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Two Meters of This Land

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 30. September 2013

Two Meters of This Land

Wenn man als Europäer die Worte Palästinenser und Israeli hört, so denkt man unweigerlich sofort an Bilder aus Fernsehsendungen und Tageszeitungen, in denen Opfer gezeigt werden, die zumeist aus dem palästinensisch-israelischen Konflikt resultieren. Mit genau diesem Bild möchte nun der in Spanien geborene Regisseur und Drehbuchautor Ahmad Natche (Cada pez a su estanque) brechen, wenn er „Two Meters of This Land“ direkt in Palästina inszeniert und in erster Linie von einer Jugend berichtet, die mit alledem gar nichts zu tun haben möchte.

„Zwei Meter von diesem Land sind jetzt genug für mich“ schrieb einst der palästinensische Nationaldichter Mahmud Darwisch über den Moment seines Todes, im Jahre 2008 verstarb dieser schließlich. Nur einige Meter von Darwisch seinem Grab entfernt wird nun ein Musikfestival veranstaltet, doch was im ersten Augenblick wie eine Dokumentation der Momentaufnahme aussieht, ist in Wahrheit bis ins kleinste Detail inszeniert. Es gibt ein Kamerateam das sich um Interviews kümmert, eine Studentin welche Musiker befragt, Musiker die wir beim Soundcheck beobachten können.

Es folgen Bilder in denen wir diverse Menschen in der Garderobe sich fertigmachen sehen, Studenten die einen Tisch mit Informationsmaterial aufbauen, während die letzten Arbeite an der Tribüne vonstatten gehen, die womöglich gar nicht einmal rechtzeitig fertig werden soll. Es geht Ahmad Natche aber in Wirklichkeit gar nicht um dieses fiktive Konzert, er möchte vor allem darlegen, dass Palästina mehr als nur Krieg ist, dass hier ganz normale Menschen leben, die Träume und Hoffnungen haben. Wir sehen eine Gruppe Teenager sich für einen Tanz vorbereiten, einen jungen Musiker in einem Interview davon berichten wie er sich alles selber beigebracht hat, vollkommen ohne Manger klarkommen möchte, weil für ihn der Spaß im Vordergrund steht. Das Bild schwenkt wieder um auf eine ausgelassene Menge jüngerer Leute, welche beim Bau der Tribüne zusehen. Sie haben Spaß, rauchen eine Zigarette, blicken unbeschwert in die Luft, auf ihre Handys und schreiben sich gegenseitig Nachrichten.

Was also ist mit jenen Kriegsbildern, die wir aus den Tageszeitungen kennen? Die Antwort darauf lautet nichts, denn abgesehen von einer Collage aus Fotos beim Intro von „Two Meters of This Land“ werden wir in erster Linie mit unbeschwerten Menschen konfrontiert, die alle ein Leben genießen, dass ohne weiteres den europäischen Vorstellungen gleichkommen könnte. Von Panzern und Explosionen ist nichts zu sehen, stattdessen werden wir mit Hoffnungen und Träumen konfrontiert. „Was hast du während der Sommerferien gemacht?“ wird gefragt, die eine hat nichts großartig unternommen, die andere hat fast neun Stunden täglich gelernt. „Wo soll es demnächst hingehen?“ wird weiter gefragt, es wird auf Ramallah und andere Großstädte eingegangen, wohin es einen halt treiben sollte. Es folgt eine Blende zu den Menschen in der Nähe der Tribüne, starker Wind kommt auf. Wind der symbolisch für einen Neuanfang stehen könnte, für den arabischen Frühling, für eine Zeit ohne Krieg, eine Zeit in der man so unbeschwert ist, wie es Ahmad Natche mit seiner Inszenierung aufzeigen möchte.

Mit „Two Meters of This Land“ bricht Regisseur Ahmad Natche mit den bekannten Bildern über Palästinenser, wenn er mit seinem fiktiven Konzert von Menschen erzählt, die doch ähnliche Hoffnungen und Wünsche haben wie wir alle.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Turab Films

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Filmfest Hamburg 2013

Länge: 80 min

Kategorie: Drama

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Filmfest Hamburg 2013

Two Meters of This Land

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 80 min
Kategorie: Drama
Start: 01.01.1900

Bewertung Film: (7/10)

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