cinetastic.de - Living in the Cinema

Dead Man Down

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. September 2013

Dead Man Down

Der aus Dänemark stammende Regisseur und Drehbuchautor Niels Arden Oplev war mit seinem im Jahre 2009 gedrehten Film „Verblendung“ in aller Munde und so standen die verschiedensten Menschen aus Hollywood Schlange an seiner Tür, um mit Oplev arbeiten zu können. Neben sehr vielen unterdurchschnittlichen Drehbüchern bekam Oplev aber auch jenes von J.H. Wyman angeboten, dass genauso wie seine früheren Werke eine Geschichte von Rache, Vergeltung und Vergebung zu erzählen versuchte, dass ihn sofort in seinen Bann schlug.

Victor (Colin Farrell) ist ein zuverlässiger Mann in der Bande rund um den New Yorker Gangsterboss Alphonse (Terrence Howard), doch obwohl er diesen soeben erst das Leben gerettet hat, besitzt er doch ein dunkles Geheimnis. Zeitgleich steht aber auch Alphonse das Wasser bis zum Halse, denn seit geraumer Zeit bekommt dieser mysteriöse Botschaften und Teile eines alten Fotos zugeschickt, während seine Angestellten der Reihe nach ermordet werden. Victors bester Freund Darcy (Dominic Cooper) sieht sich darin berufen diesen Fall zu lösen, doch genauso wie er wie ein Detektiv versucht diesem nachzugehen, verliebt sich Victor in die französische Nachbarin Beatrice (Noomi Rapace), die direkt gegenüber seines Balkons wohnt. Obwohl sich zwischen beiden eine nicht näher erkennbare Beziehung entwickelt, hat Beatrice wie auch Victor ein dunkles Geheimnis, dass für lange Zeit unausgesprochen bleiben soll…

Dead Man DownNach eigener Aussage war das Leben des Dänen Niels Arden Oplev (Der Traum) nach Vollendung seines Filmes „Verblendung“ alles andere als einfach gewesen, denn nach rund 200 Drehbüchern die er über die Jahre gelesen hatte, entpuppte sich der Großteil schlicht und ergreifend als großer Mist. Zum Glück landete irgendwann das Drehbuch von J.H. Wyman (Mexican) in seinen Händen, was er nicht nur sofort las, sondern förmlich verschlang. Die Geschichte drehte sich wie in seinen früheren Werken um Rache, Vergebung und Vergeltung, bei der er auch sofort an seine frühere Darstellerin Noomi Rapace (Prometheus – Dunkle Zeichen) dachte. Zusammen mit Produzent Neal H. Moritz (21 Jump Street) konzipierten die drei nun den ersten rein englischsprachigen Film für Oplev, der sich einerseits dem europäischen Arthouse-Kino zuwendete, zum anderen aber auch Nuancen amerikanischer Gangster-Thriller aufweiste, was er gekonnt zu verbinden versuchte.

Bereits der Anfang von „Dead Man Down“ ist für einen reinen Gangsterfilm überaus seltsam konzipiert, wenn Victor und sein bester Freund Darcy zusammen im Auto sitzen und über Freundschaft, Glück und Familie diskutieren. Mit einem Baby im Arm könnte man Darcy für einen glücklichen Familienvater halten der dem dreckigen Geschäft den Rücken gekehrt hat, doch weit gedacht. Das Telefon klingelt, dass Baby ist vergessen und schon fahren beide zu einem abseits gelegenen Lagerhaus, in welchem sich nicht nur eine Schießerei anbahnen soll, sondern Victor seinem Boss Alphonse das Leben rettet, woraus letztendlich jene Erkenntnis erwacht, dass dieser sich auf Victor jederzeit verlassen kann.

Dead Man DownWas nun folgt ist alles andere als im Thriller und Gangster Genre einzuordnen, denn nun blendet die Kamera auf zwei namenlose sich gegenüberstehende Hochhäuser um, in denen sich aus zwei Wohnungen heraus zwei sich noch nicht kennende Personen gegenseitig beobachten. Auf der einen Seite haben wir Victor der herausbekommen versucht ob er bei einem Mord in seiner Wohnung beobachtet wurde, auf der anderen Seite die junge und von einem Autounfall entstellte Beatrice, die neugierig herüber schaut. Beide lernen sich kennen, beide gehen eine gegenseitige Abhängigkeit ein und obwohl beide sich mehr oder minder beruflich brauchen, entsteht schon bald eine Zweckgemeinschaft aus zwei sich halt gebenden Menschen.

Beatrice kann ihrem Peiniger der betrunken Auto fuhr und sie entstellt hat nicht vergeben, Victor kann jenen Gangstern nicht vergeben, die ihm seine Frau und seine Tochter vor fast zwei Jahren genommen haben. Beide sinnen auf Rache, beide möchten den Tod der schuldigen Menschen, doch muss man für die perfekte Rache, nicht erst einmal vergeben können? Neben der Gangstergeschichte von Victor geht es in erster Linie um zwei sich halt gebenden Menschen, zwei Individuen die einander brauchen ohne es zu wissen, zwei Menschen, die am liebsten sterben würden, obwohl das Leben doch so lebenswert erscheint. Wie sagte jemand doch einmal so schön, um wirklich Leben zu können, um man erst einmal gestorben sein. Beide sind bereits vor sehr langer Zeit gestorben, ans Leben gekettet sinnen beide seitdem auf Rache, unfähig für den jeweils anderen Gefühle zu empfinden, ist das offensichtliche manchmal doch einfach zu fern.

Dead Man DownAm ehesten könnte man Niels Arden Oplev seinen Film als Mischung zwischen beinhartem Gangsterkino und europäischen Drama bezeichnen, doch obwohl er sich aus beiden Genres reichhaltig bedient, weigert er sich dennoch die Grenzen dessen einzuhalten. Vielmehr versucht er bestehende Mauern einzureißen, Klischees gekonnt nicht zu bedienen und so einen Film zu erschaffen, der scheinbar selbständig irgendwo zwischen alledem zu bestehen scheint, was modernes Kino auszumachen versucht.

Im Bereich der Darsteller setzte Niels Arden Oplev mit Noomi Rapace auf ein bekanntes Gesicht mit dem er bereits früher zusammenarbeiten durfte, mit Colin Farrell (Total Recall) kam ein zweites hinzu, dass insbesondere mit seinen markanten Gesichtszügen zu überzeugen vermag. Ein Lächeln kennt Farrell nicht, Mimik ist ihm scheinbar komplett fremd und gerade das soll ihn diesmal in „Dead Man Down“ auszeichnen, wenn er den von Rache getriebenen Familienvater spielt, der im Grunde nur den Weg nach vorn kennt, um seine Rache zu vollziehen. Neben den beiden genannten haben wir aber auch eine wirklich gut besetzte Bank an Nebendarstellern, die zu überzeugen vermag. Mit der Französin Isabelle Huppert (Amour) bekommen wir eine innig liebende Mutter die alles für ihre Tochter geben würde, Dominic Cooper (Captain America: The First Avenger) spielt als Victors Freund Darcy eine Art Columbo des Verbrechens, während selbst Terrence Howard (L.A. Crash) als Gangsterboss Alphonse Hoyt einige markante Szenen innehat, mit denen er in Erinnerung verbleibt.

Ab dem 27. September ist Niels Arden Oplev’s Rachethriller „Dead Man Down“ im Verleih von Universum Film auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und vornehmlich all jenen zu empfehlen, die auf außergewöhnliche Gangsterfilme mit tiefergehender Dramaturgie stehen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und zumeist recht dunkel gehalten, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, die sich diesmal allerdings im Rahmen hielten. In etwa 30 Minuten werden uns in drei Features weitere Einblicke zur Konzeption der Actionszenen und zur Kameraführung geboten, die insbesondere all jene interessieren wird, die auf handwerkliche Details beim Dreh achten und wissen möchten, wie genau etwas entsteht.

Niels Arden Oplev’s Rachethriller „Dead Man Down“ ist ein überaus starker erster rein englischsprachiger Film des Dänen, der neben zwei sehenswerten Hauptdarstellern insbesondere mit seiner Geschichte und den überaus dunklen Bildern von Kameramann Paul Cameron besticht.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum Film

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Dead Man Down

Länge: 118 min

Kategorie: Action, Crime, Drama

Start: 27.09.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Dead Man Down

Dead Man Down

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 118 min
Kategorie: Action, Crime, Drama
Start: 27.09.2013

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1