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Venus im Pelz

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 4. Oktober 2013

Venus im Pelz

Der Franzose Roman Polanski ist ein Meister der Inszenierung und – sieht man von seinen Skandalen einmal ab – ein Garant für erfolgreiche Projekte, kann dieser in seiner langen Karriere doch nicht nur auf einen Oscar, sondern auf rund 35 Filme zurückblicken, die alle die Arthouse-Szene maßgeblich prägten. Nach seiner Adaption des Theaterstücks „Der Gott des Gemetzels“ folgt nun Polanskis nächster Streich, wenn er mit „Venus im Pelz“ das gleichnamige Broadway Stück von David Ives adaptiert und daraus ein gar wunderbares Kammerspiel zaubert.

Ein langer Arbeitstag neigt sich für den Theaterregisseur Thomas (Mathieu Amalric) dem Ende entgegen, doch trotz einer Unmenge an Castings, hat er für sein neustes Stück „Venus im Pelz“ doch keine glaubhafte Hauptdarstellerin finden können. Die Hälfte war zu nuttig, die andere wie eine Domina angezogen, nicht das was er sich vorgestellt hatte. Thomas packt seine Sachen, ist im Grunde bereits schon auf dem Weg nach draußen, da platzt unvermittelt eine Frau (Emanuelle Seigner) herein, die sich als Vanda vorstellt.

Komplett durchnässt, mit einem viel zu vorlauten Mundwerk und einem Akzent direkt von der Straße ist Vanda alles andere als Thomas sein Typ, doch Vanda kann Thomas doch noch dazu überreden kurz vorsprechen zu dürfen. Sie gehen auf der Bühne die ersten drei Seiten des Stückes durch, wobei Vanda die gleichnamige Dame spielt, Thomas den devoten Mann, der sich von seiner Herrin herumkommandieren lässt. Bereits nach den ersten Sätzen ist Thomas wie verzaubert von Vanda, doch kann sie weit mehr als nur ein paar Textzeilen, woraufhin sie sich beide im Stück verlieren…

Venus im PelzAls im Jahre 1870 der Skandalroman von Sacher-Masochs über einen devoten Mann und seine Domina erschien war der Aufschrei natürlich groß, umso größer waren allerdings die Reaktionen, als Theaterregisseur David Ives (Great Performances) diesen überaus frei für den Broadway adaptierte und daraus ein Bühnenstück zauberte, dass noch heute gespielt wird. Der Franzose Roman Polanski (Der Pianist) machte sich nun daran Ives besagtes Stück für seinen gleichnamigen Film „Venus im Pelz“ zu adaptieren, wobei dieser auch hierbei wieder überaus frei zu Werke ging, einzelne Textpassagen übernahm, ganz andere wiederrum komplett anders interpretierte. Herausgekommen ist schließlich ein Kammerspiel das sich sehen lassen kann, dass den Zuschauer vor allem unterhält und zwei Hauptdarsteller in den Mittelpunkt stellt, die sich selbst um ein vielfaches übertroffen haben.

Bereits die Eingangssequenz von „Venus im Pelz“ ist sehr schön anzuschauen, wenn die Kamera durch dunkle Straßen zieht, zu einer Tür umschwenkt und der Zuschauer plötzlich das Theater betritt, in welchem die nächsten 90 Minuten spielen sollen. Die Kamera zeigt einen Mann mittleren Alters der einen harten Arbeitstag hinter sich hat, nur wenige Minuten später eine Dame aus der Unterschicht, beachtet man allein ihr äußeres sowie die Art ihrer Sprache, wenn sie ein ums andere Mal dem Theaterregisseur über den Mund fährt und ihn doch noch dazu bewegen kann, entsprechend vorsprechen zu dürfen.

Venus im PelzWas nun folgt ist kein sadomasochistisches Stück wie man es bei einem Buch wie dem von Sacher-Masochs eventuell erwarten würde, es ist vielmehr eine Verzauberung auf der Bühne, bei der zwei Menschen die Figuren des Stückes einnehmen und sich darin verlieren. Thomas ist schon bald verzaubert von der ungewöhnlichen Vanda, lässt sich mehr und mehr verführen, während diese mit ihm scheinbar nur zu spielen scheint. Sie kennt jede Textzeile auswendig, es wird über die Bedeutung dieser diskutiert, Passagen analysiert und anschließend leicht verändert umgeschrieben, so wie es Vanda nur möchte. Es geht aber nicht nur um das Stück an sich, es geht vor allem um die Veränderung von Thomas, der entgegen dem Rat sein Stück nur von außen zu betrachten, auf einmal eine aktive Rolle einnimmt und somit die Distanz zu seinem Werk verliert. Er verliert sich in seinen Textzeilen, er verliert sich in Vanda, während dieser sich magisch zu dieser hingezogen fühlt und zuletzt sogar den Anruf seiner Frau unterbricht.

Es ist ein Spiel der Macht, das Spiel eines devoten Mannes und einer Frau die er zu seiner Herrin macht, ein Spiel der sexuellen Phantasien, die jedoch nicht auf der Bühne, sondern in erster Linie im Kopf des Zuschauers ablaufen. Vanda selber wechselt bei alledem stets ihr Äußeres, denn wo sie anfangs noch in durchnässten Lumpen im Raum steht, folgt schon bald ein Kleid des 18. Jahrhunderts und ein Auftritt in passender Unterwäsche, während der fiktive Pelz stets in der Nähe liegt. Am interessantesten wird all dies jedoch ab dem Augenblick, in welchem beide damit beginnen die Rollen zu tauschen, Thomas sein Stück aus einem komplett anderen Blickwinkel betrachtet und nun mit der Rolle der Frau konfrontiert wird.

Venus im PelzGespielt von Polanskis Ehefrau kann bei alledem Emanuelle Seigner (Die neun Pforten) in der Rolle der Vanda wohl am meisten überzeugen, die immer wieder zwischen zwei Frauen hin und herzuwechseln scheint. In dem einen Moment ist sie die Frau von der Straße mit schlimmster Gossen Sprache, im anderen die kultivierte Frau aus der Oberschicht. Dann folgt ein Auftritt als kleines Dummchen, dann wiederrum die intellektuelle Dame, welche alle Texte bis ins kleinste Detail analysieren kann. Seigners Figur bleibt dabei stets undurchsichtig und mystisch, wobei jederzeit eine knisternde Erotik über ihr liegt, welche der Zuschauer zu jeder Zeit spürt. Nicht weniger gelungen ist aber auch die Darbietung von Mathieu Amalric (Schmetterling und Taucherglocke), der in diesem Kammerspiel den Theaterregisseur spielt und mit fortlaufender Zeit die Rolle des eigentlichen Opfers einnimmt. Seine Streitgespräche mit Seigner sind einmalig, die Dialoge zuweilen unglaublich witzig, sodass dem Zuschauer neben dem offensichtlichen bei beiden Darstellern eine zweite Figur geboten wird, die nur langsam zur Oberfläche hindurch bricht.

Mit „Venus im Pelz“ hat Roman Polanski erneut ein wunderbares Theaterstück adaptiert und zum Teil komplett neu erfunden. Neben den tiefsinnigen und zuweilen überaus witzigen Dialogen überzeugen in diesem Kammerspiel in erster Linie Emanuelle Seigner und Mathieu Amalric, welche ihre jeweilige Rolle zum Teil recht elegant neu interpretieren.

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Copyright: Prokino

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Venus im Pelz

Länge: 96 min

Kategorie: Drama

Start: 21.11.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Info

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Venus im Pelz

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 96 min
Kategorie: Drama
Start: 21.11.2013

Bewertung Film: (7,5/10)

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