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More Than Friendship

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 24. November 2013

More Than Friendship

Ein jedes Jahr wird man mit einer ganzen Reihe von studentischen Independent-Produktionen konfrontiert, von denen die meisten eher im Mittelmaß anzusiedeln sind und nur einige wenige jenes Potential offenbaren, das die Verantwortlichen bereits in ihrer sehr frühen Phase der jeweiligen Karriere abrufen konnten. Das nunmehr zweite Projekt von Regisseur und Drehbuchautor Timmy Ehegötz kann man ganz ohne Frage zu den besseren zählen, denn mit einem recht überschaubaren Budget erzählt dieser in „More Than Friendship“ nicht nur von Freundschaft und Liebe, sondern auch von der Schwierigkeit einen geliebten Menschen loslassen zu können.

Mia (Michèle Fichtner), Lukas (Jakob Graf) und Jonas (Holger Foest) sind bereits seit frühster Kindheit Freunde wie sie im Buche stehen, doch seit nunmehr drei Jahren geht ihre Freundschaft wesentlich weiter, denn alle drei sind ein Paar. Wie in jedem Jahr beschließen sie zusammen in einem älteren VW Bus auf Reise zu gehen, doch obwohl sie auch diesmal alle gesellschaftlichen Zwänge abschütteln mit denen sie tagein und tagaus konfrontiert werden, wird die Reise von einem ganz anderen Problem überschattet. Bei Jonas wurde vor kurzem Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium diagnostiziert und so ist es nicht nur der letzte gemeinsame Urlaub der drei Freunde, sondern gleichwohl eine Zeit zum Abschied nehmen, bei der unausgesprochene Probleme endlich auf den Tisch gelegt werden…

More Than FriendshipNachdem Regisseur und Drehbuchautor Timmy Ehegötz bereits vor zwei Jahren mit seinem Debütfilm „The First Time – Bedingungslose Liebe“ von der großen Liebe erzählte, widmet er sich selbigem Thema in „More Than Friendship“ erneut. Diesmal soll seine Erzählung jedoch wesentlich weiter gehen, denn obwohl die seltsame Dreiecksbeziehung ganz ohne Frage bereits ein Thema für sich sein könnte, konzentriert sich Ehegötz vielmehr auf jenen Aspekt des Abschiednehmens, wenn man bereits in sehr frühen Jahren mit dem Tod eines geliebten Menschen konfrontiert wird und eine Möglichkeit sucht, diesen zu verarbeiten.

Im ersten Drittel der rund anderthalb Stunden versucht sich Timmy Ehegötz mit aller Ruhe auf die jeweiligen Figuren zu konzentrieren, wenn er Mia, Lukas und Jonas mit ihrer jeweiligen Lebensart vorstellt und damit ebenso jene Konflikte verknüpft, welchen sich die drei ausgesetzt sehen. Dabei werden Themen wie Homosexualität im Sportverein angesprochen, unaufgeschlossene Menschen und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Probleme, die daraus oftmals wiederum resultieren. Sobald dieses erste Filmdrittel vorüber ist, ist „More Than Friendship“ ein deutlicher Bruch anzumerken, denn nun ist die positive Zeit vorbei.

More Than FriendshipMit Szenen wie dem immer weniger essenden Jonas der sich des Nachts übergeben muss, wird dessen Krankheit thematisiert, der er schon bald erliegen wird. Mia und Lukas realisieren langsam das es der letzte gemeinsame Urlaub ist, unausgesprochene Dinge werden von Jonas trotz aller Qualen auf den Tisch gebracht, wodurch sich die Freundschaft und Liebe aller drei ein ums andere Mal auf der Kippe befindet, weiß doch niemand wie er selber mit der Situation umzugehen hat. Ein Folgeproblem ergibt sich schon bald als Jonas beschließt keine weitere Chemotherapie machen zu wollen, per Patentenverfügung beschließt keinerlei lebensrettende Maßnahmen zuzulassen und somit indirekt seinen eigenen Tod einleitet, was die Situation zunehmend verkompliziert.

Als sei all dies nicht genug wird nun mit den Eltern (Andreas Külzer und Gabrielle Scharnitzky) von Jonas eine weitere Partei in den Film mit eingebracht, die sich für all dies nicht unbedingt begeistern können. Bereits vor langer Zeit mit ihrem Sohn zerstritten versuchen nun auch sie die Situation zu bewältigen, zu verstehen warum Mia und Lukas diese Verfügung zugelassen haben und was diese drei Menschen insgeheim verbindet, haben sie die Liebschaft doch nie verstehen wollen.

More Than FriendshipNatürlich ist insbesondere das letzte Drittel dieses Filmes überaus emotional aufbereitet, weshalb auf die poppigen Songs aus der ersten Hälfte (die zum Teil sehr deplatziert wirken) des Films zum Glück weitestgehend verzichtet wird. Stattdessen versucht man sich einzig und allein auf die Geschichte und die stark aufspielenden Darsteller zu verlassen, welche „More Than Friendship“ maßgeblich tragen. Natürlich wirken diese ein ums andere Mal etwas unbeholfen, was jedoch weniger an deren Leistung selber liegt, als an den manchmal etwas holprigen Dialogen, welche nicht immer vollends zu überzeugen wissen. Bedenkt man nun aber das es sich bei alledem nur um ein studentisches Independent-Projekt handelt, muss man vor alledem dennoch seinen Hut ziehen. Das dargebrachte Thema ist aktuell und wunderbar aufbereitet, die Jungdarsteller können überzeugen und somit wird man rund anderthalb Stunden gut unterhalten, auch wenn gegen Ende der Griff zum Taschentuch erfolgt.

Timmy Ehegötz ist mit „More Than Friendship“ ein sehenswerter zweiter Film gelungen, der nicht nur mit seiner Erzählung, sondern ebenso mit seinen Darstellern zu überzeugen vermag. Einzig und allein das Konzept der viel zu vielen Pop-Songs wirkt ein wenig unausgereift, was jedoch nur in der ersten Hälfte des Films wirklich stört.

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Copyright: Pro-Fun

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More Than Friendship

Länge: 88 min

Kategorie: Drama, Romance

Start: 29.11.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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More Than Friendship

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 88 min
Kategorie: Drama, Romance
Start: 29.11.2013

Bewertung Film: (6,5/10)

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