cinetastic.de - Living in the Cinema

In Search of Oil and Sand

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 30. September 2013

In Search of Oil and Sand

Wenn geliebte Menschen von uns gehen und man damit beginnt die letzten Habseligkeiten durchzusehen, entdeckt man oftmals Erinnerungen an längst vergessene Ereignisse oder Dinge, an die man lieber nicht erinnert werden möchte. Eine solche Erfahrung musste auch der Ägypter Mahmoud Sabit machen, als er einen längst verschollen geglaubten Film im Haus seiner Großeltern fand, welcher vom letzten Königspaar kurz vor der Revolution aufgenommen wurde.

Bei der Erkundung des Hauses seiner Großeltern fand der Ägypter Mahmoud Sabit ein riesiges Familienarchiv an das sein Vater niemals gehen durfte, dass er sich nun aber ansehen konnte, war doch niemand mehr da, der ihn davon abhalten hätte können. Neben einer Unzahl an Koffern mit Manuskripten, Fotos und sonstigen Aufzeichnungen fand Sabit aber auch einen alten Film, der als längst verschollen galt. Mahmoud Sabit’s Vater war ein Cousin des damaligen letzten Königs von Ägypten, war direkt mit in einen privaten Film involviert, den das Königspaar im Jahre 1952 drehte, ganze sechs Wochen bevor eine Revolution fast alle Familienmitglieder ins Exil trieb.

Die beiden Regisseure Philippe Dib (Welcome Says the Angel) und Wael Omar (Demokratie schläft, Shayfeen.com wacht) haben die Erkundung dieses Familienarchivs begleitet, haben sich den gedrehten Film namens „Oil and Sand“ ganz genau angesehen und sind dabei auf viele Details gestoßen, die sie nun versuchen zu erklären. Im Film selber sind neben den verschiedensten Familienmitgliedern der königlichen Familie diverse Diplomaten zu sehen, ein extra für den Film veranstalteter Tanzball zeigt enge Freunde aus der Oberschicht, während alles im Stile eines Stummfilms aufgebaut ist, sind doch immer kurze Texteinblenden zu erkennen.

Mahmoud Sabit und das Kamerateam machen sich auf die letzten Überlebenden aus dem damaligen Film zu suchen, stoßen dabei auf die inzwischen 80-jährige Prinzessin Nevine Abbas Halim und zeigen dieser den Film, die zu Tränen gerührt ihre Geschichte erzählt. Es geht in „In Search of Oil and Sand“ aber nicht nur um die Entdeckung dieses als verschwunden geglaubten Kleinods, es geht in erster Linie um die Veränderung eines Landes, dass im Jahre 1952 den Umsturz von der Monarchie in eine vom Militär bestimmte Diktatur erfahren musste, was als Ausgangsbasis einzig und allein die Ölvorkommen haben sollte. Es wird auf die verschiedensten diplomatischen Probleme eingegangen, auf die Verwicklung von Seiten der Vereinigten Staaten und natürlich auf das herunterwirtschaften des Landes während der Militärdiktatur, war es doch von einem der reichsten Länder der Erde nach etwa zehn Jahren zu einem der ärmsten geworden.

Die Dokumentation „Oil and Sand“ selber zu bewerten dürfte überaus schwer fallen, sind die 16mm Überreste doch nicht immer von der besten Qualität, während die entsprechende Farbversion auch gänzlich als verloren gilt. Viel eher kann man die entsprechende Bewertung bei „In Search of Oil and Sand“ direkt ansetzen, die einerseits komprimiert auf nur 60 Minuten die Wiederentdeckung der eigenen Vergangenheit wunderbar abbildet, zum anderen aber auch einen einzigartigen Überblick gibt, wie es in den letzten Wochen der Monarchie und in der späteren Diktatur zugegangen ist.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Middle West Films

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Filmfest Hamburg 2013

Länge: 60 min

Kategorie: Documentary

Start: Offen

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Filmfest Hamburg 2013

In Search of Oil and Sand

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 60 min
Kategorie: Documentary
Start: 01.01.1900

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1