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Stand Up Guys

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 5. August 2013

Stand Up Guys

Die Zeit in der Oscar-Preisträger wie Al Pacino, Christopher Walken oder Alan Arkin als reine Charakterdarsteller auf der Leinwand fungierten ist längst vorbei, denn wo früher große Produktionen die Lebensläufe der drei ausfüllten, lassen sie es nun im hohen Alter wesentlich ruhiger angehen. Dem Alter entsprechend konzipierte Oscar-Gewinner Fisher Stevens einen eher gediegenen Film für die drei Freunde, denn anstatt sich der gewohnten Action hinzugeben, philosophieren sie eine Nacht lang über vergangene Zeiten, an die sich jeder gern zurückerinnern vermag.

Es ist für Doc (Christopher Walken) im Grunde ein Tag wie jeder andere und dennoch soll gerade heute etwas passieren, auf das er sich die letzten 28 Jahre gefreut hat, was er allerdings am liebsten im nächsten Augenblick schon wieder vergessen wollen würde. Sein ehemals bester Kumpel Val (Al Pacino) wird aus dem Gefängnis entlassen, saß ein weil er seinen ursprünglichen Auftraggeber nicht verraten wollte und dennoch soll Doc ihn im Auftrag von Gangsterboss Claphands (Mark Margolis) bis zum nächsten Morgen um 10 Uhr erledigt haben, hatte Val doch vor langer Zeit dessen Sohn ermordet.

Stand Up GuysAls Doc ihm diese Todesnachricht übermittelt beschließen beide es noch einmal ordentlich krachen zu lassen und so besuchen sie nicht nur einen Puff in dem sich Val nach langer Abstinenz dem gewohnten Vergnügen hingeben kann, sie holen auch noch Kumpel Hirsch (Alan Arkin) aus dem Altersheim ab, um mit diesem in einem gestohlenen Auto die Stadt unsicher zu machen. Während sich alle drei eine Nacht lang nahezu perfekt vergnügen, rückt der Morgen und somit die letzte Entscheidung gnadenlos näher…

Wir haben mit Al Pacino (Der Pate), Christopher Walken (7 Psychos) und Alan Arkin (Argo) drei Oscar-Gewinner als Hauptdarsteller auf der einen Seite, mit Oscar-Gewinner Fisher Stevens (Nummer 5 lebt!) einen namenhaften Regisseur auf der anderen, während all diese durch den Drehbuchautor Noah Haidle (High Street Plumbing) unterstützt werden, der mit „Stand Up Guys“ sein Debüt feiert. Trotz all dieser Hochkaräter, den unzähligen Auszeichnungen und den vielen Lobeshymnen die diese begleiten, kann der Film dennoch über eines nicht hinwegtäuschen, denn die hohen Erwartungen die in ihn gestellt wurden, kann er zu keiner Zeit erfüllen.

Stand Up GuysGenau diese Erwartungen sind es auch, die den einen oder anderen Zuschauer den Film womöglich mit einem anderen Auge sehen lassen werden, die danach die DVD enttäuscht zur Seite legen und sich die berechtigte Frage stellen, was zur Hölle dies soeben nur gewesen sein könnte. Ohne nun bereits im Vorfeld zu viel vorweg nehmen zu wollen, „Stand Up Guys“ ist kein Meilenstein der Filmgeschichte, er ist aber auch nicht so schlecht wie man es nun womöglich denken würde, man muss einfach mit einer weitestgehend neutralen Einstellung an diesen heran gehen, ohne sich von den großen Namen blenden zu lassen.

Man könnte „Stand Up Guys“ am ehesten mit Andrew Dominiks „Killing Them Softly“ vergleichen, denn wo bei diesem schon wenig Wert auf Action und mehr auf ausgefallene Dialoge gesetzt wurde, setzt „Stand Up Guys“ noch einiges drauf. Er ist ganz ohne Frage weniger sozialkritisch als Dominiks Werk, er lässt ebenso das aktuelle politische Geschehen komplett außen vor, stattdessen widmet er sich einzig und allein dem, das uns alle irgendwann einmal einholen wird, dem Alter. Mit überaus spitzfindigen Dialogen geht der Spielball zwischen Al Pacino und Christopher Walken quasi im Sekundentakt hin und her, beide versuchen sich zu jeder Zeit gegenseitig zu überbieten, während bei alledem Alan Arkin fast wie ein drittes Rad am Wagen wirkt, kann er sich bis auf einzelne Szenen doch kaum in den Vordergrund spielen.

Stand Up GuysTrotz allem ist die Geschichte rund um unsere „Stand Up Guys“ alles andere als komplex, im Grunde geht es nur um Geschichten über ehemalige großartige Zeiten, während sich die drei genau damit versuchen eine Nacht lang über Wasser zu halten, wenn sie die verrücktesten Dinge anstellen. Den Puff besuchen sie gleich drei Mal, die Erektion von Val muss im Krankenhaus kurzerhand mit einer riesigen Nadel behandelt werden und wenn man schon keine Drogen hat, dann schnupft man halt den Inhalt von Docs Tabletten für Bluthochdruck. Vieles davon ist überaus komisch, noch viel mehr ist eine Aneinanderreihung von Klischees des Alters, wobei die Mischung jederzeit stimmt, um gut 95 Minuten unterhalten zu werden.

Neben unseren drei Hauptdarstellern Al Pacino, Christopher Walken und Alan Arkin die mit ihrem Spiel zu jeder Zeit begeistern können, gibt es noch eine Reihe qualitativ hochwertiger Nebenfiguren, die sich in diesen episodenartigen Kurzgeschichten für kurze Zeit in den Vordergrund spielen können. Da haben wir Addison Timlin (Californication) als Angestellte im Diner die genauso rastlos ist wie ihr Vater, Lucy Punch (Dinner für Spinner) als durchaus sympathische Puffmutter die auch schon mal vor einem Dreier nicht zurückschreckt, während Mark Margolis (Black Swan) als Bösewicht überzeugt.

Ab dem 23. August 2013 ist „Stand Up Guys“ im Verleih von Universum Film auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und vornehmlich all jenen zu empfehlen, die einmal eine lockere Komödie für zwischendurch suchen, ohne allzu viel Action zu erwarten. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, die sich diesmal durchaus sehen lassen konnten. Wir bekommen insgesamt acht Interviews mit Al Pacino, Christopher Walken, Alan Arkin, Julianna Margulies, Fisher Stevens, Tom Rosenberg und Gary Lucchesi von rund 35 Minuten Länge, dass entsprechende Musikvideo von Jon Bon Jovi sowie eine kurze B-Roll von etwa fünf Minuten, in denen wir noch ein paar unkommentierte Szenen vom Set betrachten können.

„Stand Up Guys“ ist trotz seiner namhaften Riege an Darstellern leider nur gutes Mittelmaß, was in erster Linie an der substantiell nicht unbedingt komplexen Geschichte begründet liegt. Gerade hier hätte man noch einiges herausholen können, denn wenn der Cast begeistert und die Dialoge frech und spitzfindig sind, braucht es nur noch wenig für einen wirklich guten Film.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum Film

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Stand Up Guys

Länge: 95 min

Kategorie: Comedy, Crime

Start: 23.08.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Bewertung Extras: (5,5/10)

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Info

Stand Up Guys

Stand Up Guys

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 95 min
Kategorie: Comedy, Crime
Start: 23.08.2013

Bewertung Film: (6/10)

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Bewertung Extras: (5,5/10)

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