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Georg Baselitz

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 4. Oktober 2013

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In den letzten Jahren muss man vermerkt mit Bewunderung feststellen, dass sich große und oft sehr zurückgezogen lebende Künstler plötzlich für Außenstehende beginnen zu öffnen, um diese an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Zuletzt präsentierten uns Corinna Belz mit „Gerhard Richter Painting“ und Michael Trabitzsch mit „Max Beckmann – Departure“ zwei interessante Porträts, bei denen natürlich auch der Deutsche Georg Baselitz nicht fehlen darf, der offiziell als Dritter in der Künstlerszene gilt.

Standen in „Max Beckmann – Departure“ noch die eigentlichen Bilder im Vordergrund die versucht wurden von anerkannten Kunstexperten zu analysieren, versucht sich Regisseurin und Drehbuchautorin Evelyn Schels (Reisewege zur Kunst) einzig auf den Mann Georg Baselitz (geborener Georg Kern) und dessen Bedeutung in der Kunstszene zu konzentrieren. Georg Baselitz ist alles andere als ein offener Künstler, denn Baselitz lebt überaus zurückgezogen, lässt nur wenige Menschen an seinem Schaffen teilhaben und ist dabei dennoch einer der bedeutendsten Künstler die in Deutschland leben. Evelyn Schels durfte Baselitz über mehrere Jahre begleiten, bei seinem Schaffen in den Ateliers in Deutschland und Italien zusehen und somit das Porträt eines Mannes zeichnen, der bisher wohl am ehesten als griesgrämiger alter Mann in der Szene bekannt war.

Georg BaselitzBevor sich Evelyn Schels aber der Kunst Baselitz im hier und jetzt widmet, beginnt sie erst einmal rückblickend seine Geschichte zu erzählen, die im Jahre 1938 in einem kleinen Örtchen der Oberlausitz beginnt, sich über die Nachkriegsjahre bis hin zu seinem Rauswurf aus der ehemaligen DDR zieht, bis dieser schließlich in den 70er Jahren erste Erfolge als Künstler feiern durfte. Der endgültige Durchbruch sollte für Baselitz jedoch erst im Jahre 1980 erfolgen, als dieser auf der Biennale vertreten war und dort international für Aufsehen sorgte.

Sobald dieser geschichtliche Rückblick einmal abgehandelt ist, widmet sich Evelyn Schels dem Künstler Georg Baselitz, wenn sie ihn bei seinem Schaffen hat filmen dürfen. Baselitz nutzt für seine Bilder zumeist eine sehr flüssige Farbe und malt deswegen seine großflächigen Bilder in erster Linie auf dem Boden und so sehen wir ihn mit einem Spachtel und einem Pinsel Farbe auftragen, diese verschmieren, abtupfen und wieder verschmieren. All dies ist ein überaus langwieriger Prozess, bei dem Teilaspekte eines Werkes zuweilen mehrmals übermalt werden, bis alles schließlich so realisiert wurde, wie es vorher in Baselitz geistigem Auge entstanden ist.

Georg BaselitzNeben den großflächigen Malereien mit denen sich Evelyn Schels zuweilen doch sehr wiederholt, wird aber auch auf jene großen Skulpturen eingegangen, die Baselitz oftmals aus drei und vier Meter hohen Baumstämmen mit einer Kettensäge in der Hand entwürft. „Die Arbeit ist schwierig und kraftraubend“ sagt er einmal, „doch nach spätestens einer Woche haben sich die Muskeln daran gewöhnt“. Es folgt der Entwurf einer Ausstellung, Freunde und Wegbegleiter kommen zu Wort, wobei die Stimmen zumeist erwartungsgemäß überaus lobend und fast schon euphorisch ausfallen.

Nur in den ganz wenigen Momenten in denen Schels neben Georg Baselitz auch dessen Ehefrau interviewen darf, kommen gelegentliche kritische Stimmen, wenn sie ihn beispielsweise als zu besessen bezeichnet, zu erfolgsorientiert, zu bestrebt, wodurch sie sich immer wieder Sorgen macht, dass bei der Arbeit auch einmal ein Arbeitsunfall passieren könnte. In diesen wenigen Momenten kommt der private Georg Baselitz hervor, wenn er bejahend und gleichzeitig bemüht ist beschwichtigend einzugreifen und durchaus auch Schwächen seiner selbst gesteht, die bei seiner Arbeit zuweilen durchaus auch hinderlich sein können.

Georg BaselitzDie einzelnen Interviews mit Baselitz und seinen Weggefährten sowie die Entstehungsprozesse seiner Werke sind unterbrochen mit Archivmaterial bestehend aus kurzen Sequenzen, Fotos aus dem Familienalbum und historischen Hintergrundinformationen, die zum allgemeinen Verständnis zusätzlich beitragen. Worin aber liegt nun der Erfolg des Malers für dessen Bilder Kunstexperten zum Teil siebenstellige Summen bezahlen? Auf diese Frage wird nur sehr wenig eingegangen, denn wie so oft liegt Kunst im Auge des Betrachters, die mit keinem Geld der Welt aufgewogen werden kann. Die Bilder und Skulpturen von Baselitz sind ganz ohne Frage beeindruckend, phänomenal und mit einem ungeheurem Arbeitsaufwand verbunden, ob sie aber für jeden den gleichen Wert besitzen, darf wie so oft bezweifelt werden.

Das Kunstporträt von Georg Baselitz kommt für alle Interessierten dieses Ausnahmekünstlers ab dem 18. Oktober 2013 im Verleih von Alamode Film auf DVD in den Handel und ist für all jene zu empfehlen, die mehr über den sehr zurückgezogen lebenden Menschen erfahren möchten. Das Bild der DVD ist gewohnt scharf und sehr reich an Farben, wodurch insbesondere die großflächigen Bilder nahezu perfekt zur Geltung kommen. Wie immer waren wir aber vor allem an dem zusätzlichen Material des Mediums interessiert, um mehr über den Künstler und die Entstehungsgeschichte dieser Dokumentation zu erfahren. Neben dem eigentlichen Trailer liegt der DVD allerdings nur ein Clip von etwa einer Minute bei, der die Premiere wiedergibt, die für den Fernsehsender 3SAT aufgenommen wurde. An dieser Stelle wäre ein Interview mit Regisseurin Evelyn Schels wünschenswert gewesen, die uns ein wenig mehr zum zweijährigen Dreh und zur Person Baselitz hätte berichten können.

Evelyn Schels schafft es mit „Georg Baselitz“ ein überaus interessantes Porträt über einen der bedeutendsten Deutschen Künstler zu zeichnen und dabei neben dem privaten ebenso den geschichtlichen Hintergrund zu beleuchten. Für Kunstinteressierte ist „Georg Baselitz“ auf jeden Fall einen Blick wert und zu empfehlen.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Alamode Film

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Georg Baselitz

Länge: 105 min

Kategorie: Documentary

Start: 18.10.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

Georg Baselitz

Georg Baselitz

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 105 min
Kategorie: Documentary
Start: 18.10.2013

Bewertung Film: (7/10)

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