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Kokowääh 2

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 29. August 2013

Kokowääh 2

Der in Freiburg geborene Regisseur, Produzent und Schauspieler Til Schweiger ist aus dem deutschen Film schon längst nicht mehr weg zu denken, doch während das Publikum seine Filme zumeist liebt, hat er bei seinen Kritikern einen eher schweren Stand. Seine Filme gelten oft als zu einfallslos, zu vorhersehbar und seitdem er es regelmäßig zur Bedingung macht, dass Freunde und Familienmitglieder ebenso mitspielen können, muss man sich noch mehr Extravaganzen gefallen lassen. Schweiger stört all dies nur wenig, denn wenn er schon mit seinen Filmen keine Preise gewinnen kann, unterhält er gern weiterhin den Durchschnittszuschauer.

Zwei Jahre nachdem Henry (Til Schweiger) sein Töchterchen Magdalena (Emma Schweiger) in die Arme schließen konnte und mit seiner Freundin Katharina (Jasmin Gerat) zusammengezogen ist, bröckelt der Haussegen ganz gewaltig. Katharina ist es leid ständig Henry seine Socken wegzuräumen, den Einkauf zu erledigen und nebenbei auf beide Kinder aufzupassen, während Henry sich versucht als Produzent im Filmbusiness durchzusetzen. Kurzerhand packt sie ihre sieben Sachen, zieht in eine eigene Wohnung und lässt Henry mit all dem Schlamassel zurück, der natürlich ordentlich bedient ist. Zum Glück kreuzt in diesem Moment Magdalenas Ziehvater Tristan (Samuel Finz) auf, der all sein Geld und seine Zahnarztpraxis bei einer spekulativen Wette auf Aktien verlor, bei der es um Energiegewinnung aus Kuhscheiße ging, woraufhin dieser kurzerhand bei Henry einzieht. Während sich Tristan nun versucht um den Haushalt zu kümmern, muss Henry sein kaputtes Leben flicken und ganz nebenbei versuchen, den verrückten Schauspieler Matthias Schweighöfer (spielt sich selbst) für seinen neuen Film zu begeistern…

Kokowääh 2Keine zwei Jahre ist es her als fast 4,5 Millionen Zuschauer sich Til Schweigers (Inglourious Basterds) „Kokowääh“ anschauten, Grund genug also nach der entsprechenden Fortsetzung von „Keinohrhasen“ auch hiervon den zweiten Teil zu drehen, in der Schweigers Tochter Emma (Und weg bist Du) erneut vertreten ist. Für das Drehbuch zeichnete sich Til Schweiger erneut selbst verantwortlich, doch wo er damals ebenso noch die Rolle des Regisseurs allein ausfüllte, besorgt er sich diesmal Verstärkung. An seiner Seite steht nun mit Torsten Künstler (Lichter) jener Mann der im Grunde immer an Schweigers Seite zu sehen ist, doch wo ihm in der Vergangenheit zuweilen die Rolle des First Assistant Director zuteil geworden ist, darf dieser sich nun weitaus mehr entfalten.

Das größte Problem an wohl allen Til Schweiger Filmen ist zumeist das Drehbuch, dass leider auch diesmal keine Preise gewinnen wird, ist es auf fast zwei Stunden gesehen doch so dermaßen vorhersehbar, dass man nach nur fünf Minuten bereits weiß, wie der weitere Verlauf des Filmes wohl auszusehen hat. Lässt man diesen Kritikpunkt einmal außen vor, so entpuppt sich „Kokowääh 2“ erneut als völlig solide Familienunterhaltung, mit der man kaum etwas falsch machen kann. Die Geschichte ist für einen gemeinsamen Fernsehabend durchaus interessant aufbereitet worden, es gibt erneut jede Menge Testosteron durch Schweiger das verarbeitet werden muss, wobei die kleine neunjährige Magdalena nun ebenso ihre ersten Probleme bekommt, hat diese sich doch in den kleinen blonden Max verliebt, der eine Klasse über ihr ist.

Kokowääh 2Wie auch schon im zugrunde liegenden ersten Teil ist auch diesmal die kleine Emma Schweiger der heimliche Star dieses Films, hat diese sich doch zunehmend weiter entwickelt und kann nun auch einzelne Szenen komplett alleine tragen, ohne auf ihren Vater zu bauen. Leider sind es genau diese Szenen in denen ihr ein gleichaltriger fast immer die Show stiehlt, denn wenn der unscheinbare Nick (Maurizio Magno) plötzlich mit verträumten Augen ihr die Mathehausaufgaben macht, wandern die Sympathien des Zuschauers ganz ohne Frage zu ihm. Ein weiteres Problem sind in genau diesen Szenen die Dialoge welche die Kleinen wiederzugeben haben, die manchmal recht frech und spitzbübisch gehalten sind, über weite Teile hinweg jedoch einfach nicht passen wollen. Vieles hört sich aus dem Mund einer neunjährigen viel zu erwachsen an, sehr vieles ist einfach nur unnatürlich, woraufhin man sich stets die Frage stellen muss, ob hier nicht womöglich etwas Kind gerechtere Aussagen wesentlich angebrachter gewesen wären.

Sieht man von diesem Passus einmal ab, können die restlichen Dialoge zuweilen ganzheitlich unterhalten, was in erster Linie im Schlagabtausch zwischen Schweiger und Samuel Finz (Die Er­fin­dung der Liebe) begründet liegt, zum anderen aber auch in diversen Gastauftritten seiner Freunde, die über weite Strecken begeistern. Da haben wir beispielsweise Handballer Stefan Kretschmar im Schwimmbad, Oscar Ortega Sanchez (23 – Nichts ist so wie es scheint) als Al Pacino Imitator und Matthias Schweighöfer (Soloalbum) als durchgeknallter Schauspieler mit einer toten Katze, der sich kurzerhand selber parodiert. Eine gehörige Portion Selbstironie bewies Til Schweiger diesmal aber auch selber, als es um das Drehbuch und den Regisseur für seinen neuen Film geht. Plötzlich versucht er einen anerkannten Arthouse Regisseur davon zu überzeugen das manchmal doch ein Happy End angebracht ist, denn was nutzt es bitteschön, wenn der Film die Goldene Palme in Cannes gewinnt, den Streifen jedoch kaum 20.000 Zuschauer sehen. Könnte man Schweigers Problem denn besser ausdrücken?

Kokowääh 2Ab dem 30. August 2013 ist Til Schweigers „Kokowääh 2“ im Verleih von Warner Bros. Auf Blu-ray, DVD und Video-on-Demand im Handel erhältlich und all jenen zu empfehlen, die familiengerechte Unterhaltung für einen Samstagabend suchen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farbe, während der Ton in DTS-HD 5.1 gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, bei denen wir nicht enttäuscht wurden. Es gibt rund 15 Minuten „Behind the Scenes“ in denen wir einen exklusiven Blick hinter die Kamera bekommen und somit direkt an den Dreharbeiten teilnehmen können, ein rund achtminütiges Teamvideo in dem die am Film beteiligten Personen gezeigt werden sowie ein entsprechendes „Making Of“ von rund 20 Minuten, dass in erster Linie aus kurzen Filmpassagen und Interviews besteht. Den Abschluss bilden schließlich zwei Musikvideos zum Film, einige unterhaltsame Outtakes von Til und Emma sowie der Kurzfilm (wenn man es so nennen mag…) „Remake Thomas Hempel“, der aus gestellten Szenen am Set besteht.

Til Schweigers „Kokowääh 2“ ist gewohnt lockere Familienunterhaltung die weniger Wert auf ein ausgeklügeltes Drehbuch, als vielmehr auf eine entsprechende wohlfühl-Atmosphäre mit Happy End-Garantie setzt. Ein Film für zwei bei dem Mann nur wenig falsch machen kann.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Warner Bros.

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Gewinnspiel: Kokowääh 2

Länge: 122 min

Kategorie: Comedy

Start: 30.08.2013

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Info

Gewinnspiel: Kokowääh 2

Kokowääh 2

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 122 min
Kategorie: Comedy
Start: 30.08.2013

Bewertung Film: (6/10)

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