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Die Fliege

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 7. Oktober 2013

Die Fliege

Im Bereich des Horror-Genres sind heutzutage Selbstversuche, Kreuzungen zwischen Mensch und Tier und die Erschaffung von neuem Leben nichts besonderes mehr, doch wo heute der Mensch schon recht abgestumpft ist, konnte Kurt Neumann im Jahre 1958 mit seinem Film „Die Fliege“ noch Ängste schüren. Aus heutiger Sicht würde man Neumann mit Sicherheit den Aspekt absprechen wollen einen reinen Horrorfilm entworfen zu haben, denn neben den guten alten Science Fiction Phantasien bietet er auch eine tiefergehende Kriminalgeschichte, die zu überzeugen versteht.

Die aufgebrachte Helene Delambre (Patricia Owens) beichtet am Telefon dem Bruder (Vincent Price) ihres Mannes den eigenen Ehegatten (David Hedison) unter einer Stahlpresse ermordet zu haben, woraufhin dieser sofort zusammen mit Inspektor Charas (Herbert Marshall) damit beginnt besagtes Verbrechen aufzuklären. Helene erzählt bei alledem ihre Version der Geschichte, in der ihr Ehemann, der geniale Wissenschaftler André, krampfhaft versuchte Objekte von einem Ort zum anderen zu transportieren. Nachdem der Versuch mit einem Tier bereits erfolgreich vollzogen war, wagte er sich an einen Selbstversuch, bei dem ausgerechnet eine Fliege mit in der Kammer war. Die Atome beider Lebewesen wurden falsch am zweiten Ort zusammengesetzt, woraufhin André nun den Kopf und den Arm einer Fliege besaß, die Fliege jedoch fortan mit einem Menschenkopf und einem hellen Arm im Haus umhergeflogen ist. Beiden konnte nur geholfen werden, wenn man sie wieder zusammen in besagte Kammer steckt…

Die FliegeNachdem bereits James Whale im Jahre 1931 mit seinem Film „Frankenstein“ Gott spielte, wagte sich auch Regisseur und Drehbuchautor Kurt Neumann an besagtes Thema, war er seinerzeit doch in erster Linie mit seinen zahlreichen Tarzan-Verfilmungen bekannt geworden. Aus heutiger Sicht kennt kaum noch ein Mensch Neumanns Film „Die Fliege“, denn als eines der wenigen Werke im Film, wird dieses ausgerechnet von seinem Remake überschattet. David Cronenberg gelang knapp 30 Jahre nach Neumanns Werk ein Film der wohl ganz ohne Frage auch heute noch zu einigen der besten Horrorfilme gehört und für den er nicht ganz ohne Grund einen Oscar erhielt. Aber auch hier sei angemerkt, dass auch ein David Cronenberg nie diesen Oscar bekommen hätte, wenn es nicht Neumanns Film gegeben hätte.

Im Grunde wäre es falsch Kurt Neumanns (Rakete Mond startet) „Die Fliege“ als Horrorfilm bezeichnen zu wollen, denn das ist er – mit Ausnahme zweier Sequenzen – beim besten Willen nicht. Vielmehr haben die Drehbuchautoren George Langelaan (Die Rückkehr der Fliege) und James Clavell (Gesprengte Ketten) einen Film erschaffen, der mit dem Teleport von toter sowie menschlicher Materie einen Teilbereich der Science Fiction anspricht, wird das Thema doch immer wieder aufgerollt. Es geht aber nicht nur um Science Fiction und dem – aus heutiger Sicht etwas unsinnigen – Plot Detail bezüglich des Vertauschens von Körperteilen bei besagtem Transport von Materie, es geht vor allem um eine ansprechende Kriminalgeschichte, die rückwärts erzählt langsam aufgerollt wird.

Die FliegeSo wird der Zuschauer bereits am Anfang mit dem Tod einer nahestehenden Figur konfrontiert, von der wir rückwirkend erfahren, dass es sich bei dieser um einen genialen Wissenschaftler handelt, der mit dem Transport von Materie experimentiert. Dieser versucht Gott zu spielen, in die Naturgesetze einzugreifen und so schon bald Tiere für seine Versuche zu missbrauchen, bevor er sich aus Verzweiflung selbst in besagte Kammer stellt, was natürlich gehörig schief gegangen ist. All dies erfahren wir aus der erzählten Geschichte von dessen Ehefrau Helene, die verzweifelt versuchte die Fliege mit dem menschlichen Kopf wieder einzufangen, daran aber scheiterte, bis beide keinen Ausweg mehr sahen, als die Körperteile der Fliege unter einer Stahlpresse zu vernichten, damit dieses Experiment nicht an die Öffentlichkeit gelangt.

Für all jene Zuschauer die vom eigentlichen Story Verlauf noch nicht wissen, wird diese Aufarbeitung durchaus spannend sein, denn ähnlich wie in den guten alten Sherlock Holmes Filmen wird hier ein Puzzleteil an das andere gereiht, bis es schließlich zur eigentlichen Auflösung kommt. Genau an dieser Stelle setzt nun auch endlich der eigentliche Horror des Filmes ein, der in erster Linie die Urängste eines jeden Menschen anspricht und dabei für einen kleinen Schrecken sorgen wird, auch wenn die Umsetzung aus heutiger Sicht natürlich alles andere als gut gemacht wurde. Wenn plötzlich der Professor sein Tuch vom Kopf zieht und der Zuschauer zum ersten Mal mit dem Kopf einer Fliege direkt konfrontiert wird, dann ist dies in etwa genau erschreckend mit anzusehen wie gegen Ende, wenn wir die Fliege mit ihrem menschlichen Kopf im Netz der Spinne sehen und diese verzweifelt um Hilfe schreit.

Die FliegeIm Bereich der Darsteller muss man in Neumanns „Die Fliege“ ganz ohne Frage Vincent Price (Edward mit den Scherenhänden) hervorheben, der hier wohl eine der Rollen in seinem Leben absolvieren durfte, an die er nur noch selten wieder heran kam. Wunderbar gespielt, eine großartige Mimik und bei alledem so herrlich Leinwandpräsent, wie man es nur noch selten sieht.

Für all jene die nun Lust auf die ursprüngliche Version aus dem Jahre 1958 bekommen haben, den sei die entsprechende Blu-ray ans Herz gelegt, die 20th Century Fox ab dem 11. Oktober 2013 in einer komplett überarbeiteten Version erstmalig in den Handel bringt. Entgegen unserer Bilder ist der komplette Film nun in Farbe, mit 1080/24p gestochen scharf, wobei die deutsche wie auch die englische Tonspur in DTS-HD 4.0 komplett digital überarbeitet wurde. Für all jene die an den Extras des Mediums interessiert sind, findet sich ebenso einiges durchaus spannendes. Es gibt einen exklusiven Audiokommentar von Darsteller David Hedison und Filmhistoriker David Del Valle die viel interessantes zum Film berichten, eine 45-minütige Vincent-Price-Biografie aus dem Jahre 1997, rund 12 Minuten zum Rückblick auf die Entstehung des Films sowie einen kurzen Clip zur Fox-Wochenshow mit einigen Monstern diverser Horrorfilme der damaligen Zeit.

Kurt Neumanns „Die Fliege“ ist ganz ohne Frage ein Klassiker den man sich in dieser restaurierten Fassung nicht entgehen lassen sollte. Er ist aus heutiger Sicht zwar kein waschechter Horrorfilm, gute Unterhaltung ist aber allemal garantiert.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: 20th Century Fox

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Die Fliege

Länge: 94 min

Kategorie: Horror, Sci-Fi

Start: 11.10.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Bewertung Extras: (7/10)

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Info

Die Fliege

Die Fliege

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 94 min
Kategorie: Horror, Sci-Fi
Start: 11.10.2013

Bewertung Film: (7/10)

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