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Weggeworfen

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 28. Oktober 2013

Weggeworfen

Mit steter Regelmäßigkeit versuchen Journalisten und führende Wissenschaftler auf die Probleme dieser Welt hinzuweisen, bei denen sich in den letzten Jahren jene Problematik der Abfallentsorgung abzeichnet, auf die man früher nur wenig achtete. Besagtes Problem der wachsenden Müllberge porträtierte zuletzt der Hamburger Regisseur Fatih Akin mit seiner Dokumentation „Der Müll im Garten Eden“, während sich Stephanie Soechtig und Jason Lindsey in „Abgefüllt“ eher auf den Kreislauf des Mineralwassers konzentrierten, an deren Ende ebenso jenes Problem der Müllentsorgung stehen sollte, dass bereits heute viele Menschen sehr beschäftigt.

Nachdem uns bereits Fatih Akin mit seiner Dokumentation auf die neue Mülldeponie seines Heimatdorfes aufmerksam gemacht hatte, versucht sich nun auch Oscar-Preisträger Jeremy Irons (Stirb langsam – Jetzt erst recht) Gehör zu verschaffen, wenn er sich dem globalen Problem der Abfall- und Müllentsorgung widmet. Irons beginnt seinen Film „Weggeworfen“ – in dem er selber als Erzähler fungiert – mit einem Rückblick aus seiner eigenen Jugend, in der er noch an den Sandstränden entlang laufen konnte, Muscheln und Glas sammeln, während besagte Strände heute doch komplett anders aussehen.

WeggeworfenWenn er heute den Strand entlang geht so findet er überall Abfall, Unrat und vor allem Unmengen an Überresten nicht verrotten wollender Plastiktüten, welche heutzutage aufgelöst in ihre kleinsten Bestandteile überall im Wasser treiben. Jones besucht einen Strand in Italien und weißt auf eine vierzig Meter hohe Mülldeponie direkt am Wasser hin, auf Giftlagerstätten in Großbritannien und auf jene Probleme die daraus resultieren, wohnen doch unweit davon doch oftmals Menschen. Er berichtet von verseuchtem Boden, vom daraus resultierenden Kreislauf wenn Kühe das verseuchte Gras fressen, von Milch die weggeschüttet werden muss und von Bauern, die für diesen unverschuldeten Verlust nicht entschädigt werden.

Es dreht sich in „Weggeworfen“ aber nicht nur um die Frage der Endlagerstätte von Abfall und von zu entsorgendem Müll, es werden ebenso jene Fragen aufgeworfen, welche Alternativen es zur Endlagerung gibt. Es werden Beispiele von Müllverbrennungsanlagen aufgezeigt die sich nicht an den maximalen Ausstoß bestimmter Toxine halten, es werden Politiker befragt warum es dennoch oft Jahre dauert bis besagte Werke geschlossen bzw. nachgebessert werden und es kommen Menschen zu Wort, die durch besagte Toxine in nächster Nähe bereits an Krebs erkrankt sind. Das die Lagerung bzw. die Verbrennung von Müll keine Alternative ist soll sich nach etwa der Hälfte der rund 90 Minuten herausstellen, woraufhin sich Jeremy Irons und Regisseurin Candida Brady (Madam and the Dying Swan) fortan in erster Linie darauf zu konzentrieren versuchen, wie man Müll effektiv vermeiden könnte.

WeggeworfenEs kommen Zahlen zu Tage über weggeworfene Lebensmittel, über Möglichkeiten der Wiederverwertung selbiger und natürlich jener Möglichkeit, dass die Endverbraucher wirklich nur genau das kaufen, was sie in den nächsten Tagen auch verbrauchen würden. Der Mehrerwerb und der dadurch produzierte Abfall ist natürlich auf einen gewissen Stand von Luxus zurückzuführen, so manch kritische Stimme ist leicht zu erklären und oftmals würde man sich durchaus auch wünschen, dass Jeremy Irons etwas weniger wie ein Journalist zu agieren versuchen würde, als vielmehr jener Privatmann, dem die Umwelt am Herzen liegt.

Genau hier entpuppt sich auch die Schwierigkeit von „Weggeworfen“, denn obwohl das Konzept und die zugrundeliegende Idee von Candida Brady durchaus gelungen ist, ist die Umsetzung nicht in allen Belangen erfolgreich. Die Erzählstruktur erinnert bisweilen sehr an einen überaus kritischen Lehrer mit erhobenem Zeigefinger, während selbige immer wieder durch recht konfuse Situationen unterbrochen wird, wenn Irons einfach nicht weiß was er da eigentlich machen soll. Wenn er auf einem Acker ein zehn mal zehn Meter großes Feld abzustechen versucht, quasi mit sich selbst dabei redet und anschließend seinen Stock sucht, hat das weniger etwas von ernsthaften Journalismus als vielmehr von Situationskomik, die in besagtem Fall wohl am wenigsten angebracht ist.

WeggeworfenLässt man die Art der Umsetzung einmal außen vor so sind die vielen dargebrachten Fakten mit Sicherheit interessant und zuweilen auch überaus kritisch zu bewerten, wirklich neues erfahren wir daraus allerdings nicht. Das die Müllberge steigen ist nicht neu, dass wir mit ökologischen Anbau unserer Lebensmittel und dem Verzicht auf Verpackungsmaterial Müll sparen können weiß nun wirklich jeder Konsument, was also möchten uns die Beteiligten letzten Endes sagen? Wirklich verwertbare Fakten und neue Erkenntnisse bringt uns „Weggeworfen“ nicht, zuweilen würde man sich wünschen das auch die einen oder anderen positiven Belange erwähnt werden würden, denn so manches Land ist mit einem positiven Recycling-System durchaus auf dem richtigen Weg, was uns die Autoren hier jedoch gänzlich verschweigen wollen.

Candida Brady’s Dokumentation „Weggeworfen“ ist ganz ohne Frage ein wichtiges Werk das auf die Probleme der heutigen Gesellschaft hinweist, doch fehlen ihr zuweilen völlig neue Erkenntnisse. Es werden lediglich jene Fakten neu aufbereitet, die ein durchschnittlich interessierter Zuschauer bereits kennen sollte.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Sunfilm Entertainment

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Weggeworfen

Länge: 99 min

Kategorie: Documentary

Start: 07.11.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Bewertung Extras: (1/10)

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Info

Weggeworfen

Weggeworfen

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 99 min
Kategorie: Documentary
Start: 07.11.2013

Bewertung Film: (6/10)

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