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Passion

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 12. November 2013

Passion

Der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Brian De Palma kann in seiner über 50-jährigen Karriere zwar keinen der ganz großen Festival-Preise vorweisen, dafür jede Menge Werke die für sich sprechen. De Palma war für Filme wie „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ (1976), „Scarface – Toni, das Narbengesicht“ (1983) und sogar für „Die Unbestechlichen“ (1987) verantwortlich, doch in den letzten zwei Jahrzehnten hat auch ihn das Glück weitestgehend verlassen. Mit „Passion“ präsentiert dieser nun einen weiteren durchschnittlichen Thriller, der mehr an Samstagabend Unterhaltung des öffentlich Rechtlichen erinnert, als an einen Film der ursprünglich fürs Kino konzipiert wurde.

Christine (Rachel McAdams) ist eine selbstbewusst auftretende Führungskraft aus Amerika, welche die Berliner Niederlassung eines international agierenden Werbeunternehmens leitet. Ihre beste Mitarbeiterin ist die gleichaltrige Isabelle (Noomi Rapace), mit der sie nicht nur ein wunderbares freundschaftliches Verhältnis selbst im privaten Bereich unterhält, sondern die ebenso für eine besonders ausgefallene Idee eines neuen Jeans-Spot verantwortlich ist, der bei einer Präsentation in London vor den verantwortlichen Managern entsprechend gut ankommt. Leider gibt Christine die Idee als die ihrige aus, woraufhin die Freundschaft erste Brüche bekommt. Als sie dann noch ihren Gelegenheitsliebhaber Dirk (Paul Anderson) mit in das Spiel voller Intrigen mit hinein zieht, sinnt Isabelle auf Rache…

PassionLose basierend auf dem französischen Film „Crime d’amour“ versucht der 73-jährige Regisseur und Drehbuchautor Brian De Palma (Das Phantom im Paradies) nach einigen zuletzt eher unterdurchschnittlichen Filmen wieder zurück ins Filmgeschäft zu kommen. Obwohl das französische Original noch keine drei Jahre alt ist, vertraut De Palma darauf das dieser weitestgehend außerhalb Frankreichs unbekannt ist, wenn er zusammen mit seiner Co-Autorin Natalie Carter (Liebe und Intrigen) diesen kurzerhand ins schmucklose Berlin verlegt und dort versucht einen Erotikthriller zu kreieren, der im Ansatz zweifelsohne an „Basic Instinct“ erinnert, an dessen Qualitäten jedoch zu keiner Zeit heranreichen kann.

De Palmas „Passion“ muss man im Grunde in gleich zwei Handlungsabschnitte unterteilen, denn während er sich insbesondere in der ersten Hälfte ausführlich den Machtkämpfen innerhalb des Büro Alltags widmet, geht es erst in den letzten 30 Minuten ans eingemachte, wenn ein entsprechender Mord in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Die Bilder sind bei alledem zum Großteil recht verhalten eingesetzt, denn mit Ausnahme des einen oder anderen Blicks aus dem Fenster direkt auf den Berliner Reichstag, wird man wohl kaum an nur einer Szene erkennen, dass das Büro direkt in Berlin stehen soll. Die Szenen sind zumeist direkt in den Gebäuden aufgenommen worden, nur selten bekommt der Zuschauer eine Außenszene geboten, wodurch alles zuweilen recht unterkühlt dargestellt wird, was bei einem Thriller jedoch keinesfalls schlecht sein muss.

PassionDas es dies dennoch ist muss man wohl am ehesten auf die Geschichte und die Inszenierung selber zurückführen, die zu keiner Zeit den Zuschauer zu packen versteht. Die Machtkämpfe innerhalb des Büros sind nachvollziehbar und gleichzeitig alles andere als spektakulär, die Dreiecksbeziehung zwischen Isabelle, Dirk und Christine zieht sich zum Teil wie Kaugummi, während sich die versprochene knisternde Erotik wohl am ehesten in De Palmas 73-jährigen Kopf abgespielt haben könnte. Am ehesten könnte man all dies mit den Filmen des Öffentlich Rechtlichen vergleichen, was keinesfalls eine Erklärung für die mindere Qualität sein soll, wohl aber am besten das Zielpublikum erklären könnte, dass bereits während der ersten Stunde ein ums andere Mal dazu geneigt ist einfach einzuschlafen.

Für all jene die es dennoch schaffen wach zu bleiben, verändert sich „Passion“ im letzten Drittel langsam hin zu jenem Thriller, der er von Anfang an versuchte zu sein. Wir werden mit einem Mord konfrontiert, der Täter ist sehr lange Zeit für den Zuschauer nicht ersichtlich, was allerdings auch daran liegt, dass De Palma mehr Haken schlägt, als so manch einer vertragen wird. Am Ende wird sich wohl eine nicht unwesentliche Anzahl an Zuschauern fragen was nun wirklich passiert ist, was Traum und Wirklichkeit ist und was dies alles womöglich sogar sollte. Stilistisch baut De Palma auf die bereits erwähnten grauen und unterkühlten Bilder des Büroalltags auf, während er es auch diesmal nicht unterlassen kann eine völlig deplatzierte Splitscreen-Sequenz in seinen Film mit einzufügen. Wenn der Mord parallel zum Ballett gezeigt wird, soll dies womöglich eine tiefere Botschaft dem Zuschauer vermitteln, die jedoch keineswegs bei diesem ankommt.

PassionIm Bereich der Darsteller setzt De Palma diesmal in erster Linie auf vertauschte Rollen, denn wo man früher zumeist Noomi Rapace (Prometheus – Dunkle Zeichen) mit der undurchsichtigen Frau in Verbindung gebracht hat, versucht man diesmal auf Rachel McAdams (Midnight in Paris) zu setzen. Obwohl McAdams zuweilen nicht ganz überzeugend die gemeine Bürochefin gibt, kann doch insbesondere Rapace in ihrer Rolle als nach Rache strebende Mitarbeiterin überzeugen, auch wenn diese mit fortlaufender Handlung mehr und mehr unglaubwürdig wirkt, was allerdings dem zugrunde liegenden Skript geschuldet ist.

Ab dem 19. November 2013 ist Brian De Palma’s neuster Thriller namens „Passion“ im Verleih von Ascot Elite Home Entertainment auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich. Das Bild der Blu-ray ist gewohnt scharf und zumeist geprägt durch sehr unterkühlte Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, um mehr über die Entstehung des Films zu erfahren. Neben einem kurzen vierminütigen Feature zum Film gibt es gleich vier Interviews mit Noomi Rapace, Rachel McAdams, Karoline Herfurth und Brian De Palma, in denen jeder für sich auf eingeblendete Fragen zum Film und zur jeweiligen Rolle antwortet und diese somit näher erklärt (rund 17 Minuten zusammen).

Mit „Passion“ setzt Brian De Palma seinen Weg der Durchschnittlichkeit fort, wenn er einen Thriller kreiert der fürs Samstagabend Fernsehen in Ordnung ist, für mehr aber auch nicht reicht. Zeit sich mit 73 Jahren dann doch langsam zur Ruhe zu setzen Herr De Palma!

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Wir vergeben daher 5,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Ascot Elite

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Passion

Länge: 102 min

Kategorie: Crime, Drama, Thriller

Start: 19.11.2013

cinetastic.de Filmwertung: (5,5/10)

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Info

Passion

Passion

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 102 min
Kategorie: Crime, Drama, Thriller
Start: 19.11.2013

Bewertung Film: (5,5/10)

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