beiden Fortsetzung niemals den Stellenwert erlangten den Refn eigentlich beabsichtigt hatte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Mit der Materie und den Ideen hinter „Pusher“ setzt sich Laurent Duroche lange auseinander, er lässt Schauspieler Mads Mikkelsen (Hannibal), Zlatko Buric (2012 – Das Ende der Welt) und den früheren Komponisten Peter Schneidermann (Valhalla Rising) zu Wort kommen, der für zahlreiche Soundtracks von Refn seinen Filmen verantwortlich ist.

Es werden aber nicht nur die positiven Dinge an der Karriere von Nicolas Winding Refn angesprochen, sondern durchaus ebenso jene negativen Aspekte, wenn der detailverliebte Ausnahmeregisseur mal wieder nicht genau weiß was er eigentlich will. Er ist bekannt für seine ausschweifende Bildsprache, für sein unvergleichbares Können ganze Textpassagen in nur wenigen Kameraeinstellungen zu verpacken, während Dialoge in seinen Filmen nicht unbedingt den obersten Stellenwert besitzen. In einer bezeichnenden Szene sieht man Refn des Abends in einem Raum mit einer ganzen Wand voller beschrifteter Karteikarten auf denen oftmals nur ein einziger Satz steht, wodurch vor Refn seinem inneren Auge der eigentliche Film erst langsam jene Konturen annimmt, mit denen sich der Zuschauer später auseinandersetzen muss. Fast beiläufig versucht dieser das System dahinter zu erklären, Sätze wie „das Drehbuch dahinter ist nicht wichtig“ fallen, während wir ihn schon wieder in einem ganz anderen Zusammenhang bewundern dürfen.

Einige wenige Szenen führen nach Thailand wo er für seinen Film „Only God Forgives“ recherchierte, es folgen kurze Interviewsequenzen beim Thaiboxen, bevor die Kamera schon wieder zur Preisverleihung zu den Filmfestspielen nach Cannes umblendet. Das alles mag manchmal etwas wirr und zusammenhanglos wirken, auf der anderen Seite zeigt uns dieses Chaos aber auch jenen Menschen, der aus diesem chaotischen Durcheinander so manches Meisterwerk hervorbrachte. Diese Meisterwerke zeichnen sich in erster Linie durch besagte Bildsprache aus, andererseits aber auch durch ein umfassendes Filmwissen wie es sich Refn über die Jahre hinweg aneignen konnte. Schauspieler Mads Mikkelsen versucht es einmal ganz treffend auf den Punkt zu bringen, denn beide verbindet im Grunde nur die Arbeit, denn während Refn fast unentwegt über Filme redet, kennt Mikkelsen eigentlich nur den Sport, wodurch keinerlei Gemeinsamkeiten existieren.

Das es im Leben von Nicolas Winding Refn durchaus mehr als nur Filme, Termine und ständige Telefonate gibt, zeigen uns die letzten zehn Minuten von „NWR – Die Nicolas Winding Refn Doku“, die mehr und mehr ins private gehen. Wir sehen Refn zusammen mit seiner Frau und Ryan Gosling in einem französischen Hotel herum albern, in einem Spielzeugladen in Thailand wo er seinem Hobby frönt und ganz nett seine Frau um Erlaubnis bitten muss, damit er sich erneut einen kleinen Spielzeugroboter kaufen darf, von denen er wohl gefühlt bereits hunderte im Haus stehen hat. In diesen kleinen Momenten kann man hinter die Maske dieses ungewöhnlichen Mannes blicken, eine Art Kind im Manne erkennen und gleichzeitig realisieren, dass die Familie für ihn womöglich doch einen höheren Stellenwert haben könnte, als es Filme jemals haben werden.

Mit „NWR – Die Nicolas Winding Refn Doku“ zeichnet Laurent Duroche ein umfassendes Bild über jenen Mann, der zahlreiche Meisterwerke hervorbringen konnte. Angesiedelt zwischen „Drive“ und „Only God Forgives“ erfahren insbesondere Fans zahlreiche Details aus den verschiedensten Filmen, welche die Karriere von Nicolas Winding Refn bisher prägten.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Tiberius Film

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NWR - Die Nicolas Winding Refn Doku

Länge: 65 min

Kategorie: Documentary

Start: 09.01.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Info

NWR - Die Nicolas Winding Refn Doku

NWR – Die Nicolas Winding Refn Doku

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 65 min
Kategorie: Documentary
Start: 09.01.2014

Bewertung Film: (7,5/10)

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