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Die schönen Tage

Geschrieben von Frank Schmidke am 29. Juli 2013

Die-schönen-Tage__03Die französische Romanverfilmung „Die schönen Tage“ lebt vor allem vom umwerfenden Charme der Hauptdarstellerin Fanny Ardant. Die Rolle der Frührentnerin, die einen neuen Sinn im Leben sucht, ist ihr beinahe auf den Leib geschrieben. Da vergisst man leicht, dass auch die beiden männlichen Kollegen Laurent Lafitte und Patrick Chesnais noch mitspielen. Filmisch und thematisch setzt das romantische Drama voll und ganz auf den Französischen Star. Das funktioniert trotz absehbarer Geschichte auf sehenswerte Weise.

Die-schönen-Tage__08Caroline (Fanny Ardant) hat mit Sechzig spontan und verärgert ihren Job als Zahnärztin hingeschmissen. Ihr Gatte Phillipe (Patrick Chesnais) denkt allerdings noch nicht an ein Rentnerdasein und so sind Carolines erwachsene Töchter auf der Suche nach einer Beschäftigung für ihre Mutter. Das Schnupperabonnement im Senioren-Club „Die schönen Tage“ scheint da einige Möglichkeiten zu bieten. Doch Caroline fühlt sich in dem Altenclub sichtlich unwohl und will schon nach der ersten Theaterstunde nicht mehr hin.

Allerdings will zuhause der Computer nicht mehr so recht und es werden auch EDV-Kurse angeboten. So lernt Caroline den Charmeur Julien (Laurent Lafitte) kennen, der die Computerkurse veranstaltet. Der Schürzenjäger hat Zahnschmerzen und Caroline kann in der Not abhelfen. Doch einer Affäre mit dem jungen Tunichtgut, der ihr deutliche Avancen macht, steht anfangs ihr Gewissen im Weg. Dann lässt Caroline sich auf das erotische Abenteuer ein und blüht auf. Das bleibt ihrem Gatten selbstverständlich nicht verborgen.

Die-schönen-Tage_13Regisseurin Marion Vernoux (Love etc.) inszeniert den Roman von Fanny Chesnel nach einem Drehbuch, das beide zusammen verfasst haben, und setzt in ihrer im Grunde recht konventionelle aber leibenswerten Story über das Älterwerden der Frauen ganz auf die Zugkraft ihres weiblichen Stars. Und Fanny Ardant („Acht Frauen“), eine der großen Damen des französischen Films und selbst etwa im Alter ihrer Figur, füllt die Leinwand mit ihrer enormen und attraktiven Präsenz aus. Auch und gerade die Verwandlung von der vernachlässigten Ehefrau und Mutter, die sich mit zurückhaltendem aber schroffem Auftreten von ihren Altersgenossen distanziert, hin zu der lebenslustigen, experimentierfreudigen, selbstbewussten Frau, die ihre neue Freiheit in vollen Zügen genießt, trägt die französische Produktion über weite Strecken.

Doch die Geschichte würde nicht funktionieren, wenn nicht auch Laurent Lafitte („Ein Mordsteam“) als charmanter Nichtsnutz und Frauenheld und Parick Chesnais („Man muss mich nicht lieben“) als besorgter aber liebevoller Ehemann in ihren Rollen zu überzeugen wüssten. Die Chemie zwischen den Darstellern stimmt spürbar. Zudem kann „Die schönen Tage“ mit einem gewissen Realismus überzeugen, der vergleichbaren romantisch angelegten Dramen bisweilen fehlt. Caroline ist sich bewusst, dass ihr Abenteuer mit dem Frauenheld nicht von Dauer sein wird und „Die schönen Tage“ findet eine glaubhafte und zugleich filmisch stimmige Auflösung der Situation.

Die-schönen-Tage_02Regisseurin Marion Vernoux ist seit ihrem mehrfach ausgezeichneten Regiedebüt „Personne ne m’aime“ (Deutsch: „Überdreht und Durchgeknallt“, 1994) als Drehbuchautorin und Regisseurin in französischen Film etabliert. Ihre letzten Filme sind hierzulande nicht veröffentlicht worden. Die schönen Tage“ ist ihr zehnter Film. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man, dass „Die schönen Tage“ auch einige sehr lustige Szenen zu bieten hat. Dafür sorgen vor allem die Senioren im Club, die schon sehr eigenwillige Charaktere sind und so eine große Bandbreite an Typen offerieren, wie man mit dem Alter umgehen kann. Außerdem ist die Gruppendynamik der Teilnehmer von „Die schönen Tage“ recht witzig umgesetzt, was allerdings erst in der zweiten Filmhälfte zum Tragen kommt, wenn sich Caroline geöffnet hat und aktiv am Freizeit Angebot teilnimmt.

Über Spielfilmlänge kann die romantische Dramödie „Die schönen Tage“ locker überzeugen und sorgt für gute Laune. Was an storytechnischer Finesse fehlt, gleicht Marion Vernoux Film durch eine großartige Hauptdarstellerin, eine Prise Humor und realistische Dialoge aus.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Central Film / Wild Bunch

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Die schönen Tage

Länge: 94 min

Kategorie: Drama

Start: 19.09.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Die schönen Tage

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 94 min
Kategorie: Drama
Start: 19.09.2013

Bewertung Film: (6/10)

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