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Assault on Wall Street

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 5. Oktober 2013

Assault on Wall Street

Über den deutschen Regisseur und Drehbuchautor Uwe Boll muss man im Grunde nicht groß Worte verlieren, denn mit seinen – zumeist unterdurchschnittlichen – Filmen wie den Videospiel-Adaptionen „Far Cry“ (2008) und „Alone in the Dark“ (2005) bzw. der Taliban Komödie „Postal“ (2007) hat sich Boll beim besten Willen keine Freunde gemacht, weder bei den Fans der Produkte noch bei seinen Kollegen. Mit „Assault on Wall Street“ versucht Uwe Boll nun der Finanzkrise ein Gesicht zu verleihen, wenn er einen verzweifelten Ehemann alles verlieren lässt und ihn somit zum äußersten treibt.

Für Wachmann Jim (Dominic Purcell) und seine Freundin Rosie (Erin Karpluk) geht es langsam Bergauf, denn nachdem diese erfolgreich ihren Krebs besiegen konnte, fehlen im Grunde nur noch ein paar Hormonspritzen um die Behandlung erfolgreich abschließen zu können. Leider verweigert Jims Krankenversicherung die weitere Behandlung, doch Aufgrund umfangreicher Rücklagen sollen die 300 Dollar teuren Spritzen und die zusätzlichen Medikamente ein eher kleines Problem darstellen. Im Zuge der Finanzkrise verliert Jim jedoch auf einmal all sein Erspartes, muss auf einmal auch noch 60.000 Dollar nachzahlen, während ihm auch ein 10.000 Dollar teurer Anwalt nur mit wenigen Floskeln weiterhelfen kann. Als dann auch noch Rosie sich aus Verzweiflung die Pulsadern aufschneidet, sieht Jim nur noch einen Ausweg. Er muss die Schuldigen an seiner Misere zur Rechenschaft ziehen und wenn dies bedeuten sollte über Leichen zu gehen…

Assault on Wall StreetDie im Jahre 2009 erfolgte Finanzkrise haben wir nun vier Jahre später zum Großteil hinter uns, doch neben einigen wenigen Banken die auf der Strecke geblieben sind, hat es doch zum Großteil den kleinen Mann getroffen, der noch heute mit einem unterdurchschnittlichen Zinssatz zu kämpfen hat, während sich die Banken mit billigem Geld sanieren. Den Ablauf besagter Finanzkrise haben in den letzten Jahren bereits die verschiedensten Filmemacher versucht in Bilder zu fassen, doch wo besagte Werke sich zumeist als Wirtschaftsdrama herausstellten, versucht Uwe Boll (Rampage) nun noch einen Schritt weiter zu gehen. Er verbindet ein Drama um den kleinen Mann mit einen Rachethriller, bei dem es letzten Endes jene Opfer geben soll, die Boll für die Finanzkrise als Schuldige ausgemacht hat.

Entgegen dem sehr reißerischen Cover der DVD ist „Assault on Wall Street“ die ersten zwei Drittel seiner rund 90 Minuten in erster Linie ein Drama welches die Finanzkrise aus den Augen des kleinen Mannes beleuchtet. Polizisten verlieren plötzlich ohne Grund einen Teil ihrer Pensionsrücklagen, angeblich sicher angelegtes Geld ist plötzlich nicht mehr vorhanden, da besagte Fonds von der Staatsanwaltschaft untersucht werden. Übrig bleiben Investitionen in scheinbar bombensichere Immobilien, die sich nun allerdings nicht nur als kaum bewohnbar herausstellen, sondern auch noch Nachzahlungen an ihre Kunden stellen. Das Geld ist weg, die Krankenkasse verweigert ihre weiteren Zahlungen und die eigene Freundin kämpft um das Überleben, wie würde man wohl selbst reagieren?

Assault on Wall StreetDer im Mittelpunkt stehende Jim reagiert in erster Linie sachlich und ruhig, wenn er seine verschiedenen Möglichkeiten analysiert, Berechnungen über seine finanziellen Spielräume anstellt, nur um seine Frau doch noch zu retten. Es ist nicht leicht, Schulden drücken überall, während sich die Broker, die als Schuldige schnell ausgemacht sind, sich des Abends in Clubs amüsieren, wo sie doch tagsüber keine Zeit haben Jim nur kurz auch nur anzuhören. Sobald all dies in etwa einer Stunde abgehandelt wurde, die verschiedensten Figuren ausreichend beleuchtet sind und ein tragisches Ereignis als Katalysator dient, wandelt sich Uwe Bolls „Assault on Wall Street“ endlich zu jenem Film, der uns mit dem reißerischen DVD Cover versprochen wurde. Es werden Pläne gemacht, hochrangige Männer des Finanz- und Bankenwesens gezielt liquidiert, bis es schließlich zu einem recht ansehnlichen Showdown im Bürogebäude einer Bank kommt.

So spannend sich dies alles anhört, so lustlos ist „Assault on Wall Street“ dennoch von Uwe Boll inszeniert worden, was in erster Linie dem doch recht langweiligen Drehbuch geschuldet ist, dass zu keiner Zeit jene Dramaturgie entwickelt, welche den Zuschauer gespannt den Film verfolgen lassen würde. Die Finanzkrise aus Sicht der kleinen Bürger ist durchaus legitim und ebenso gewünscht, dann doch aber bitte ein wenig objektiver und nicht ganz so reißerisch. Einfach alle Menschen aus dem Banken- und Wirtschaftssektor über einen Kamm zu scheren ist zu einfach, die Broker für falsch angelegtes Geld verantwortlich zu machen zu blauäugig, Assault on Wall Streetdenn hinter alledem steckte damals ein System von großen Blasen, dass bekannt war, auf die viele aber viel zu spät reagiert haben, wollten alle doch einen Teil des Kuchens abhaben. Damit soll auf keinen Fall die Schuld bestimmter Personen beschönigt werden, doch lässt Boll hier komplett die Schuld jener Anleger außen vor, die sich blauäugig auf Renditen von 10 bis 15 Prozent eingelassen haben und dabei auch noch dem Glauben unterlagen, dass dieser Gewinn ehrlich und vor allem sicher erreicht werden kann.

Sehen wir von dieser inhaltlichen Diskussion zum Thema Wirtschaftskrise einmal ab, so vermag Uwe Boll auch diesmal kaum den Zuschauer zu fesseln, was aber auch maßgeblich seinem Hauptdarsteller geschuldet ist. „Prison Break“ Star Dominic Purcell (Equilibrium) hat ganz ohne Frage die Mimik einer Mauer, wenn er fast 60 Minuten lang Emotionslos das Leid seiner Frau und die Entwicklung seines Erspartes mitansehen muss, nur um schließlich in einem reißerisch inszenierten Finale sich an besagten Personen zu rächen. Hier hätte man vielmehr jemand gebraucht der das Leid darstellen und in Emotionen umwandeln kann, nicht aber jemanden der einfach nur dasitzt und die Sache über sich ergehen lässt.

Uwe Bolls „Assault on Wall Street“ ist ein reißerisch inszenierter Rachethriller zur Finanzkrise, der leider zu keiner Zeit den Zuschauer dramaturgisch packen kann. Vielmehr wird auf bekannte Klischees gesetzt, die mit einem völlig deplatzierten Dominic Purcell versucht werden umzusetzen. Die am 27.09 erscheinende Blu-ray enthält neben dem Trailer lediglich einen Audiokommentar, womit sich die Extras doch sehr übersichtlich gestalten.

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Wir vergeben daher 4,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Splendid Film

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Assault on Wall Street

Länge: 99 min

Kategorie: Action, Drama

Start: 27.09.2013

cinetastic.de Filmwertung: (4,5/10)

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Bewertung Extras: (4/10)

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Info

Assault on Wall Street

Assault on Wall Street

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 99 min
Kategorie: Action, Drama
Start: 27.09.2013

Bewertung Film: (4,5/10)

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