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Don Jon

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 14. Oktober 2013

Don Jon

Der eine oder andere Leser wird sich mit Sicherheit noch an Steve McQueens etwas seltsames Drama „Shame“ aus dem letzten Jahr erinnern, in dem Michael Fassbender den sexsüchtigen New Yorker gab, der zuweilen ganz und gar ungewöhnliche Beziehungen zu pflegen versuchte. Mit „Don Jon“ liefert nun Joseph Gordon-Levitt sein Regiedebüt mit einem ganz ähnlichen Werk ab, doch wo McQueen noch überaus ernst war, übt Gordon-Levitt jede Menge Selbstkritik und verpackt diese in eine durchaus unterhaltsame Komödie, bei der er ebenso als Hauptdarsteller fungiert.

Mit Ende 20 ist das Leben von Jon Martellos (Joseph Gordon-Levitt) nicht unbedingt erfüllt von Abwechslung, denn während dieser zumeist tagsüber im Fitnessstudio seinen Körper stählt, am Nachmittag seine Eltern besucht und des Abends mit seinen Freunden im immer gleichen Club herumhängt, verlässt er diesen doch stets mit der hübschesten Frau im Arm. So ausgelassen sein Leben mit den verschiedensten Frauen auch ist, Jon hat ein ganz anderes Problem, denn Jon ist süchtig nach Internet Pornos. All dies soll sich nicht einmal ändern als er mit der hübschen Barbara (Scarlett Johansson) die nahezu perfekte Frau fürs Leben gefunden hat, woraufhin diese ihn nach gleich zwei peinlichen Erlebnissen auch prompt wieder abserviert. Seine Erfüllung soll Jon erst sehr viel später mit der im Abendstudium antreffenden reiferen Esther (Julianne Moore) finden, die ihn in die Geheimnisse einer Beziehung einweiht und ihm so mehr offeriert als nur kurzzeitiges sexuelles Verlangen…

Don JonDas Verlangen einen eigenen Film zu drehen hatte Joseph Gordon-Levitt (The Dark Knight Rises) laut eigener Aussage bereits seit frühster Kindheit, doch während man sich mit Actionfilmen und Science Fiction Werken gerade am Anfang durchaus verheben kann, wollte sich Gordon-Levitt einem ganz anderen und sehr viel ungewöhnlicheren Thema widmen. Er verknüpfe die Sucht nach Pornos mit den unterschiedlichsten Vorstellungen die man an seinen Partner hat, was dieser nicht nur mit einer gehörigen Portion Selbstironie umsetzt, sondern auch sogleich in eine Komödie verpackt, die man in dieser Art wohl selten zu sehen bekommt.

Von der ersten Idee zum endgültigen Film dauerte es fast vier Jahre, wobei das Drehbuch an dem Joseph Gordon-Levitt allein arbeitete ganze zwei Jahre eingenommen hatte. Gerade dieses ist es auch das „Don Jon“ so seltsam anmuten lässt, wenn er gleich bei der ersten Szene damit beginnt von hübschen Frauen zu erzählen, die meist in aufreizenden Posen in Videoclips, Fernsehen und Werbung zu sehen sind. Gordon-Levitt fungiert bei alledem selber als Ich-Erzähler aus dem Off, wenn er nicht nur sich selber charakterisiert, sondern vor allem sämtliche Mitmenschen um sich herum. Männer werden bei alledem als Sexbesessene hingestellt für die Pornos normal sind, die Frauen rein auf ihr Äußeres reduzieren und denen alles andere doch recht egal ist, solange es zum Geschlechtsakt kommt.

Don JonAber auch der weibliche Part hat es in „Don Jon“ nicht unbedingt leicht, wird dieser doch zumeist mit jenen Idealen dargestellt, die sie aus Fernsehen, Kino und den eigenen Eltern kennen. Eine Beziehung muss immer zu 100% perfekt sein, genau so ablaufen wie es uns Hollywood vor diktiert, während der Mann natürlich jenem Märchenprinzen gleichkommt, den man bereits in frühster Kindheit aus diversen Märchen vorgestellt bekommen hat. Noch Fragen? Hier treffen Vorurteile auf Klischees, angebliche erschreckende und verruchte Bilder auf den schockierten Zuschauer, doch seien wir einmal ehrlich, seit einem Lars von Trier kann uns doch rein gar nichts mehr schockieren. Sex ist im Kino längst zur Normalität geworden, polarisieren können nur noch die wenigsten Szenen und so kann sich Gordon-Levitt auch nicht als jener innovative Independent Regisseur verkaufen, der sich womöglich mehr traut zu zeigen als es andere vermögen.

Stattdessen kann man sein Debüt auf einen recht unterhaltsamen Film reduzieren bei dem die Dramaturgie auf jeden Fall noch ausbaufähig ist, denn obwohl gerade die erste Hälfte mit viel Charme und Witz die Erwartungshaltung zweier Menschen parodiert, versucht Levitt sich im zweiten Teil einer Gesellschafts-, wenn nicht gar einer Selbstkritik zu unterwerfen, die so einfach nicht zünden will. Zu sehr gestellt wirkt die angebliche Veränderung seiner selbst, wenn er mit Hilfe der älteren Esther von seinen von Gel triefenden Haaren Abstand nimmt, sich selber therapiert und plötzlich weit mehr im weiblichen Wesen sieht, als reines sexuelles Verlangen und Vergnügen.

Don JonNeben den vielen expliziten Sexszenen in diversen Videoclips vermag Kameramann Thomas Kloss (Conan) nur wenig eigene Akzente zu setzen, was ebenso leider auch auf die Musikuntermalung von Komponist Nathan Johnson (Looper) anzuwenden ist, besteht diese doch zumeist nur aus dem Gestöhne der Videoclips, einem viel zu lauten Startgeräusch des Notebooks sowie einem dezenten Gedudel im Hintergrund. Ganz anders sieht dies von Seiten der Darsteller aus, die zum Großteil eine sehenswerte und überzeugende Performance haben abliefern können. Gordon-Levitt hat nach einem sechsmonatigen Training einen ungemein muskelbepackten Körper und gibt den Süchtigen nach Pornos sehenswert, während Scarlett Johansson (Lost in Translation – Zwischen den Welten) ihre eigene Figur zumeist mehr auf das Kaugummi kauende Dummchen reduziert, dass ungemein gut aussieht, ihrem Partner jedoch kaum Luft zum Atmen lässt. Neben der gewohnt starken Darbietung von Julianne Moore (Magnoia) überzeugte am meisten allerdings Tony Danza (Wer ist hier der Boß?) als Jons Vater, der ähnlich Sport- wie sein Sohn Sexbesessen ist und damit so manch andere Hinlänglichkeit zu kompensieren versucht.

Mit „Don Jon“ liefert Joseph Gordon-Levitt ein doch recht ungewöhnliches Debüt über einen Pornosüchtigen ab, das gute Ansätze besitzt, vielmehr aber auch leider nicht ist. Abgesehen von dem nicht vollends überzeugenden Drehbuch muss man sich bei alledem die Frage stellen, welche Zielgruppe an Zuschauern er damit überhaupt anzusprechen versucht.

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Copyright: Ascot Elite

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Don Jon

Länge: 90 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 14.11.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 90 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 14.11.2013

Bewertung Film: (6,5/10)

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