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The Berlin File

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 19. Juli 2013

The Berlin File

Die guten alten Spionagethriller aus den 70er und 80er Jahren sind längst Geschichte, dass kürzlich vorgestellte „Die Möbius Affäre“ konnte nur leidlich unterhalten und obwohl Spionage gerade heute durch Skandale wie das amerikanische PRISM Projekt aktueller denn je ist, hat das Thema im Film einen geradezu untergeordneten Stellenwert bekommen. Um dies alles wieder etwas zu ändern beschloss der koreanische Regisseur Ryoo Seung-wan einen Spionagethriller zu kreieren, der entgegen anfänglicher Bestrebungen nicht nur die Geschichte von Nord- und Südkorea erneut aufrollt.

In der deutschen Hauptstadt Berlin versucht der nordkoreanische Agent Jong-Seong Pyo (Jung-woo Ha) gerade einen Waffendeal über die Bühne zu bringen, da geht plötzlich mehr schief als einem lieb sein könnte. Der südkoreanische Agente Jeong Jin-soo (Suk-kyu Han) versucht ihn zu fassen, seine schwangere Frau (Gianna Jun) läuft angeblich nach Südkorea über und plötzlich kommt auch noch ein hochrangiges Mitglied (Seung-beom Ryu) aus dem nordkoreanischen Staatsdienst in die Stadt, was zusätzlich für Verwirrung sorgt. Neben seiner Frau soll nun plötzlich auch sein Chef kurz davor sein zu den Südkoreanern überzulaufen, doch wen kann Jong-Seong letztendlich noch trauen? Ist es seine unfehlbare Partei die nur das Beste für sein Land will oder seine Frau und sein Chef, die tiefer in etwas verwickelt sein könnten, als beiden letztendlich lieb ist…

The Berlin FileTrotz anhaltender internationaler Friedensbemühungen eskalierte der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea erst kürzlich insoweit, als das die entsprechende Handelszone zwischen beiden Ländern kurzerhand von Nordkorea geschlossen wurde. Diesen anhaltenden Konflikt verpackte Regisseur und Drehbuchautor Ryoo Seung-wan (City of Violence) schließlich in einen Agententhriller der sehr an die Zeit des Kalten Krieges erinnert, denn auch in „The Berlin File“ sollen feindliche Agenten, Überläufer und Doppelagenten eine tragende Rolle spielen, um den fast zweistündigen Film in Deutschlands Hauptstadt auszufüllen.

Mit über sieben Millionen Zuschauern avancierte „The Berlin File“ in Südkorea zum erfolgreichsten Film aller Zeiten und hat somit Kang Je-kyu sein „Shiri“ (1999) erfolgreich von der Spitze der Boxoffice Charts verdrängt, was gerade in Asien überaus wohlwollend aufgenommen wurde. Bei uns reicht es dennoch nur für eine Veröffentlichung im Home Entertainment Bereich, was angesichts des Drehbuchs von Ryoo Seung-wan auch völlig gerechtfertigt scheint. Als Vorlage diente hier ganz ohne Frage die amerikanische „Bourne“-Reihe, ein wenig ist von der Serie „24“ mit eingeflossen und schon hat man „The Berlin File“, wobei keines der beiden Vorbilder auch nur im Ansatz so verworren war wie dieser Film.

The Berlin FileBereits am Anfang geht ein Waffendeal zwischen nordkoreanischen Agenten und Russen gehörig schief, der Mossad stürmt das Hotel, nur wenig später sind auch noch südkoreanische Agenten involviert und spätestens hier hat auch der letzte Zuschauer komplett den Faden verloren. Wer war nun genau wer? Welche Figur gehörte noch einmal zu welcher Gruppe von Agenten und vertritt welches Land? All diese Fragen entstehen bei der Einführung von viel zu vielen Figuren, die oftmals erst nach 30 Minuten insoweit wieder zugeordnet werden können, als das sich ein stimmiges und vor allem logisches Gesamtbild ergibt.

Leider ist dies dann auch jene Stelle in der Regisseur und Drehbuchautor Ryoo Seung-wan alles voran gegangene komplett über Board wirft, denn plötzlich sind viele seiner Figuren nicht mehr interessant genug, scheiden nach und nach aus dem Leben und der Film wandelt sich mehr und mehr in ein Actionkonstrukt. Nun ist nicht mehr die eigentliche Handlung – die mehrfache Bögen schlägt – entscheidend, sondern vielmehr der brachiale Konflikt zwischen den einzelnen Parteien, der oftmals im direkten Handgemenge oder per Schusswaffe gelöst wird. Insgesamt gesehen kann man gerade die Action gegen Ende als eines der gelungensten Teile des ganzen Filmes bezeichnen, denn dort wo „The Berlin File“ vorher den Zuschauer mit sehr viel Figuren verwirrte, wird nun der Fokus auf einen anderen und womöglich sogar sehr viel besseren Aufbau des Werkes gelegt.

The Berlin FileVon Seiten der Darsteller kann man hier nur wenig negatives wie auch positives anbringen, denn alle agieren im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten und setzen dies dementsprechend um. Auffallend war erneut Hauptdarsteller Jung-woo Ha (The Yellow Sea) mit seinem direkten und sehr starken Spiel, wobei auch die Position des Gegenspielers überaus interessant besetzt war, kam hier doch mit Ryoo Seung-beom der Bruder des Regisseurs zum Einsatz.

Ab dem 26. Juli 2013 ist „The Berlin File“ im Verleih von Splendid Film auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und vor allem jenen zu empfehlen, die durchaus anspruchsvolle Kost aus Asien zu schätzen wissen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in den Sprachen Deutsch und Koreanisch gut auf die Boxen Abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere am zusätzlichen Material des Mediums interessiert, doch war diesmal auf selbigem leider nichts vorhanden. Das eine oder andere Interview mit Regisseur Ryoo Seung-wan und seinen Darstellern wäre wünschenswert gewesen, wirklich schade!

Ryoo Seung-wans „The Berlin File“ ist gerade am Anfang ein überaus verworrenes Werk, wenn man mit Nord- und Südkoreanischen Agenten, Russen und dem Mossad quasi mit einer Unmenge von Figuren überfahren wird. Sobald all dies in einen reinen Actionfilm umschlägt wird vieles besser, doch das dauert auch fast eine Stunde.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Splendid Film

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The Berlin File

Länge: 120 min

Kategorie: Action, Drama, Thriller

Start: 26.07.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Info

The Berlin File

The Berlin File

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 120 min
Kategorie: Action, Drama, Thriller
Start: 26.07.2013

Bewertung Film: (6/10)

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