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Byzantium

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 17. Dezember 2013

Byzantium

Das Genre des Vampirfilms steckt schon länger in einer gewissen Krise, denn sieht man von einigen sehenswerten Werken in den 90er Jahren einmal ab, folgte nur noch die Vampir-Romanze „Twilight“, die man jedoch nicht unbedingt ernst nehmen kann. Mit „Byzantium“ präsentiert nun der aus Irland stammende Regisseur Neil Jordan seinen bereits dritten Film über die unsterblichen Blutsauger, womit er erneut alle Genre Konventionen über den Haufen wirft und ein ganz eigenes Werk erschafft.

Seit rund 200 Jahren befinden sich Clara Webb (Gemma Arterton) und ihre 16-jährige Tochter Eleanor (Saoirse Ronan) auf der Flucht vor einer geheimen Bruderschaft alteingesessener Vampire, doch wer denkt das sie eines Tages zur Ruhe kommen würden, der sei getäuscht. Erneut müssen die beiden die Stadt verlassen, woraufhin sie schließlich im Hotel Byzantium einer trostlosen Küstenstadt stranden. Dort findet Clara schnell alles was sie zum überleben benötigt. Sie wickelt einen älteren Mann um den Finger, eröffnet in dem Haus seiner verstorbenen Mutter ein Bordell, währenddessen Eleanor erneut die Schulbank drücken muss. Dort lernt sie auch den gleichaltrigen Frank (Caleb Landry Jones) kennen, der seit seiner Kindheit zum wiederholten Male mit seiner Leukämie zu kämpfen hat. Beide kommen ins Gespräch, Eleanor findet zum ersten Mal in ihrem Leben einen Menschen der ihr zuhören kann, woraufhin Frank sie schließlich ermutigt ihre Geschichte aufzuschreiben. Als besagte Geschichte schließlich in die Hände des Lehrers fällt und kurz daraufhin sogar die Bruderschaft auftaucht, scheint erneut die Zeit zur Flucht gekommen zu sein…

ByzantiumSpätestens seit dem „Twilight“-Franchise der Jugendbuchautorin Stephenie Meyer wird das Vampire Genre als Tot angesehen, denn wo damals noch die Blutsauger dunkle Gassen des Nachts bevölkerten und über ihre Opfer herfielen, verband man diese zuletzt nur mit verträumten Mädchenaugen heranwachsender junger Frauen. Das dies nicht immer so sein muss beweist nun Regisseur Neil Jordan, der vor beinahe zwanzig Jahren bereits mit „Interview mit einem Vampir“ das Genre revolutionierte, was ihm auch sogleich einen Oscar einbrachte. Sein neuster Film „Byzantium“ ist zwar nicht ganz so umwerfend anzusehen, eine sehenswerte Adaption des Theaterstücks von Moira Buffinis ist es jedoch allemal.

Im Grunde geht Neil Jordan ähnlich vor wie bei seinem letzten Film über die dunklen Blutsauger, denn auch diesmal wird sprichwörtlich kein Stein auf dem anderen gelassen, wobei dieser gekonnt mit allen Genre Konventionen aufräumt und nicht im Traum daran denkt jedwede Klischees zu bedienen. In „Byzantium“ haben Vampire keine Spitzen Zähne um ihr Opfer das Blut auszusaugen, stattdessen wird ein spitzer Fingernagel in den Hals gebohrt, woraufhin schon wenig später das Blut in strömen fließen kann. Vampire können sich nur bei Nacht bewegen? Auch dies soll mit „Byzantium“ der Vergangenheit angehören, denn die beiden Schwestern führen ein Leben wie jeder andere Mensch in ihrer Umgebung, sieht man von der Gier nach Blut einmal ab.

ByzantiumIm Grunde geht es aber auch gar nicht darum einen weiteren düsteren Vampirfilm dem Zuschauer zu präsentieren, sondern vielmehr darum eine interessante Geschichte zu erzählen, bei der man sich diversen Rückblenden bedient, um die noch fehlenden Puzzleteile aneinander zu reihen. Bei dieser Geschichte stehen selbstverständlich die beiden Damen Clara und Eleanor im Mittelpunkt, die sich als Schwestern ausgeben, im Grunde aber Mutter und Tochter sind, die seit nunmehr 200 Jahren von einer Stadt zur anderen ziehen. Die beiden Damen könnten im Grunde gar nicht verschiedener sein, denn während sich Clara gewohnt der Prostitution hingibt um den Lebensunterhalt zu sichern, ist die in einem Kloster aufgewachsene Eleanor von einem ganz anderen moralischen Schlag. Sie sehnt sich vielmehr nach einer Person mit der sie sich endlich aussprechen und ihr Geheimnis womöglich teilen kann. Dieser Wunsch geht in Form des gleichaltrigen Frank schon bald in Erfüllung, der erneut an Leukämie erkrankte.

An dieser Stelle folgt nun die Zweite Differenzierung beider Frauen, denn während Clara wahllos ihre Opfer wählt und ihnen das Blut aussaugt, fühlt sich Eleanor am ehesten zu den alten, kranken und schwachen Menschen hingezogen. Sie sieht sich als eine Art Todesengel der nur von den Menschen das Leben nimmt die bereit sind, die bereits abgeschlossen haben, deren Tod unausweichlich erscheint. In den Fokus rückt somit die moralische Frage nach dem Wunsch nach Blut, nach dem Elixier des Lebens, dass ein jeder der Vampire benötigt.

ByzantiumErzählt in wunderschönen Bildern von Kameramann Sean Bobbitt (12 Years a Slave) versucht man sich in erster Linie auf die Mutter-Tochter-Beziehung zu konzentrieren, während bei alledem die Dramaturgie zuweilen etwas auf der Strecke bleibt. Manchmal hätte „Byzantium“ durchaus etwas Pepp gut getan, die Bruderschaft hätte man womöglich etwas früher aktiv in Erscheinung treten lassen können, doch war all dies wohl nicht unbedingt die Intension von Neil Jordan. Stattdessen verlässt er sich in seinem Porträt zweier Frauen einzig und allein auf die jeweiligen Darstellerinnen, womit er erneut goldrichtig gelegen hat. Gemma Arterton (Kampf der Titanen) verkörpert wunderbar die herzlose Vampirdame die am ehesten am eigenen Überleben und dem zu generierenden Profit interessiert ist als an ihrer Tochter, während Saoirse Ronan (Abbitte) jene junge gebrochene Frau spielt, die im Grunde nur eine Schulter zum anlehnen sucht, um sich endlich einmal ihre Probleme von der Seele reden zu können.

Bei all jenen bei denen nun das Interesse an „Byzantium“ geweckt wurde und die diesen Film auf diversen Festivals verpasst haben, den bietet sich nun doch noch die Gelegenheit Neil Jordans neustes Werk anzusehen, denn dieses ist ab dem 27. Dezember 2013 im Verleih von Universum Film auf Blu-ray, DVD und natürlich auch per Video-on-Demand erhältlich. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in den Sprachen Deutsch und Englisch sehr gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, die sich durchaus sehen lassen konnten. In rund 37 Minuten Interviews stehen Neil Jordan, Gemma Arterton, Saoirse Ronan, Sam Riley und Caleb Landry Jones Rede und Antwort indem sie auf eingeblendete Fragen zum Film und zu ihren jeweiligen Rollen antworten, während wir in einer exklusiven B-Roll einen direkten Blick hinter die Kamera erhaschen können, wo wir rund 30 Minuten den Dreharbeiten beiwohnen dürfen.

Mit „Byzantium“ ist Neil Jordan ein überaus feinfühliges Porträt zweier Frauen gelungen, die mit ihrer Unsterblichkeit als Vampir ganz unterschiedlich umzugehen lernen. Kein typischer Film dieses Genres, aber ein guter.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum Film

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Byzantium

Länge: 118 min

Kategorie: Drama, Fantasy

Start: 27.12.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

Byzantium

Byzantium

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 118 min
Kategorie: Drama, Fantasy
Start: 27.12.2013

Bewertung Film: (7/10)

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