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Enemies – Welcome to the Punch

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 24. Oktober 2013

Enemies - Welcome to the Punch

Auf der amerikanischen Liste der besten noch nicht produzierten Filme schlummerten bereits einige Meisterwerke die im Rennen um die Oscars plötzlich einen gewaltigen Satz nach vorne machen konnten, was jedoch die wenigsten wissen ist, dass Großbritannien eine ganz ähnliche Liste besitzt. Im Jahre 2010 fand man dort auf Platz drei das Skript des Filmes „Enemies – Welcome to the Punch“, für das letzten Endes zwei hervorragende Hauptdarsteller verpflichtet werden konnten und was dennoch den Kinostart fast vollkommen verschlief. Ob daran nun zu starke zeitgleich anlaufende Konkurrenten schuld waren oder ein zu schlechtes Marketing sei einmal dahin gestellt, denn wir bekommen besagten Film direkt als Heimkino Premiere geboten.

Vor drei Jahren standen sich Polizist Max Lewinsky (James McAvoy) und Gangster Jacob Sternwood (Mark Strong) zuletzt gegenüber, aus dem direkten Duell ging Jacob als Sieger hervor, denn dieser schoss Max eine Kugel ins Bein und ist seitdem verschwunden. Die Wunde von Max ist in all den Jahren nie verheilt, was weniger auf sein Bein bezogen sein soll, als vielmehr auf dessen angeknacksten Stolz, hat er den Vorfall doch nie überwunden. Als plötzlich Jacob sein Sohn Ruan (Elyes Gabel) angeschossen wird und auf der Flucht der Polizei in die Hände fällt, sieht Max seine große Chance kommen, denn Jacob kann und wird seinem Sohn nun helfen. Zusammen mit seiner Partnerin Sarah Hawks (Andrea Riseborough) versucht er Jacob eine Falle zu stellen und muss schon bald feststellen, dass nicht Jacob sein Feind ist, sondern die eine oder andere Person in seinem direkten Umfeld…

Enemies - Welcome to the PunchDas gute Filme nicht unbedingt teuer sein müssen bewies uns der Brite Eran Creevy bereits vor einigen Jahren mit seinem Debüt namens „Shifty“, als er die Geschichte eines Londoner Drogendealers erzählte, der nach der Rückkehr seines besten Freundes versuchte dem Kreislauf der Unterwelt zu entkommen. Mit „Enemies – Welcome to the Punch“ versucht Creevy nun einen Film Noir im weiteren Sinne zu kreieren, wenn dieser seine Gangstergeschichte zwar nicht in grauen und dunklen Hinterhöfen platziert, die Eigenarten des Genres aber dennoch sehenswert gut zu nutzen vermag.

Herausgekommen ist bei alledem ein Film der nicht unbedingt schlecht ist, Aufgrund seiner sehr gemächlichen Einleitung zuweilen gerade am Anfang recht ermüdend daher kommt, dann aber immer weiter aufdreht, bis es schließlich zum großen Showdown kommt. Die gerade einmal 8,5 Millionen Eure teure Produktion verzichtet dabei fast vollständig auf umständliche Effekthascherei, versucht mit klaren Strukturen und einer einheitlichen Linie zu punkten, bei der Nebengeschichten nur wenig Spielraum gelassen wird. Die Geschichte selber ist von Anfang an berechenbar, vermag nur in sehr wenigen Szenen den Zuschauer zu überraschen und dennoch soll all dies für „Enemies – Welcome to the Punch“ reichen.

Enemies - Welcome to the PunchMit Ausnahme einiger Verfolgungsjagden und Schusswechsel ist die Action zweckgebunden, die Charaktere von Max und Jacob einzig und allein da um die Handlung nach vorn zu bringen, während die unterschwellige Kritik bezüglich freierer Waffengesetze eher nebensächlich ist. Bei alledem kann ebenso die Figur des korrupten Politikers nur wenig überzeugen, was einerseits daran liegt das dieser durch den Zuschauer bereits ab der ersten Minute zu entlarven ist, zum anderen selber nur wenig substantielles beisteuern kann. Wenn man all dies zusammenfassen sollte so muss man unweigerlich sagen, dass „Enemies – Welcome to the Punch“ sehr vieles richtig macht, sich aber letzten Endes doch zu wenig traut. Nur rein die inhaltlichen Schwerpunkte des Genres herunter zu spulen ist heutzutage zu wenig, denn wenn man schon nicht mit komplett eigenen Ideen und Neuerungen zu überraschen vermag, so muss man zumindest mit einer eigenwilligen Umsetzung provozieren. Hier haben wir von alledem nur wenig, was weder schlecht noch sonderlich gut ist, denn so durchschnittlich wie das ganze Drehbuch ist, so ist letzten Endes auch der ganze Film.

Enemies - Welcome to the PunchWährend uns also das Drehbuch nicht unbedingt überraschen kann, gleichzeitig aber auch nicht enttäuscht, wissen doch zumindest die Darsteller zu überzeugen. Mit James McAvoy (Trance – Gefährliche Erinnerung) haben wir einen durchaus überzeugenden Polizisten namens Max, der einerseits noch immer nicht über seine Niederlage hinweg gekommen ist, zum anderen aber auch leichte Tendenzen eines Psychopathen aufweist, wenn dieser ohne Rücksicht auf Verluste versucht jenen Mann zu schnappen, der ihn vor drei Jahren erniedrigt hat. Nicht weniger gelungen ist in diesem Zusammenhang aber auch die Verpflichtung von Mark Strong (Sherlock Holmes), der einen ruhigen und dennoch überzeugenden Gegenspieler abgibt, der mit eiskalter Präzision seine Aufträge ausführt und dabei dennoch unschuldiges Leben insofern achtet, als dass dieser mögliche Opfer genau in seine Pläne mit einkalkuliert.

Im Bereich der Kamera vertraut Creevy erneut Ed Wild (Severance – Ein blutiger Betriebsausflug), mit dem er auch schon bei seinem Debüt „Shifty“ zusammen gearbeitet hatte. Die Bilder sind zum Großteil mit ihrem eiskalten blau recht unterkühlt und fast schon abweisend gehalten, während der entsprechende Soundtrack von Komponist Harry Escott (Hard Candy) zumeist die klassischen und ruhigen Töne bedient.

Ab dem 25. Oktober 2013 ist Eran Creevy sein zweiter Film namens „Enemies – Welcome to the Punch“ im Verleih von Square One Entertainment und Universum Film auf Blu-ray, DVD und natürlich auch per Video on Demand erhältlich und vornehmlich all jenen zu empfehlen, die einen netten Actionfilm für den Abend suchen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und mit seinem blauen Look zumeist sehr unterkühlt gehalten, während der Ton in DTS-HD 5.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, wo es wieder einiges zu entdecken gab. In rund 18 Minuten „Behind the Scenes“ bekommen wir einen exklusiven Blick hinter die Kulissen, in gleich neun Interviews von rund 30 Minuten berichten die Darsteller und Produzenten pflichtbewusst ihre Ansicht zum Film und antworten auf Fragen, während wir in einer unkommentierten B-Roll (18 Minuten) den Dreharbeiten beiwohnen dürfen.

Eran Creevy’s „Enemies – Welcome to the Punch“ ist nicht der originelle Film und der große Wurf den man womöglich erwartet hätte, wirklich schlecht ist dieser allerdings auch nicht. Das Drehbuch ist solide, die Hauptdarsteller wissen zu unterhalten und die Action gegen Ende ist sehenswert. Für einen lockeren DVD Abend durchaus zu empfehlen.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum Film

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Enemies - Welcome to the Punch

Länge: 99 min

Kategorie: Action, Crime

Start: 25.10.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Bewertung Extras: (7/10)

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Info

Enemies - Welcome to the Punch

Enemies – Welcome to the Punch

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 99 min
Kategorie: Action, Crime
Start: 25.10.2013

Bewertung Film: (6/10)

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