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Lost Place

Geschrieben von Frank Schmidke am 20. August 2013

LOST_PLACE_14Grundsätzlich ist es ja zu begrüßen, dass in Deutschland vermehrt Genrefilme gedreht werden, nur ist nicht jedes filmische Ergebnis auch gleich überzeugend. So der Mystery-Thriller „Lost Place“. Der Regieerstling von Thorsten Klein, der die Geschichte zusammen mit Lena Vurma ausgetüftelt hat, verfügt über ein feines, paranoides Setting und über eindrucksvolle Kulissen, weiß diese allerdings nur bedingt zu nutzen. Als Gruselthriller für ein jugendliches Publikum ginge „Lost Place“ glatt als gelungen durch, als ausgewachsener Thriller fehlt es vor allem an Hochspannung, Tempo und Schockeffekten. Insofern kommt wieder die gute alte „Per Anhalter durch die Galaxis“-Wertung zum Tragen: „Mostly Harmless“.

LOST_PLACE_01Daniel (Francois Goeske) ist ein absoluter Fan von realen Schnitzeljagden, neudeutsch Geocaching. Dabei ist der oder die Spieler, ausgestattet mit einem GPS-Gerät, auf der Suche nach versteckten Hinweisen, um am Ende einen Schatz zu heben. Dort haben die vorangegangenen Spieler jeweils etwas hinterlassen, das man als Trophäe mitnehmen und gegen einen eigenen Schatz austauschen kann. Nun schleppt Daniel seinen Kumpel Thomas (Pit Bukowski) nicht nur mit zu einer Schnitzeljagd in den Pfälzer Wald, sondern auch gleich noch zu einen Blind Date. Denn Mitspielerin Elli (Jytte-Merle Börnsen) kennt Daniel nur durch Email-Kontakt. Elli hat ihre Freundin Jessica (Josefine Preuss) mit im Schlepptau und die ist von dem Kinderkram ebenso gelangweilt wie Thomas. Doch verstehen tun sich die beiden trotzdem nicht, der Hip-Hopper und die Schickse kommen nicht auf einen Nenner, außer, dass sie hier mit Freunden festsitzen. Daniel und Elli hingegen finden sich gleich sympathisch und machen sich auf die Suche nach diesem seit Ewigkeiten versteckten Schatz.

LOST_PLACE_03Die Suche führt das Quartett in ein ehemaliges militärisches Sperrgebiet und auf einen verwaisten Campingplatz. Doch als sie den Schatz finden, wird es seltsam. Alle vier scheinen längere Zeit weggetreten zu sein, was nicht nur an den Haschkeksen in der Schatzdose gelegen haben kann. Irgendetwas geht hier vor und der plötzlich auftauchende Unbekannte im Schutzanzug klärt Daniel auf: Früher haben die Alliierten hier während des Kalten Krieges eine H.A.R.P.-Anlage betrieben, die starke elektromagnetische Strahlung absondert und so das Gehirn von Menschen kontrollieren kann. Auf mysteriöse Weise scheint die Anlage noch in Betrieb zu sein. Und Jessica ist verschwunden.

Auf den ersten Blick ist „Lost Place“ einfach eine deutsche Variation des beliebten Horror-Themas „Teenies allein im Wald“ doch die Story paart das geschickt mit einem wissenschaftlichen und einem verschwörerischen Aspekt. Als Ausgangslage für einen spannenden Thriller reicht das allemal. Es hat schon brillante Filme mit weniger Setting gegeben. Die Kulisse im Pfälzer Wald ist wohl gewählt und wirkt noch unverbraucht. Der seit Jahrzehnten verlassene Campingplatz hat einen gruseligen,  trashigen Charakter und das Innere der H.A.R.P.-Anlage ist solide Bunkerarchitektur, die mit ihren Winkeln, ihrer Beleuchtung und Unübersichtlichkeit zu gefallen weiß. Doch das waren auch schon die positiven Eckdaten.

LOST_PLACE_11Die vier jugendlichen Charaktere sind doch allzu plakativ ausgefallen: der schüchtern Nerd, die Abenteuerlustige mit dem (dramaturgisch wichtigen) Handycap, der faxenmachende Buddy und die gelangweilte Freundin, die wie der geübte Horrorfan weiß, potentiell das erste Opfer ist. Doch auch mit dem Aufbau der Spannung und der gefahrvollen Atmosphäre tut sich „Lost Place“ ein wenig schwer und nimmt sich akribisch seine Zeit, ein Bedrohungsszenario aufzubauen. Das geht auch schneller und filmisch geschickter. So verschlingt das schleppende Erzähltempo vieles von der angestrebten Grundspannung wieder. Gelegentlich blitzt ein Anzeichen des Grauens auf, das aber nicht weit genug ausformuliert ist, um eine FSK-Freigabe ab 16 zu rechtfertigen. Nein, das ist auch für jüngere Teenies zeigbar. Im Grunde kein Makel, wäre das auch die Intention der Filmmacher gewesen, aber mit dem Genrefilm hat man wohl doch ein anderes, älteres Zielpublikum anvisiert. Das wird sich jedoch schwerlich mit den Andeutungen von Verschwörung und systematischem Verschwinden von Menschen zufrieden geben, sondern will auch sehen, was passiert.

LOST_PLACE_08Doch „Lost Place“ bleibt genau diese explizite Bedrohung und den gruseligen Schreck schuldig, obwohl die Bilder im Grunde sehr atmosphärisch sind und sich die jungen Schauspieler auch ganz gut schlagen. Für die Durchschaubarkeit der Charaktere sind sie schließlich nicht verantwortlich. Das 3D allerdings, das nachträglich konvertiert wurde, ist nicht sehr gelungen und wäre absolut verzichtbar gewesen. Auch die Filmmusik wirkt überladen, altbacken und ein wenig kitschig und entfaltet kaum unterstützende Wirkung. Man wartet, ja man hofft beinahe den gesamten Film über, dass es endlich losgeht. Was eine eigene Art von Spannung erzeugt, aber keineswegs so unterhaltsam ist. Letztlich ist auch die Auflösung des Films, die an dieser Stelle nicht verraten wird, irgendwie unbefriedigend.

Etwas mehr Mut und vor allem etwas mehr Tempo, vielleicht auch etwas mehr Trash, hätte dem deutschen Mystery-Thriller mit Horrorelementen gut getan. Mit internationaler Spitzenklasse kann der Film nicht wirklich mithalten. Aus dem Gros der mittelmäßigen Horrorproduktionen hebt sich „Lost Place“ leider trotz guter Ansätze kaum heraus. So bleibt „Lost Place“ ein filmisches Erlebnis, das dem Gruselnachwuchs zu empfehlen ist.

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Lost Place

Länge: 98 min

Kategorie: Horror, Mystery, Thriller

Start: 19.09.2013

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

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Lost Place

Lost Place

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 98 min
Kategorie: Horror, Mystery, Thriller
Start: 19.09.2013

Bewertung Film: (5/10)

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