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Gangs of Wasseypur – Teil 1

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 27. Oktober 2013

Gangs of Wasseypur - Teil 1

Auf die Frage hin was denn der Beste Film über die Mafia sei, werden wohl die meisten befragten mit Francis Ford Coppola seiner Trilogie „Der Pate“ antworten, obwohl die Meinungen beim dritten Teil doch zuweilen sehr auseinander gehen. Während David Chase mit seiner Fernsehserie „Die Sopranos“ ein ganz ähnlich komplexes Werk ablieferte, versucht nun der Inder Anurag Kashyap mit seinem Zweiteiler „Gangs of Wasseypur“ einen würdigen Nachfolger vom Paten zu finden, erzählt seine Geschichte doch ebenso jene von gleich drei Generationen einer Verbrecherfamilie.

Die indische Stadt Wasseypur in den 40er-Jahren: Der aus Afghanistan stammende Shahid Khan (Jaideep Ahlawat) überfällt britische Züge um seine Familie und die seiner Freunde zu ernähren, doch anstatt selbige Züge unter seinem Namen zu überfallen, gibt er sich stattdessen als der berüchtigte Verbrecher Sultana aus, was ihm schon bald teuer zu stehen kommen soll. Die Qureshi-Kaste verbannt ihn aus Wasseypur, woraufhin es Shahid schließlich nach Dhanbad zieht, wo er in einer Kohlemine Arbeit findet. Schon bald steigt er nach einer Revolution und der Flucht der Briten zum Aufseher auf, woraufhin er versucht für Minenbesitzer Ramadhir Singh (Tigmanshu Dhulia) die Arbeiter unter Kontrolle zu bekommen.

Gangs of Wasseypur - Teil 1Die Macht von Shahid Khan wächst unaufhörlich, Ramadhir Singh sieht seinen eigenen Einfluss gefährdet, woraufhin dieser Shahid ermorden lässt. In den kommenden Jahren wird Ramadhir Singh durch seine dunklen Machenschaften und seinen illegalen Methoden zu einem der einflussreichsten Großindustriellen des Landes, doch gleichzeitig wächst auch Shahids Sohn Sardar Khan (Manoj Bajpai) zum Manne heran, der Zeit seines Lebens eine Glatze trägt, bis sein Vater gerächt ist. Während Sardar eine lieblose Ehe mit Nagma Khatoon (Richa Chadda) führt, bekommt sein Wort mehr und mehr in der Bevölkerung Gewicht, denn Sardar hilft nicht nur den Armen und ungerecht behandelten, er wächst auch zur ernsthaften Bedrohung für Ramadhir Singh heran…

Als der Inder Anurag Kashyap (Udaan) bei den letztjährigen Filmfestspielen von Cannes seinen Film „Gangs of Wasseypur“ den Journalisten vorstellte, fragte sich der eine oder andere ob er sich wirklich dieses Werk antun sollte, ging es doch nicht weniger als fünfeinhalb Stunden. Was folgte war ein Film der zuweilen seine Längen hatte, ohne Frage von der Art her sehr an Francis Ford Coppolas „Der Pate“ erinnert und bei alledem dennoch so viel Eigenständigkeit besitzt, dass die Geschichte nicht nur ungemein spannend konzipiert ist, sondern ebenso die Stärken des indischen Kinos in sich vereint. Für das indische Kino und ebenso für die deutsche Veröffentlichung im Bereich des Home Entertainments wurde Anurag Kashyaps „Gangs of Wasseypur“ allerdings in zwei Teile aufgeteilt, um einerseits die Angst vor dem über fünf Stunden andauernden Film zu mindern, zum anderen das Werk aber auch auf eine normale Spielfilmlänge zu bringen.

Gangs of Wasseypur - Teil 1Anurag Kashyaps „Gangs of Wasseypur“ erzählt die Geschichte von gleich drei Generationen in der ärmlichen Stadt Wasseypur, die jeder für sich genommen irgendwie zu überleben versuchen, eine Familie gründen und von Rache angetrieben werden. Bei gleich drei Generationen, einer Zeitspanne von fast sechs Jahrzehnten und einer Länge von über fünf Stunden bleibt dabei das eine oder andere strukturelle Problem nicht aus, denn gerade der Anfang ist mit seiner Vielzahl an beteiligten Personen so unglaublich undurchsichtig, dass man dem Zuschauer am liebsten eine Art Stammbaum der unterschiedlichsten Familien mit an die Hand geben wollen würde. Hat man erst einmal die erste Stunde überstanden verringern sich die Personen zunehmend, es folgen die ersten ermordeten Gegner und wieder neue Nachfahren, die natürlich ebenso von Rache angetrieben werden. Nun ist der Zuschauer allerdings in der Geschichte vollkommen gefangen und so wird man nicht mehr los gelassen, bis der erste Teil von „Gangs of Wasseypur“ schließlich nach rund 160 Minuten endet und man sich sehnsüchtig der Frage ausgeliefert sieht, wie dies alles nun weitergehen wird.

Zum Glück muss der Zuschauer nur einen Monat auf die Fortsetzung warten, doch lohnt es sich bis dahin durchaus noch einmal den ersten Teil anzusehen, kann man beim ersten Durchgang doch kaum alle Details aufnehmen. „Gangs of Wasseypur“ ist ganz ohne Frage qualitativ nicht auf dem Stand von „Der Pate“ und dennoch ist er so unheimlich spannend und unterhaltend, dass der Zuschauer wie gefangen vor dem Fernseher sitzen bleibt. Der Grad der Gewalt ist bei alledem zuweilen trotz der FSK 16 Freigabe am oberen Limit, wenn sich mit selbstgebastelten Granaten freigesprengt wird, Mordanschläge mit selbstgebauten Pistolen verübt und Gegner auf offener Straße erstochen werden, wobei man nicht selten zehn Mal und öfters auf sein Opfer einsticht.

Gangs of Wasseypur - Teil 1Natürlich ist nicht jeder Zuschauer für das ungewöhnliche indische Kino aufgeschlossen, was hier zum Teil aber negiert werden kann. Anurag Kashyap orientiert sich ganz ohne Frage am westlichen Kino, sieht komplett davon ab die Bollywood gewohnten Tanzeinlagen einzufügen und achtet dennoch auf die indische Kultur, wenn er ein ums andere Mal Gesang mit in den Film integriert, der sich zumeist in die jeweiligen Szenen perfekt einfügt. Der Gesang selber ist oftmals klassischer indischer Natur, geht zuweilen über freche junge Stücke aus Pop und Rock, während er doch fast immer nur kurz angespielt und nie in seiner vollen Länge präsentiert wird.

Ab dem 25.Oktober 2013 ist der erste Teil von „Gangs of Wasseypur“ im Verleih von Polyband auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und all jenen zu empfehlen, die gute Mafiageschichten zu schätzen wissen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in den Sprachen Deutsch und Hindi gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des qualitativ hochwertigen Werkes interessiert, die diesmal allerdings sehr enttäuschend waren. Mit Ausnahme des deutschen und des indischen Trailers liegt dem Medium leider rein gar nichts bei, was uns mehr Einblicke auf die Produktion und die Entstehung des Filmes hätte geben können.

Anurag Kashyap präsentiert mit „Gangs of Wasseypur“ einen Film der zuweilen sehr an „Der Pate“ erinnert und dabei trotzdem nichts von seiner Eigenständigkeit einbüßt. Die Geschichte ist ungemein spannend konzipiert, der indische Gesang bleibt dezent im Hintergrund, während die Darsteller brillieren. Man darf bereits jetzt auf den zweiten Teil gespannt sein.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Polyband

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Gangs of Wasseypur - Teil 1

Länge: 166 min

Kategorie: Crime, Drama

Start: 25.10.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Info

Gangs of Wasseypur - Teil 1

Gangs of Wasseypur – Teil 1

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 166 min
Kategorie: Crime, Drama
Start: 25.10.2013

Bewertung Film: (7,5/10)

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