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Der Fall Wilhelm Reich

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 12. November 2013

Der Fall Wilhelm Reich

Über den Österreicher Wilhelm Reich wurden bereits mehrere Bücher geschrieben, Werke die sich zumeist sehr mit dessen Leben als Psychoanalytiker, Sexualforscher und Soziologen auseinandersetzten, war Reich doch lange nach seinem Tode noch Wegbereiter der 68er Generation, die er mit seinen Büchern und seinen Theorien nachhaltig prägte. Regisseur und Drehbuchautor Antonin Svoboda versucht nun ein Bild Reichs zu zeichnen das vor allem jenem eines verkannten Genies ähnelt, wenn dieser in den USA verfolgt wurde und schließlich unter mysteriösen Umständen ums Leben kam.

Der im Jahre 1897 geborene Wilhelm Reich war ein junges und vielleicht auch verkanntes Genie dem sich Sigmund Freud annahm, dass mit seiner Sexualforschung über den Orgasmus nicht nur Zustimmung bei seinen Kollegen fand, sondern vor allem Ablehnung, weshalb ihn Freud später auch wieder aus seinem engeren Kreis verstieß. Reich trat der kommunistischen Partei Österreichs an, ging nach Berlin zur KPD und schrieb sein Buch „Massenpsychologie des Faschismus“ (1933), bevor er vor den Nationalsozialisten schließlich nach Amerika fliehen musste.

Der Fall Wilhelm ReichAn dieser Stelle setzt die dramatisch aufbereitete Dokumentation von Regisseur und Drehbuchautor Antonin Svoboda (Die Wand) an, der sich vor allem auf Reich seine Forschung in Amerika konzentriert und diese bis zu seinem Tod im Jahre 1957 begleitet. Aufgeteilt in mehrere Zeitabschnitte fängt dieser in den 50er Jahren an in denen Wilhelm Reich versuchte mit seinem sogenannten Cloudbuster in einer Wüste Regen zu erzeugen, bevor er schließlich von den Agenten der Gesundheitsbehörde verhaftet wurde. Es folgt eine Aufarbeitung seines Lebens mit einem Psychologen in seiner engen Zelle, woraufhin Svoboda ständig zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit hin und her springt, um ein umfassendes Porträt zu zeichnen.

Herausgekommen ist schließlich ein Bild das sehr an Antonin Svoboda seine Fernsehdokumentation „Wer hat Angst vor Wilhelm Reich“ aus dem Jahre 2009 erinnert, als er die reinen Fakten bereits einmal versuchte abzuarbeiten. Nun kristallisiert sich in erster Linie ein Bild heraus das Wilhelm Reich als verkanntes Genie versucht darzustellen, dass ihn in der Opferrolle der McCarthy-Ära sieht und gleichzeitig ein Porträt von einem Mann zu zeichnen versucht, der vor allem Zeit seines Lebens zum Wohle der Menschheit gearbeitet hat. Ob all dies nicht womöglich etwas zu viel der Ehren sei muss dahingestellt sein, denn in Anbetracht dessen, dass die Forschung von Reich jedweder wissenschaftlicher Grundlage entbehrt, sind seine Versuche mit dem Orgon-Akkumulator – der die entsprechende Orgon-Energie sammelt und verstärkt – mehr als nur vage.

Der Fall Wilhelm ReichLässt man den rein wissenschaftlichen Ansatz einmal außen vor und konzentriert man sich allein auf die Person des Wilhelm Reich, so ist ein durch und durch interessantes Bild über einen Mann entstanden, der unter sehr mysteriösen Umständen in seiner Zelle ums Leben kam, was noch heute ausreichend Platz für Verschwörungstheorien lässt. Die verschiedensten Zeitebenen wurden elegant miteinander verknüpft, die Geschichte selbst beruht auf Tatsachen aus Reich seiner Biografie, während die eigentlichen Bilder von Kameramann Martin Gschlacht (Atmen) gar wunderbar gelungen sind. Er setzt komplett auf den Kontrast der wunderschönen Landschaft am See und in der Wüste, die im kompletten Gegensatz zur kahlen Gefängniszelle stehen, in denen Wilhelm Reich zwei Jahre seines Lebens verbrachte.

Im Bereich der Darsteller konnte Antonin Svoboda auf einen reichhaltigen Fundus internationaler Größen zurückgreifen, wobei hier in erster Linie Klaus Maria Brandauer (Jenseits von Afrika) zu nennen ist, der das Genie Wilhelm Reich versuchte zu verkörpern. Mit seinem sehr zurückgezogenen Spiel nahm Brandauer diesmal eine Rolle ein die für ihn eher untypisch ist, wenn er rein auf Gestik und Mimik bauend versuchte jenen Mann darzustellen, der von seinen Kollegen verstoßen und von seiner Umwelt verkannt wurde. In weiteren Nebenrollen sehen wir Gary Lewis (Gangs of New York) als Dr. Cameron, Markus Schleinzer (Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte) als Agent Klein, David Rasche (Men in Black 3) als Hills und Julia Jentsch (Sophie Scholl – Die letzten Tage) als Reichs Tochter Eva.

Das außergewöhnliche Leben von Wilhelm Reich ist ab dem 29. November 2013 in Form der DVD „Der Fall Wilhelm Reich“ im Verleih von Movienet im Handel erhältlich. Das Bild der DVD ist scharf, kontrastreich und reich an Farben, während der Ton in Dolby Digital 5.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere am zusätzlichen Material des Mediums interessiert, um mehr zur Entstehung des Films zu erfahren. Während vergleichbare „Dokumentationen“ zumeist recht übersichtlich gehalten sind, bekommen wir diesmal gleich eine zweite DVD mit dazu, die keinerlei Wünsche offen halten sollte. Neben einem entsprechenden 17-minütigen Making Of in dem wir einen exklusiven Blick hinter die Kamera erhalten, bekommen wir ebenso eine komplette 90-minütige Dokumentation über Wilhelm Reich dazu, in welcher das Leben des Mannes noch einmal aus historischer Sicht veranschaulicht wird.

Antonin Svoboda’s Spielfilm-Dokumentation „Der Fall Wilhelm Reich“ zeichnet ein überaus sehenswertes Porträt eines Mannes, der zu Lebzeiten von fast allen verkannt und nach seinem Tode zu einer Ikone der 68er Bewegung wurde. Obwohl die eine oder andere Stelle etwas langatmig wirkt, ist dieses 110 Minuten lange Werk für interessierte durchaus zu empfehlen.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Movienet Film

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Der Fall Wilhelm Reich

Länge: 110 min

Kategorie: Biography, Drama

Start: 06.12.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

Der Fall Wilhelm Reich

Der Fall Wilhelm Reich

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 110 min
Kategorie: Biography, Drama
Start: 06.12.2013

Bewertung Film: (6,5/10)

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Bewertung Extras: (8/10)

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