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A Field in England

Geschrieben von Frank Schmidke am 14. November 2013

Field-in-England-1Der englische Filmmacher Ben Wheatley gilt ja gemeinhin als Wunderkind des britischen Films. Mit seinem dritten Film „Sightseers“ konnte sich auch das deutsche Publikum endlich ein Bild vom Schaffen des Regisseurs machen. Nun erscheint „A Field in England“ als Home Entertainment Premiere und zeigt völlig andere Facetten des Regisseurs. Ein experimenteller Historienfilm zu Zeiten des englischen Bürgerkriegs.

Field-in-England-2Während irgendwo in England eine Schlacht zwischen Anhängern des Parlaments und jenen des Königs tobt, versteckt sich der Alchimist Whitehead (Reece Shearsmith) vor seinen Verfolgern im Gestrüpp. Es kommt ihm unerwartet der Söldner Cutler (Ryan Pope) zur Hilfe und zusammen mit zwei anderen Verstreuten der Schlacht, Jacob (Peter Fernando) und Trower (Julian Barrett) machen sich die vom ewigen Kampf genervten auf den Weg zur nächsten Schänke. Doch zuvor lockt Cutler noch mit einem Eintopf. Dann taucht, an ein angepflocktes Seil gebunden, O’Neil (Michael Smiley) auf und entpuppt sich als Cutlers Lehnsherr. Dessen Aufgabe war einzig, Whitehead aufzuspüren, damit dieser O’Neil bei der Suche nach einem Schatz  hilft, der hier auf dem Schlachtfeld vergraben sein soll.

In dreckigen, nebelverhangenen Schwarzweißbildern entfaltet „A Field in England“ eine Art experimentelles Historiendrama, das in seiner Kleinbesetzung an ein Kammerspiel erinnert und nicht gerade von Spannung und Horror getragen ist, wie die Filminfos vermuten lassen. Es geht um die Interaktionen der fünf Figuren, die Regisseur Wheatley auf diesem öden Acker anordnet. Die Idee für das Drehbuch entstammte der Überlegung, mit vergleichsweise kleinem Budget einen angemessenen Historienfilm zu machen, der einerseits den Zeitgeist transportiert und andererseits  auch eine Geschichte erzählt, die dem Zuschauer auch heute etwas mitzuteilen hat. Wheatley hat das Script wie schon bei „Kill List“ zusammen mit Amy Jump entwickelt. Auch Darsteller Michael Smiley arbeitet zum dritten Mal mit dem Regisseur.

Field-in-England-4Der englische Bürgerkrieg, der von 1642 bis 1649 zwischen Monarchisten und Republikanern stattfand und mit der Hinrichtung des Königs und der kurzzeitigen Ausrufung der Republik endete, ist ein historisches Kapitel, das man, zumindest hierzulande, selten auf der Rechnung hat. Und für den Filmmacher zeigt sich in dieser historischen Periode auch ein Umbruch in der Weltsicht: Die alte, von Magie und Aberglauben geprägte Welt muss sich gegen das Neue , die Wissenschaft und die Aufklärung, behaupten. Das alles wird dem Zuschauer freilich nicht oberflächlich auf die Nase gebunden, sondern im Subtext verpackt.

Es gibt also viel zu erkunden, während man den Protagonisten dabei zuschaut, wie sie  sich bei der Schatzsuche anstellen. Da werden halluzinogene Pilze gefressen, man prügelt sich, freundet sich an und fürchtet um sein Seelenheil. Das hat bei aller surrealen Anmutung auch seine Längen und die monotone Szenerie schafft da nicht gerade Abhilfe. Man ist quasi auf die Figuren selbst zurückgeworfen. Und die sind, trotz aller Individualität, auch als Typen bestimmter Weltanschauungen zu sehen. Daher geht von „A Field in England“ ein morbider, dreckiger Charme aus, der den Film über weite Strecken zu tragen vermag.

A034_C001_0927EZIn Bezug auf die Bildsprache ist „A Field in England“ nicht einfach ein Versuch, an den nostalgischen Erfolg von „The Artist“ anzuknüpfen, sondern eine ersthafte Auseinandersetzung mit den historischen Gegebenheiten und dem ästhetischen Empfinden, dass Farbe die Illusion des Vergangenen zersetzen würde. Immer wieder verwendet Wheatley zwischendurch Standbilder seiner Charaktere, die an zeitgenössische Holzschnitte und Tableaus angelehnt sind und wie eingefrorene  Gemälde wirken. Doch dann wird es wieder handfest und  die Schatzsucher verlieren sich bei der Jagd nach ihrem Gral.

Als Bonusmaterial gibt es ein aufschlussreiches Interview mit Regisseur Ben Wheatley, in dem er sich über viele Aspekte des Filmmachens und die speziellen Herausforderungen bei einem Historienfilm  auslässt. Außerdem erfährt man, warum es manchmal einfach angebracht ist, auf teure Kameras schäbige Linsen zu setzen.

Ben Wheatleys vierter Spielfilm „A Field in England“ ist weniger ein Thriller und hat mit Horror nichts am Hut, statt dessen ist der erfrischend erdige Historienfilm visuell eine ungewöhnliche, recht visionäre Angelegenheit, auch wenn die karge Story beizeiten etwas überstrapaziert wird und der Zuschauer sich des Öfteren fragt, was denn da gerade abgeht.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: MFA+, Ascot Elite

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Länge: 90 Min

Kategorie: Drama, History, Thriller

Start: 05.11.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

A Field in England

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 90 Min
Kategorie: Drama, History, Thriller
Start: 05.11.2013

Bewertung Film: (6,5/10)

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