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The Master

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 14. Juli 2013

The Master

Der US-amerikanische Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Paul Thomas Anderson gehört mit ganzen fünf Oscar-Nominierungen zu den erfolgreichsten Autorenfilmern der Welt, konnte dieser doch mit seinem großartigen Werk „Magnolia“ (1999), dem ungewöhnlichen „Punch-Drunk Love“ (2002) und seinem gefeierten „There Will Be Blood“ (2007) Zuschauer wie auch Kritiker überzeugen. Nachdem sich Anderson die letzten fünf Jahre anderen Projekten neben dem Film widmete, versucht er nun mit „The Master“ ein eindrucksvolles Comeback, womit er auch sogleich im Frühjahr ganze drei Oscar-Nominierungen einfahren konnte.

Amerika im Jahre 1950: Freddie Quell (Joaquin Phoenix) wird aus dem Dienst der Armee entlassen und versucht sich als Kaufhausfotograf weiter durchs Leben zu schlagen, doch wo einerseits der reichhaltige Konsum von Alkohol und diverse Frauen sein Leben bestimmen, irrt dieser dennoch rastlos durchs Leben. Nach einer seiner vielen Schlägereien wacht er eines Morgens in der Kabine eines Bootes auf, auf dem der mysteriöse Lancaster Dodd (Philip Seymour Hoffman) einen Teil seiner Anhänger um sich gescharrt hat. Dodd findet sofort gefallen an Freddie und macht diesen zu seinem persönlichen Protegé, doch während Freddie in Dodd eine Art Vaterfigur sieht die seinem Leben einen Sinn gibt, kommen ihn auf der anderen Seite erste Zweifel. Ist Dodd wirklich jener Mann der er vorgibt zu sein oder hat die Öffentlichkeit recht, die in ihn nichts weiter als einen Scharlatan sieht?

The MasterZahlreiche Prominente haben sich bereits den Regeln der Sekte Scientology unterordnet, von denen die bekannteste Persönlichkeit ganz ohne Zweifel Actionstar Tom Cruise ist, der sich erst vor kurzem von seiner Frau trennte, als diese ihr Kind nicht länger den Doktrinen der Sekte ausgesetzt haben wollte. Besagte Geschichte über Scientology versucht nun der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Paul Thomas Anderson (Inherent Vice) in seinem Drama „The Master“ nachzuerzählen, doch obwohl der Name nie laut ausgesprochen wird, sind die Anzeichen und die Verweise auf die Entstehung doch unübersehbar.

Die Zugrunde liegende Geschichte mit der Entstehung von Scientology und dessen Gründer L. Ron Hubbard gleichzusetzen wäre vermessen, denn im Grunde geht es in „The Master“ vornehmlich um zwei Personen, die ohne einander kaum auskommen könnten. Beginnend in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges bekommen wir eine doch sehr ausführliche Einleitung in das hoffnungslose Leben des Freddie Quell, der rastlos und ununterbrochen auf der Suche nach etwas zu sein scheint und seinen Schmerz dabei mit allerhand Alkohol hinunter spült. Aus diversen Chemikalien zur Bekämpfung von Schädlingen, Farbverdünner und sogar dem Treibstoff von Torpedos braut Freddy so manch seltsam anmutenden Cocktail zusammen, schluckt diesen wahllos herunter und ergibt sich den folgenden Träumen, die ihn schließlich eines Tages auf das Schiff von Lancaster Dodd führen sollen.

The MasterMan könnte nun die größere Rahmenhandlung mit den Doktrin von Dodd, den Theorien der Dianetik und den unzähligen Therapiesitzungen in denen das zurückliegende Ich erkundet wird mit den Botschaften von Scientology gleichsetzen, doch ist dies bestenfalls das äußere Konstrukt das um die beiden im Mittelpunkt stehenden Figuren aufgebaut wird. Es geht in erster Linie im Freddy der in Dodd eine Art Vaterfigur sieht zu der er aufblicken, den ruhigen Gegenpool von dem er etwas lernen kann und jene Person, die ihn auch in den schwierigsten Zeiten Kraft und vor allem Halt gibt, um kurze Phasen der Unsicherheit zu überstehen.

Auf der anderen Seite haben wir mit Dodd jenen Mann der in Freddy einen leicht zu manipulierenden Jünger sieht, einen Mann der mit seinen Ecken und Kanten gut und gerne er selbst sein könnte, ein Mann, den er gut vor der Öffentlichkeit verbergen muss, hat er doch bereits genug Probleme. Genau diese Dinge kommen immer wieder in den kurzen und persönlichen Gesprächen zwischen den beiden zu Tage, wenn sie selbstgemischten Alkohol trinken, in zwei verschiedenen Zellen im Gefängnis sitzen oder ganz einfach nur die nächste Stufe ihres Projektes planen. Jeder sieht sich selbst im anderen, jeder möchte womöglich jemand oder etwas anderes sein, während beide insgeheim doch einfach nicht aus ihrem jeweiligen Körper entkommen können.

The MasterSo interessant sich all dies anhört, so hat die Geschichte neben der eigentlichen Charakterstudie beider Figuren in erster Linie einige erhebliche Längen, wodurch sich „The Master“ mit seinen fast zweieinhalb Stunden zeitweise wie Kaugummi in die Länge zieht. Gerade die Einleitung rund um die Vorstellung von Freddys verschrobener Person ist mit fast 30 Minuten viel zu ausführlich geworden, die zahlreichen Therapiesitzungen wiederholen sich mit den immer gleichen Fragen und Antwortspielchen am laufenden Band, während gerade das Ende einfach keinen Abschluss finden will. Hier hätte man vieles konsequenterweise kürzen müssen, vieles hätte gestrafft weitaus interessanter gewirkt, sodass viele Highlights des eigentlichen Filmes leider somit wieder negiert werden.

Das jedoch nicht alles schlecht ist beweisen unsere beiden Hauptdarsteller Joaquin Phoenix (Walk the Line) und Philip Seymour Hoffman (Die Kunst zu gewinnen – Moneyball), die hier sprichwörtlich eine Glanzleistung abgeliefert haben. Allein die gebückte Haltung von Phoenix, der hochrote Kopf in fast jeder Szene und dazu dieser leicht verschrobene Mundwinkel der etwas Diabolisches versucht auszudrücken, phänomenal. Nicht weniger überzeugend gibt sich aber auch Philip Seymour Hoffman, der den ruhigen Part in „The Master“ ausfüllt. Oftmals sieht man förmlich wie dieser aus sich herausgehen möchte, wie er sich dennoch zurückhält und alles nur mögliche versucht zu unternehmen, um seine Ansichten entsprechend in der Gesellschaft durchzusetzen, um nicht nur das nötige Geld einzunehmen, sondern in erster Linie akzeptiert zu werden.

The MasterFür den wunderbaren Score konnte Paul Thomas Anderson erneut Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood verpflichten, der auch bereits den Soundtrack zu „There will be Blood“ eingespielt hat. Mal mit ruhigen Tönen, mal mit frechen und dominierenden hat dieser einen wirklich erstklassigen Soundtrack abgeliefert, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Ab dem 26. Juli 2013 ist Paul Thomas Anderson’s „The Master“ im Verleih von Senator Home Entertainment auf Blu-ray, DVD und Video-on-Demand im Handel erhältlich und all jenen zu empfehlen, die gute Charakterstudien zu schätzen wissen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, die sich hier allerdings in Grenzen hielten. Neben dem entsprechenden Trailer gibt es lediglich die Dokumentation „Let There Be Light“ über traumatisierte US-amerikanische Kriegsveteranen des 2. Weltkriegs aus dem Jahre 1946, den Oscar-Preisträger John Huston gedreht hat. Mit seinen knapp 58 Minuten ist diese Dokumentation durchaus interessant und überaus wertvoll in jeder Filmsammlung, doch hätte man sich stattdessen doch eher ein entsprechendes Making Of bzw. das eine oder andere Interview zu „The Master“ gewünscht.

Paul Thomas Anderson’s „The Master“ ist eine durchaus interessante Charakterstudie über zwei komplett gegensätzliche Männer, die wunderbar von Joaquin Phoenix und Philip Seymour verkörpert werden. Trotz deren großartiger Leistung sowie dem passenden Score muss man aber auch anmerken, dass dies Werk mit seinen beinahe zweieinhalb Stunden viel zu lang geraten ist, wodurch man als Zuschauer entsprechend Ausdauer mitbringen muss.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Senator Home Entertainment

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The Master

Länge: 144 min

Kategorie: Drama

Start: 26.07.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

The Master

The Master

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 144 min
Kategorie: Drama
Start: 26.07.2013

Bewertung Film: (6,5/10)

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