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Tango Libre

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 8. Oktober 2013

Tango Libre

Nachdem der belgische Regisseur Frédéric Fonteyne mit seinem Film „La femme de Gilles“ bei den Filmfestspielen von Venedig gewann, gönnte er sich eine Auszeit von nicht weniger als acht Jahren, um sich über seine weitere Zukunft klar zu werden. Das Ergebnis dieser Auszeit präsentiert Fonteyne nun in Form seiner Filmes „Tango Libre“, für den seine Lebensgefährtin Anne Paulicevich nicht nur das Drehbuch schrieb, sondern gleichwohl auch noch die Hauptrolle spielt. Dabei gelingt ihm ein interessantes Sozialdrama, das dennoch die Magie des Tangos nicht vollständig zu transportieren versteht.

Gefängniswärter Jean-Christophe (François Damiens) hat bis auf seinen 15 Jahre alten Goldfisch nicht viel wofür es sich zu leben lohnt, weswegen dieser einmal die Woche einen Tangokurs besucht, wo er die hübsche Alice (Anne Paulicevich) kennen lernt, von dessen offener Art er wie verzaubert ist. Am nächsten Tag sieht JC seine Tanzpartnerin jedoch im Besucherraum seines Gefängnisses wieder, wo diese zusammen mit ihrem 15-jährigen Sohn ihren Ehemann Fernand (Sergi López) sowie ihren Geliebten Dominic (Jan Hammenecker) besucht, die beide für einen gemeinsamen Banküberfall einige Jahre absitzen müssen. Als Fernand von ihrem Tanzkurs mit einem der Wärter erfährt, bringt es ihn auf die Palme, doch die einzige Chance seine Frau dauerhaft zu halten soll ausgerechnet das Erlernen des Tangos sein, der sie beide verbindet…

Tango LibreLaut eigener Aussage wollte Regisseur Frédéric Fonteyne (Eine pornographische Beziehung) eine Tragikomödie konzipieren, was letztendlich dabei heraus kam, könnte man wohl als besten als Drama mit einigen unterhaltsamen Ansätzen beschreiben. Das Drehbuch zu „Tango Libre“ wurde von Frédéric Fonteyne’s Lebensgefährtin Anne Paulicevich (Le premier venu) geschrieben, die hiermit nicht nur ihr Debüt als Drehbuchautorin präsentiert, sondern gleichwohl als Hauptdarstellerin wie geschaffen für den Film ist, war sie doch selber jahrelang in einem Ensemble tätig.

Im Mittelpunkt der knapp 90-minütigen Geschichte sollen diesmal gleich fünf Personen stehen, die alle unterschiedlicher kaum sein könnten. Alice ist eine Frohnatur die im Tango ihr Lebensgefühl gefunden hat, ihr 15-jähriger Sohn ein kleiner neunmalkluger Raufbold dem der Vater fehlt, die beiden im Gefängnis sitzenden Fernand und Dominic zwei bessere Kleinkriminelle, während Gefängniswärter Jean-Christophe ein gesetzestreuer ist, der vor jeder roten Ampel stehen bleibt. Wie aber soll dies letzten Endes alles zusammen passen? Genau dies ist in „Tango Libre“ dann leider auch das Problem, denn obwohl der Film tief in seinem inneren ambitioniert und locker daher kommt, lässt er seine Figuren doch stellenweise einfach so fallen, weil nicht die Zeit dafür da ist, allen annähernd die selbe Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Tango LibreSo kommt es nicht umhin das die sehenswerte Figur des überaus gutmütigen Jean-Christophe im Mittelteil des Filmes kurzzeitig fallen gelassen wird, weil sich in dem Augenblick alles auf das ungewöhnliche Vierergespann konzentrieren muss. Dies kann dramaturgisch gut gehen, in diesem Falle jedoch passt es nicht wirklich. Der Kniff das Fernand im Gefängnis aus Liebe zu seiner Frau mit dem tanzen beginnt, soll sich dann jedoch trotz allem als unterhaltsam erweisen. Wenn dieser plötzlich auf eine Gruppe Argentinier zugeht und förmlich fragt ob einer ihm den Tango beibringen könnte, ist das nicht nur überaus seltsam, es liegt auch förmlich Magie in der Luft, nur kommt diese eben nicht vom Tango. Natürlich findet Fernand trotz allem jemanden der ihm den Tanz beibringt und so entstehen einige durchaus ansehnliche Szenen innerhalb der Gefängnismauern, wenn den Insassen plötzlich die Magie des Tangos versucht wird beizubringen, wobei all jene die darüber lachen kurzerhand zur Brust genommen werden.

Ob dies in einer Einrichtung wie dieser zur Realität werden könnte sei dahingestellt, es unterhält und bringt den Film dramaturgisch vorwärts, auch wenn sich daraus wiederrum einige andere Handlungsstränge ableiten, die nicht vollkommen schlüssig aufgearbeitet wurden. Warum Jean-Christophe gerade gegen Ende sich so radikal verändert mag wohl jenem Fakt geschuldet sein das Frédéric Fonteyne doch noch irgendwie den Aspekt einer Komödie anbringen wollte, was mit alledem aber ein schießwütiger Junge und seine nicht durchsetzungsfähige Mutter damit zu tun haben, bleibt dann doch im dunklen verborgen.

Tango LibreSieht man von den einen oder anderen nicht völlig überzeugenden Aspekten bei der Ausarbeitung des Drehbuchs einmal ab, so kommt in „Tango Libre“ zuweilen doch insbesondere der Tanz etwas zu kurz, womit weniger die Tanzstunden zwischen JC und Alice gemeint sind als vielmehr jene im Gefängnis. Was den Tango nun genau ausmacht, wo seine Magie und seine Kraft zur Verführung begründet liegen wird dabei leider auch nie völlig erklärt, womit der Film trotz allem unterhaltsam bleibt, dabei jedoch seine eigene Zielsetzung aus den Augen verliert.

Ab dem 31. Oktober 2013 ist Frédéric Fonteyne’s „Tango Libre“ im Verleih von Movienet Film auf DVD im Handel erhältlich und in erster Linie denen zu empfehlen, die Tanz mit den Aspekten einer Komödie verbindet haben möchten. Das Bild der DVD ist detailreich und überaus reich an Farben, während der Ton in Dolby Digital 5.1 in den Sprachen Deutsch und Französisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, zu denen wir diesmal allerdings nicht groß etwas sagen können, da diese auf unserem Vorab Exemplar leider noch nicht enthalten waren. Bei der finalen Version werden neben dem Trailer zum Film noch einige unveröffentlichte Szenen sowie ein entsprechendes Making of enthalten sein, was zusammen etwa 47 Minuten ausmachen wird.

Frédéric Fonteyne’s „Tango Libre“ ist trotz einiger Ungereimtheiten im Drehbuch ein durchaus unterhaltsamer Film geworden, bei dem neben dem suboptimalen Finale lediglich jener Punkt etwas negativ aufstößt, dass die eigentliche Magie des Tangos einfach nicht glaubhaft für den Zuschauer transportiert werden konnte.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Movienet Film

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Tango Libre

Länge: 98 min

Kategorie: Drama

Start: 31.10.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

Tango Libre

Tango Libre

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 98 min
Kategorie: Drama
Start: 31.10.2013

Bewertung Film: (6,5/10)

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