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Spring Breakers

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 31. August 2013

Spring Breakers

Jahr für Jahr zieht es zehntausende Jugendliche in das sonnige Florida um dort ihre Frühjahrsferien zu vollbringen, doch neben reichlich Sonne und viel nackter Haut ist diese Zeit vor allem von einem ausufernden Partyleben gezeichnet. Unter der Regie von Harmony Korine wurde genau dieses Thema nun entsprechend verfilmt, mit dem die ehemaligen Disney Darstellerinnen Vanessa Hudgens und Selena Gomez ein neues Kapitel ihrer Karriere beginnen und die Unschuld endgültig abzulegen versuchen.

Die vier Studentinnen Cotty (Rachel Korine), Candy (Vanessa Hudgens), Brit (Ashley Benson) und Faith (Selena Gomez) sind bereits seit ihre Jugend beste Freundinnen und freuen sich auf die kommenden Frühjahrsferien, doch das Geld um in Florida beim berühmt berüchtigten “Spring Break” mitzumachen, reicht vorne und hinten einfach nicht aus. Um diesen Umstand zu lösen beschließen Cotty, Candy und Brit ein in der nähe befindliches Fast-Food-Restaurant mit einem Hammer und einer Wasserpistole zu überfallen, was irgendwie dann auch gelingt, haben die Besucher doch noch mehr Angst als sie selbst. Mit einem ordentlichen Taschengeld geht es also ab nach Florida, wo sie mit Alkohol und Drogen von einer Party in die nächste feiern, bis sie schließlich von der Polizei verhaftet werden. Ohne Geld verbringen sie einige Tage im Gefängnis, bis sie schließlich der schmierige Kleinkriminelle Alien (James Franco) herausholt, doch hier soll der Spaß für alle Beteiligten erst richtig beginnen…

Spring BreakersNachdem Regisseur und Drehbuchautor Harmony Korine (Kids) in den letzten Jahren vornehmlich Kurzfilme drehte, ist er nun endlich wieder mit einem längeren Werk vertreten, womit er auch sogleich sämtliche Sehgewohnheiten infrage stellt. Seine Geschichte von „Spring Breakers“ ist ganz ohne Frage alles andere als komplex, er zeigt viel nackte Haut und jenes Partyleben das gerade das jüngere Publikum gern ausleben wollen würde, während er auf der anderen Seite genau jenes Bild präsentiert, dass sorgsame Eltern stets im Kopf haben. Gut gebaute Männer, barbusige Damen, der Alkohol fließt in rauen Mengen, während Drogen allgegenwärtig sind und dementsprechend unbedacht konsumiert werden.

Wer nun bei Namen wie Vanessa Hudgens (Sucker Punch) und Selena Gomez (Hotel Transsilvanien) einen braven Film für Teenager erwartet, der wird bitter enttäuscht werden. Bereits die erste Szene zeigt uns ein ausgefallenes Partyleben bei dem junge Menschen unter fetten Beats am Strand tanzen, während die Szenerie schon bald zu vier jungen Damen umspringt, die allein für den Spring Break kurzentschlossen ein Diner überfallen, um genug Geld für die Frühjahrsferien zu haben. All dies nimmt etwa die ersten 20 Minuten des Films ein, doch so richtig soll es erst losgehen, wenn die vier Freundinnen verhaftet wurden und der schmierige Alien diese auf Kaution wieder herausgeholt hat.

Spring BreakersWie sagte eines der Mädchen unter Drogen und Alkoholeinfluss doch so schön: „Just pretend it’s a video game or a film.“ Unter genau diesem Motto lässt Harmony Korine die bekannten Sehgewohnheiten aufeinanderprallen, wenn er nicht nur das sonnige Florida in direktem Bezug zu Alkohol und Drogen setzt, sondern ebenso die Waffenvernarrtheit der US Bürger, was man im späteren Verlauf des schmierigen Alien und seinen vier Studentinnen am besten sehen kann. Wenn er plötzlich auf seinem riesigen Bett steht und mit allerhand Waffen angibt und seine silbernen Zähne in der Kamera glänzen lässt, dann sagt allein diese Karikatur bereits mehr, als es die mahnenden Eltern je könnten.

Natürlich bricht die Geschichte im weiteren Verlauf in eine völlig hanebüchene Handlung um, was ausgerechnet mit einem ruhigen Klavierstück der Pop-Ikone Britney Spears eingeleitet wird, während Alien und seine nunmehr nur noch drei Frauen vermummt mit rosa Pussy-Riot Masken einen Laden nach dem anderen ausrauben und die dortigen Eigentümer mit vorgehaltener Waffe bedrohen. Als stilistisches Mittel fungieren bei Harmony Korine immer wieder im Hintergrund platzierte Dialoge und Anrufe bei den Eltern, dass Durchladen von Waffen und diverse Schreie, die von Dingen zeugen, die zum jeweiligen Zeitpunkt noch gar nicht passiert sind.

Spring BreakersGerade durch dieses scheinbar wahllose aneinanderschneiden von diversen Szenen bekommt man zuweilen Einblicke in Dinge, die man oft zum jeweiligen Zeitpunkt noch gar nicht zuordnen kann. Wenn wir plötzlich ein Mädchen mit Schusswunde sehen und diese erst in der nächsten Szene angeschossen wird, dann glaubt man unfreiwillig immer ein wenig mehr zu wissen als andere Beteiligte, obwohl dies letzten Endes nur insoweit die Geschichte kaschiert, als dass sie komplexer aussieht, als sie eigentlich ist. Natürlich geht dies ebenso mit der entsprechenden FSK18 Wertung einher, die auch hier nicht vollends unberechtigt erscheint. Drogen werden wie Süßigkeiten konsumiert und nie auch nur im Ansatz als gefährlich hin gestellt, die Waffenvernarrtheit ist zum Teil erschreckend und auch wenn die explizierten Szenen mit Todesopfern zuweilen doch recht oberflächlich behandelt werden, muss man diese dennoch in jenen Kontext des „Spaß am Töten ohne Konsequenzen“ stellen, der insbesondere in den USA für einiges Aufsehen gesorgt hat. Nicht umsonst musste eigens dafür noch eine zusätzliche Szene gefilmt werden, in der die Beteiligten vor Gericht stehen, um den entsprechenden Zuschauern zu zeigen, dass keine Handlung ohne Konsequenzen und ungestraft bleibt.

Spring BreakersVon Seiten der Darsteller muss man unbedingt James Franco (Die fantastische Welt von Oz) als komplett durchgeknallter Alien erwähnen. Voll mit Tattoos, duzende Waffen im Schlafzimmer an der Wand hängend und mit seinen silbernen Zähnen ist er eine Karikatur wie sie im Grunde gar nicht existieren kann, womit er zuweilen selbst noch die Mädels in den Schatten stellt. Im Bereich unserer Disney Darstellerinnen Vanessa Hudgens und Selena Gomez scheint ein komplett neues Kapitel in ihrer Karriere angebrochen zu sein, denn während Gomez sich nur leicht bekleidet präsentiert und bereits früh aus dem Film verschwindet, zeigt sich Hudgens mit vollem Körpereinsatz, womit ihre Rolle aus „High School Musical“ wohl endgültig in den Hintergrund gerückt sein sollte.

Ab dem 30. August 2013 ist das überaus ungewöhnliche Werk von Regisseur Harmony Korine im Verleih von Universum Film auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und in erster Linie all jenen zu empfehlen, die auf absolut abgedrehte Werke stehen, bei denen man lieber nicht mitdenken sollte. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, bei denen uns der Verleih diesmal positiv überraschen konnte.

Es gibt das ein minütige Feature „Mädchen“ in dem die Darstellerinnen kurz gezeigt werden, rund zwei Minuten „Hinter den Kulissen“ in dem es kaum informatives zu erfahren gibt, das kurzes Feature „Harmony Korine am Set“ von etwa zwei Minuten sowie rund 22 Minuten „Was steckt hinter Spring Breakers?“, in welchem wir jede Menge Hintergrundinformationen zum Film von Regisseur und den Darstellern erhalten. Es geht weiter mit einem Special zu der Musik von Spring Breakers (7min), einigen Informationen zum echten Spring Break in Daytona Beach wo über Nacht auf einmal 200.000 Partyverrückte anreisen (6min) sowie das Feature „Die Riviera der Rednecks“, wo es in sechs Minuten hauptsächlich um den Partystrand von Panama City geht. Den Abschluss der Extras bildet schließlich das Intro des Films sowie einige kurze Musik-Clips, die bereits im Film selber vorgekommen sind.

Über Harmony Korine’s „Spring Breakers“ kann man überaus geteilter Meinung sein, denn während die einen in diesem Film nur eine Aneinanderreihung sinnloser Bilder sehen, ist er bei ganz anderen bereits jetzt Kult. Wenn man bereit ist sich darauf einzulassen, wird man wunderbar unterhalten.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum Film

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Spring Breakers

Länge: 94 min

Kategorie: Crime, Drama

Start: 30.08.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Bewertung Extras: (8/10)

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Info

Spring Breakers

Spring Breakers

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 94 min
Kategorie: Crime, Drama
Start: 30.08.2013

Bewertung Film: (7/10)

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