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Das Leben ist nichts für Feiglinge

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 16. September 2013

Das Leben ist nichts für Feiglinge

Es ist immer schwierig wenn eine enge Bezugsperson aus dem Leben scheidet, man glaubt völlig verloren zu sein und versuchen muss aus dieser Trauer erneute Kraft zu schöpfen, um selbige zu überwinden. In Philippe Falardeau’s „Monsieur Lazhar“ ging es vornehmlich um Kinder welche die Trauer zu bewältigen hatten, in Shana Feste ihrem Film „Zeit der Trauer“ ging es um den Verlust des geliebten Partners, während André Erkau in „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ gleich beide Seiten versucht ausloten.

Das Leben von Markus Färber (Wotan Wilke Möhring) und seiner Tochter Kim (Helen Woigk) gerät gehörig aus den Fugen als diese eines Tages mit dem überraschenden Tod der Ehefrau und Mutter konfrontiert werden. Während Markus wieder langsam versucht in den Alltag überzugehen und damit beginnt Erinnerungen an seine Frau zu entsorgen, verkriecht sich seine Tochter Kim immer mehr in ihrem Zimmer und flüchtet sich in ihre ganz eigene Welt. Eines Tages lernt sie mit dem Schulabbrecher Alex (Frederick Lau) einen älteren Jungen kennen zu dem sie sich hingezogen fühlt, doch lässt sich das Gefühl der Trauer mit jenem des Verliebt seins vereinbaren? Während sie sich so immer mehr von ihrem Vater entfernt muss sich auch ihre Oma (Christine Schorn) gegen den Krebs und somit den Tod erwehren, wodurch Kim endgültig den einzigen Weg in der Flucht sieht und zusammen mit Alex an jenen Ort fährt, an dem sie damals zusammen mit ihrer Mutter noch glücklich sein konnte…

Das Leben ist nichts für FeiglingeIn seiner erst dritten Regiearbeit liefert Regisseur und Drehbuchautor André Erkau – der bereits im Jahre 2008 für sein Erstlingswerk „Selbstgespräche“ den begehrten Max Ophüls Award erhielt – mit „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ einen Film ab, den man diesem beim besten Willen so nicht zugetraut hätte. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Gernot Gricksch (Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe) entwickelten beide über zwei Jahre hinweg am entsprechenden Drehbuch, wobei sie sich auf einzelne Passagen konzentrierten, diese noch situativer und bildhafter haben werden lassen und somit eine Geschichte erschaffen haben, die sogleich mehrere Zielgruppen anspricht.

Am Anfang und auch am Ende von André Erkau’s „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ soll der Tod selber stehen, wenn Vater und Tochter betreten auf das Grab ihrer geliebten Ehefrau und Mutter blicken und dabei unfähig sind etwas zu sagen. Es folgt eine Szene in der Kim von ihrer Oma die Kopfhörer aus den Ohren gezogen bekommt, die Stille wird übertönt von lauter Gothic Musik, während sich alle Beteiligten schon bald wieder in ihre eigenen Schneckenhäuser zurück ziehen werden. „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ ist in erster Linie eine Tragikomödie über den Umgang mit dem Tod, der Bewältigung eines Verlustes und dem zeitgleichen wiederaufstehen, wenn man sich gegenseitig versucht in der schweren Phase der Trauer Trost zu spenden.

Das Leben ist nichts für FeiglingeAll dies schaffen die Figuren in „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ nur am Rande, denn während Markus sich in Alkohol und alten Erinnerungen verliert, sucht Kim sich ihren Halt bei einem wesentlich älteren Jungen, der vor allem mit seinem rücksichtslosen Benehmen auffällt. Die Dritte im Bunde ist mit Gerlinde aber noch eine weitere Person die mit dem Tod konfrontiert wird, denn bei Darmkrebs im Endstadium ist beim besten Willen nicht zu scherzen. Auch Gerlinde hat niemand dem sie sich anvertrauen kann, möchte sie doch weder ihrem Sohn noch ihrer Enkeltochter ein Klotz am Bein sein, haben diese doch gerade erst einen anderen Menschen verloren. Genau an dieser Stelle bekommt „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ seine komische Ader, wenn mit der lebenslustigen Paula eine Figur etabliert wird, die im Grunde nur positives Denken kennt. „Sprich mit deinem Krebs, sag ihm was du von ihm hältst“ sagt sie ein ums andere Mal zu Gerlinde, was selbstverständlich sofort abgeschmettert wird. „Wenn du meinen Urin aufgewischt hast darfst du mich ruhig duzen Kindchen, bis dahin bin ich für dich Frau Faber“.

Das Spiel mit der Trauer ist in „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ komisch und tragisch zugleich, wenn alle Beteiligten gegen Ende unabhängig voneinander eine Reise nach Dänemark antreten, dem Ort wo vor kurzem alles noch in Ordnung war. Es ist aber nicht nur diese Form der Trauerbewältigung die hier so wunderbar dargestellt wird, es sind vor allem die unterschiedlichsten Figuren, die alle im Laufe des Filmes eine Entwicklung durchmachen. Markus lernt erneut dass das Leben lebenswert ist, Kim erfährt das Glück zum ersten Mal verliebt zu sein, während Gerlinde und Paula als Katalysator dienen um genau dies zu ermöglichen. Bei der einen oder anderen Szene mag man womöglich etwas zu viel Kitsch verwendet haben, gerade das Finale wäre mit einem etwas ernsteren Ton womöglich gelungener gewesen, was trotz allem nicht darüber hinwegtäuscht, dass wir es hier mit einem überaus stark inszenierten Film zu tun haben.

Das Leben ist nichts für FeiglingeVon Seiten der Darsteller bekommen wir diesmal gleich einige Überraschungen geboten, denn obwohl man Wotan Wilke Möhring (Soul Kitchen) bisher am ehesten aus diversen Komödien kannte, kann dieser die ernste Rolle mit Bravour bewältigen. Die tiefe Trauer ist jederzeit erkennbar, die Unfähigkeit mit der Situation umzugehen ist omnipräsent, während die Selbsterkenntnis zur Selbstheilung nur langsam voranschreitet. Ähnlich stark spielt aber auch Debütantin Helen Woigk (Die Gräfin), die in ihrem schwarzen Gothic Outfit und ihrem subtilen Spiel dem wesentlich erfahrenen Frederick Lau (UMMAH – Unter Freunden) regelmäßig die Show stiehlt. Erwähnenswert wären bei alledem aber auch die Bilder von Kameramann Ngo The Chau (Banklady), die stets die Emotionen nahezu perfekt transportieren und mit dem gelungenen Soundtrack der Komponisten Christoph Blaser (12 Meter ohne Kopf) und Steffen Kahles (Emmas Glück) im Einklang stehen, die einerseits mit ruhigen und melancholischen Stücken auftrumpfen, zum anderen aber auch die rockigeren Passagen kennen.

Ab dem 4. Oktober 2013 ist André Erkau’s „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ im Verleih von NFP auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und all jenen zu empfehlen, die gute Dramen zu schätzen wissen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) perfekt auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, bei denen ein jeder Fan diesmal mehr als nur auf seine Kosten kommen sollte. Neben einem ausführlichen Audiokommentar von André Erkau und Gernot Gricksch bekommen wir rund 20 Minuten Interviews mit Wotan Wilke Möhring, Rosalie Thomass, Frederick Lau, Christine Schorn, Helen Woigk und André Erkau, ein kurzes Premierenvideo sowie ein entsprechendes Making Of von knapp 50 Minuten, in dem wir viel interessantes zum Dreh erfahren.

André Erkau’s „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ ist eine überaus berührende Tragikomödie über die unterschiedlichsten Formen der Trauerbewältigung, die neben seiner Geschichte vor allem mit wunderbaren Darstellern zu überzeugen vermag.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: NFP

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Das Leben ist nichts für Feiglinge

Länge: 98 min

Kategorie: Drama

Start: 04.10.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Info

Das Leben ist nichts für Feiglinge

Das Leben ist nichts für Feiglinge

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 98 min
Kategorie: Drama
Start: 04.10.2013

Bewertung Film: (7,5/10)

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