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The Broken Circle

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 13. November 2013

The Broken Circle

Seitdem der belgische Regisseur Felix Van Groeningen vor nunmehr vier Jahren mit „Die Beschissenheit der Dinge“ einen Publikumserfolg hinlegen konnte, ruht die Hoffnung seines Heimatlandes wie selten zuvor auf ihn. Die meisten glauben den nächsten Großen Filmemacher in ihm gefunden zu haben der das belgische Kino wieder etwas präsenter nach außen hin vertreten könnte, was in Anbetracht seines neusten Filmes auch durchaus denkbar wäre. Bei der Berlinale vom Publikum als Bester Film ausgezeichnet, sammelte „The Broken Circle“ viele weitere Festivalpreise um nun (hoffentlich) seinen Siegeszug auch im Home Entertainment Bereich anzutreten.

Elise (Veerle Baetens) und Didier (Johan Heldenbergh) könnten kein ungewöhnlicheres Paar sein, denn während Elise in ihrem Tattoo-Studio für den Körperschmuck ihrer Kunden verantwortlich ist, widmet sich Didier mit seinem Banjo seiner Bluegrass-Band. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick und so verbringen sie wunderbare Monate in Didiers Wohnwagen, während sich schon bald mit der kleinen Maybelle (Nell Cattrysse) der nicht ganz ersehnte Nachwuchs anbahnt. Mit alledem hat Didier überaus schwer zu kämpfen, doch auch er verliebt sich bald in die gemeinsame Tochter, während Elise nun als Sängerin in seiner Band tätig ist und sie fortan zu dritt von einem Fest zum nächsten reisen. Als bei Maybelle plötzlich Krebs diagnostiziert wird und diese diesem erliegt, bricht die Welt für beide zusammen. Während Elise sich an ihrem Glauben festhält und so der Trauer begegnet, ist Didier als überzeugter Atheist komplett anders gestrickt, was beide mit der Zeit entzweit…

The Broken CircleBasierend auf dem flämischen Theaterstück „The Broken Circle Breakdown featuring The Cover-Ups of Alabama“ entwickelte Regisseur Felix Van Groeningen (Dagen zonder lief) zusammen mit seinem Drehbuchautor und Freund Carl Joos (Mörder ohne Erinnerung) das Skript zu „The Broken Circle“, bei dem sie gleich mehrere Probleme zu überwinden hatten. Zum einen war das zugrunde liegende Theaterstück sehr durchzogen von diversen Monologen die natürlich aufgebrochen werden mussten, zum anderen war die innere Struktur so unglaublich schwer wiederzugeben, sodass beide gleich mehrere Male komplett von vorn anfangen mussten. Die wohl aber größte Überraschung soll nicht die Adaption selber sein, sondern jener Fakt, dass mit Johan Heldenbergh nicht nur ein langjähriger Freund von Van Groeningen am Film mit beteiligt sein sollte, sondern das er als Autor des Theaterstückes auch selber die Hauptrolle mit übernahm.

Auf den ersten Blick könnte man „The Broken Circle“ mit vielen anderen Krebsdramen gleichsetzen, die zumeist strukturell immer gleich aufgebaut sind. Wir haben die Diagnose der Krankheit, die Chemotherapie mit ihren grauenhaften Nebenwirkungen, den zumeist unvermeidlichen Tod und die Verarbeitung einer Phase die man wohl am ehesten mit Trauer beschreiben könnte. In „The Broken Circle“ ist dies in den ersten dreißig Minuten nicht unbedingt anders, doch versucht der Film dann doch mehr zu sein, als man im ersten Moment glauben wollen würde.

The Broken CircleFelix Van Groeningen konzentriert sich vornehmlich auf die Phase der Trauerbewältigung, wie zwei sich liebende Menschen damit umgehen und wie diese sich langsam aber sicher entzweien. Auf der einen Seite befindet sich die lebensfrohe und mit Tattoos überzogene Elise die eine sehr starke Bindung zu Gott pflegt, auf der anderen Seite steht Musiker Didier, der als zottelieger Jesus-Typ nicht nur fest im Leben steht, sondern als Atheist an rein gar nichts glaubt. Die Ansichten treffen aufeinander, Trost kann gegenseitig kaum gespendet werden, denn wenn Elise ihre tote Tochter plötzlich in Tauben und der Existenz von Sternen sieht, macht sich Didier lieber auf der Bühne Luft, wenn er klagende Worte an die Regierung richtet, hätte mit einer entsprechenden Stammzellenforschung doch womöglich seine kleine Tochter gerettet werden können.

Der mit weitem Abstand tränenreichste Augenblick ist für den Zuschauer genau dieser, wenn die ganze Gruppe nach einem Song auf der Bühne steht, Elise einen Song singen muss der sie unweigerlich an glücklichere Zeiten zu dritt erinnert, während Didier seine anklagenden Worte an das Publikum und Gott richtet und somit seine Beziehung endgültig beerdigt. Obwohl die zugrunde liegende Geschichte an sich bereits unheimlich viel Potential besitzt und den Zuschauer bestens unterhält, zieht diese doch zusätzliche Energie aus den unterschiedlichsten Ebenen des Films, wenn zeitlich immer wieder vor und zurück gesprungen wird. So kann der Zuschauer selbst nachträglich am Leben der drei teilhaben, die Entwicklung Maybelles begleiten, obwohl wir doch bereits recht früh mit deren Tod konfrontiert wurden.

The Broken CircleNeben der unterhaltsamen und gleichwohl komplexen Geschichte besitzt insbesondere die Musik den wohl größten Anteil am Erfolg des Films, die sich mit den unzähligen vorgetragenen Songs nicht nur nahezu perfekt in die Geschichte mit einreiht, sondern diese mit den Texten zusätzlich emotional unterstützt. Wenn Didier auf seinem Banjo klimpert und dazu Elise ihre helle und freundliche Stimme langsam erklingt, so ist dies nicht nur ein wunderbarer Bluegrass-Soundtrack den man sich nicht entgehen lassen sollte, es ist vor allem Musik die Gefühle und Emotionen nahezu perfekt transportiert, sodass der Zuschauer ein ums andere Mal zum Taschentuch greifen muss.

Ab dem 22. November 2013 ist Felix Van Groeningen’s „The Broken Circle“ im Verleih von Pandora Film auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und in erster Linie all jenen zu empfehlen, die gute und vor allem emotionale Dramen zu schätzen wissen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in den Sprachen Deutsch und Niederländisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, um mehr über die Entstehung des Films zu erfahren. Neben einer Trailershow für weitere Filme aus dem Hause Pandora gibt es einen 23-minütigen Konzertmitschnitt aus Karlsruhe der entsprechenden „The Broken Circle Breakdown Bluegrass Band“, während das Making Of von beinahe 40 Minuten viele weitere Informationen zur Entstehung und zur Produktion des Filmes gibt, bei dem die Darsteller und auch Regisseur Felix Van Groeningen zu Wort kommen.

Felix Van Groeningen’s „The Broken Circle“ ist einer der wunderbarsten und gleichzeitig emotionalsten Filme des Jahres 2013, der sich neben seiner mitfühlenden Geschichte in erster Linie durch seine drei Darsteller und der wunderbaren Musik auszeichnet. Es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis ein entsprechendes Remake aus den USA erscheint.

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Wir vergeben daher 8,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Pandora Film Verleih, Menuet Films

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The Broken Circle

Länge: 111 min

Kategorie: Drama, Music

Start: 22.11.2013

cinetastic.de Filmwertung: (8,5/10)

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Info

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The Broken Circle

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 111 min
Kategorie: Drama, Music
Start: 22.11.2013

Bewertung Film: (8,5/10)

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