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Der Nächste, bitte!

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 18. August 2013

Der Nächste, bitte!

Im Grunde hat man im Laufe von fast 100 Jahren Film bereits fast alles an Beziehungsproblemen auf der großen Leinwand gesehen, sodass gerade das Genre der Romantic-Comedy zuweilen nur noch sehr wenig Neues zu bieten hat. Ganz ähnlich dachte wohl auch der französische Regisseur Pascal Chaumeil bei seinem neusten Film „Der nächste, bitte!“, denn allen Konventionen zum Trotz, dieser Film verläuft alles andere als nach den gewohnten Maßstäben, was nicht nur an Diane Kruger liegt, die erstmals in einer Komödie zu sehen ist.

Seit nunmehr einhundert Jahren liegt auf der Familie von Isabelle (Diane Kruger) ein geheimnisvoller Fluch, denn seitdem heißt es bei einer jeden weiblichen Person “Der Nächste, bitte!”, wird doch ausgerechnet die erste Ehe wirklich immer geschieden. Da Isabelle mit ihrem Zahnarzt Pierre (Robert Plagnol) nun inzwischen bereits seit nunmehr zehn Jahren glücklich zusammen ist und Hochzeit und Kinder längst überfällig sind, plant diese in einer Blitzhochzeit einen Unbekannten zu ehelichen und diesen nur wenige Stunden später wieder zu verlassen, doch der dänische Student will einfach nicht am Flughafen wie verabredet erscheinen. Stattdessen sucht sie sich den nächsten Dummen und stößt dabei ausgerechnet auf den vertrottelten Jean-Yves (Dany Boon), einem Redakteur eines bekannten Reiseführers, dem sie auf einmal bis nach Kenia verfolgt, um ans Ziel ihrer Träume zu gelangen…

Der Nächste, bitte!Ganze zwei Jahre ist es schon wieder her als der französische Regisseur Pascal Chaumeil  mit seinem Debüt „Der Auftragslover“ das Kinopublikum begeisterte, seitdem versuchte er für ein geheimes Projekt einen geeigneten Cast zu finden, was ihm aber stets misslang. Nachdem Chaumeil also besagtes Projekt auf Eis legte, wurde ihm das ungewöhnliche Skript der beiden Drehbuchautoren Béatrice Fournera (Workingirls) und Laurent Zeitoun (Ziemlich beste Freunde) angeboten, dass er auch sogleich umsetzen wollte.

Bereits die Einleitung von „Der nächste, bitte!“ verläuft alles andere als nach geordneten Maßstäben, wenn Pascal Chaumeil und sein Autorenteam ein gemeinsames Abendessen wählt, um die entsprechende Geschichte zu starten. An Heiligabend sitzt die komplette Familie am Esstisch, Isabelles Schwester Coco (Alice Pol) hat ihre überaus geschwätzige Chefin Valérie (Laure Calamy) eingeladen, die noch immer nicht über die Trennung ihres ersten Mannes hinweggekommen ist. Um genau dies zu einem versöhnlichen Abschluss für alle zu bringen, erzählen sie zusammen die unglaubliche Geschichte von Isabelle, die erst einmal einen falschen ehelichen musste, um letzten Endes den richtigen zu finden.

Das Drehbuch von Béatrice Fournera und Laurent Zeitoun erzählt wie so oft vom großen Glück, das ein jeder finden kann, wenn er ganz genau hinschaut. In der Person des leicht vertrottelten Jean-Yves sehen wir im entferntesten das kleine hässliche Entlein das für Isabelle nur Mittel zum Zweck ist, plant sie doch den viel eleganteren Zahnarzt Pierre zu ehelichen, mit dem sie bereits seit zehn Jahren zusammen ist. Wie so oft in dieser Konstellation von Film ist der Der Nächste, bitte!Ausgang recht vorhersehbar, was den Film insgesamt jedoch nicht schmälern soll. Viele der lustigen Szenen resultieren rein aus Situationskomik heraus, bei vielen muss man laut auflachen, ganz anderes dient bestenfalls als bessere Einleitung für einen anderen Gag, der oftmals bereits nur wenige Minuten später folgt.

Bei alledem wird der Zuschauer über fast 100 Minuten gut unterhalten, was in erster Linie dem doch sehr gut harmonierenden Team bestehend aus Dany Boon (Willkommen bei den Sch’tis) und Diane Kruger (Inglourious Basterds) geschuldet ist, die perfekt miteinander harmonieren. Gerade bei Dany Boon sitzt scheinbar jede Pointe ohne das dieser sich sonderlich anstrengen muss, während bei Krugers erster Komödie vieles stimmt, das eine oder andere aber durchaus noch verbesserungswürdig erscheint. Das Timing bei Kruger sitzt leider nicht immer, gerade im Mittelteil des Filmes wirkt sie mit ihrer gemeinen Ader geradezu abstoßend auf den Zuschauer, was allerdings eher dem Drehbuch geschuldet ist. Bei alldem findet man nur wenig zu kritisieren, sieht man einmal von zwei kleinen Szenen ab, die sich einfach nicht in das Gesamtkonzept den Filmes harmonisch einreihen wollen. Zum einen ist dies die Flugzeugszene in der beide unter lauter ACDC Musik die Schwerelosigkeit erleben, zum anderen ist dies das überaus kitschige Finale in der Kirche, was dann doch etwas sehr übertrieben erscheint.

Der Nächste, bitte!Lässt man sich von diesen zwei kleinen Kritikpunkten und dem nicht ganz perfekten Spiel von Diane Kruger nicht abschrecken, erwartet den Zuschauer eine wirklich sehenswerte Komödie die man am besten zu zweit sehen sollte. Viele der Szenen werden überaus witzig transportiert, das ständige Wechseln zwischen Dänemark, Nairobi, Moskau und Frankreich bietet einen sehr facettenreichen Überblick zu den verschiedensten Ländern, während bei alledem immer einzelne lokale Besonderheiten in den Vordergrund gestellt werden. All dies wird gewohnt souverän von Kameramann Glynn Speeckaert (Scorpion King – Aufstieg eines Kriegers) in Bilder gefangen und durch einen durchaus stimmigen Soundtrack von Komponist Klaus Badelt (Gladiator) unterlegt, sodass das Gesamtkonzept durchaus stimmig ist.

Ab dem 30. August ist Pascal Chaumeil’s „Der nächste, bitte!“ im Verleih von Universum Film auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und all jenen zu empfehlen, die gute und originelle Romantic-Comedys zu schätzen wissen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in den Sprachen Deutsch und Französisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, die sich diesmal durchaus sehen lassen konnten. Es gibt insgesamt drei Interviews mit Diane Kruger, Dany Boon und Pascal Chaumeil von insgesamt etwa 15 Minuten in denen sie gezielt auf diverse Fragen antworten, rund sieben Minuten „Deleted Scenes“ die es nicht in die finale Fassung des Films geschafft haben sowie ein „Making Of“ von fast 40 Minuten, in denen wir viele spannende Details zum Dreh erfahren.

Pascal Chaumeil’s „Der nächste, bitte!“ ist eine überaus erfrischende Komödie die vor allem mit vielen originellen Einfällen und zwei Darstellern zu überzeugen vermag, die einfach bestens harmonieren. Obwohl bei Diane Kruger noch vieles verbesserungswürdig erscheint, ist es doch ein gelungener Start ins Comedy Genre.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum Film

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Der Nächste, bitte!

Länge: 104 min

Kategorie: Comedy

Start: 30.08.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Bewertung Extras: (7/10)

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Info

Der Nächste, bitte!

Der Nächste, bitte!

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 104 min
Kategorie: Comedy
Start: 30.08.2013

Bewertung Film: (7/10)

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