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The Poker House – Nach einer wahren Geschichte

Geschrieben von Frank Schmidke am 14. November 2013

pokerhouse-1Momentan ist Jennifer Lawrence nicht nur aufgrund ihrer Rolle als Katnis in „Die Tribute von Panem“ in aller Munde. 2008 sah das noch anders aus, als die junge Nachwuchsschauspielerin in „The Poker House“ ihre erste Hauptrolle spielte. Das aufwühlende Drama über ein junges Mädchen, das in einem verwahrlosten Haushalt aufwächst, ist das Regiedebut der Schauspielerin und Künstlerin Lori Petty, die darin ihre eigne Kindheit verarbeitet. „The Pokerhouse“ erscheint in Deutschland als Home Entertainment Premiere.

pokerhouse-3Agnes (Jennifer Lawerence) ist vierzehn und lebt mit ihren jüngeren Schwester Bee (Sophi Bairley) und Cammie (Chloe Grace Moretz) in einer amerikanischen Kleinstadt. Seit dem Tod des Vaters ist ihre Mutter (Selma Blair) dem Alkohol und anderen Drogen verfallen und prostituiert sich. Ihr Haus, in dem auch die beiden Mädchen leben, ist als „The Poker House“ stadtbekannt. Eine heruntergekommene Absteige, die den Outkasts Zerstreuung bietet. Trotz der Dauerparty im Haus versucht Agnes, einen normalen Lebensalltag für sich und ihre Schwestern aufrecht zu erhalten. Sie schreibt Gedichte für die Zeitung und ist der Star des Basketball-Teams. Duval (Bokeem Woodbine), der Zuhälter ihrer Mutter, beginnt mit ihr zu flirten, was dem Mädchen anfangs schmeichelt. Ihre eifersüchtige, ausgebrannte Mutter wirft ihr boshaft vor, sie müsse nun auch langsam ans Geldverdienen denken. Am Tag des wichtigen Basketball-Halbfinales wird Agnes von Duval vergewaltigt.

pokerhouse-2Abgeranzte Partyreste und schlaftrunkene Typen eröffnen das autobiographische Drama „The Poker House“. Der Film hält sich nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf, sondern zeigt seine Hauptfigur Agnes mit kalten Farben und einer gehörigen Portion Trash als Mitglied einer unterprivilegierten sozialen Schicht, in der es hart und brutal, egoistisch und eskapistisch zugeht. Kaum einer hier denkt weiter als bis zur nächsten Flasche, dem nächsten Fick oder der nächsten Pokerrunde. Zwischendurch gilt es nur den schnöden Tag durchzuhalten, um sich sobald wie möglich wieder abzuschießen. Agnes ist all das wohl bewusst, doch die Vierzehnjährige hat wenig Möglichkeiten, die häusliche Situation grundlegend zu verbessern. Sie macht, zu früh erwachsen geworden, das beste aus der Situation – und es reicht trotzdem nicht.

Die wenigen Funken Hoffnung und Lebensfreude, die „The Poker House“ den beiden Töchtern gönnt, sind hart erkämpft und nie von Dauer. Während sich Bee Zeitungen austragend und Flasche sammelnd in der bestens bekannten Gesellschaft der örtlichen Obdachlosen bewegt, wird Cammie bei einer Schulfreundin geparkt und verbringt ihre Tage am Tresen einer Kneipe, nur um nicht nach Hause zu müssen.

pokerhouse-4Der Film, der 2008 gedreht wurde, erscheint in deutscher Synchronfassung aber ohne jegliche Extras. „The Poker House“  macht es dem Zuschauer nicht einfach, die desaströsen Familien- und Lebensumstände zu ertragen, und der Film, dessen Drehbuch Lori Petty zusammen mit David Allan Grier verfasste, der im Film auch eine Rolle übernimmt, ist emotional durchaus fordernd. Vor allem die Vergewaltigungsszene, die sich dramaturgisch schon längst angekündigt hat, ist erschütternd und irritierend. Die junge Jennifer Lawrence hat bereits in dieser frühen Rolle eine erstaunliche Präsenz, die noch durch Agnes Off-Erzählung unterstrichen wird. So erwachsen und abgefuckt sich Agnes auch gibt, ihr fehlt die Lebenserfahrung und die Vorstellungskraft, um die Vergewaltigung kommen zu sehen. Etwas, was in ihren kindlichen und auch romantischen Träumen einfach nicht vorkommt. Umso erstaunlicher und auch ein wenig tröstlich, wie Agnes reagiert.

Dennoch hat das Drama einige Längen  und das White Trash Milieu ist filmisch schon häufiger und auch ebenso treffend ausgeleuchtet worden. Über weite Strecken des Films wird nicht zwingend klar, warum das Geschehen nun relevant ist. Es dauert, bis sich erschließt, dass hier der Boden für etwas Lebensentscheidendes bereitet wird.

„The Poker House“ ist ein hartes Drama, das sich nicht nur hart gibt, sondern emotional auch entsprechend inszeniert ist. Das ist nicht immer einfach zu erdulden, aber eine intensive Studie des unteren Randes der Gesellschaft. Das Wissen, dass die Regisseurin ihre eigene Biografie in den Film einbrachte, macht es nicht einfacher, die gezeigte Welt zu ertragen.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Polyband

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Länge: 90

Kategorie: Drama

Start: 25.10.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Info

The Poker House – Nach einer wahren Geschichte

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 90
Kategorie: Drama
Start: 25.10.2013

Bewertung Film: (6/10)

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