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Vom Kiez zum Kap

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. Juni 2013

Vom Kiez zum Kap

Neben den bekannten Filmen zu Großereignissen wie den Welt- oder Europameisterschaften haben inzwischen selbst kleinere Produktionen die Gunst von Fußballfans erobert, blickt man nur einmal auf „Hoffenheim – Das Leben ist kein Heimspiel“ (2010), „Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen“ (2011) oder gar Felix Grimms Dokumentation „Das ganze Stadion“ (2012), über die Fans des FC St. Pauli. Einen ganz ähnlichen Weg beschreitet nun der in Hamburg lebende Regisseur und Drehbuchautor Joachim Bornemann, der nach seinem Erstlingswerk „Sankt Pauli! Rausgehen – Warmmachen – Weghauen“ nun bereits seine zweite Dokumentation über diesen außergewöhnlichen Fußballverein abgeliefert hat.

Alles fing mit einer ganz normal verrückten Schnapsidee von Kay Amtenbrink und Berndt Volkens an, die nicht nur bereits seit fast zehn Jahren Freunde sind, sondern auch eine gemeinsame Liebe zum FC St. Pauli verbindet. Zusammen spielen sie in der 8. Herren vom FC St. Pauli, stehen auf das eine oder andere Abenteuer und so kam es eines Tages, dass die Idee auf den Tisch kam, zusammen zur Weltmeisterschaft nach Kapstadt zu fahren. Fahren? Richtig gehört! Beide besorgten sich einen 18 Jahre alten VW T3 „Bulli“ mit 342.000 Kilometer auf dem Tacho, schraubten daran ein halbes Jahr herum und planten schließlich jene Reise nach Kapstadt, die mit 20.000 Kilometern durch die verschiedensten Länder führen sollte.

Vom Kiez zum KapSo schön sich genau diese Reise anhört die am 15. Februar 2010 vor dem Millerntor-Stadion startete, so ungünstig war dies insbesondere für zwei völlig verrückte Fans des FC St. Pauli. Der Verein benötigt nur noch wenige Punkte bis zum lang ersehnten Aufstieg, als Fan ist man gerade jetzt bei jedem Spiel Feuer und Flamme und dann fährt man vier Monate durch die verschiedensten Länder, in denen die Fernseher oftmals nicht nur mehrere Kilometer von einander entfernt sind, sondern die Spiele der 2. Bundesliga quasi nicht im Ansatz zu empfangen sind.

Kay und Berndt wurden auf ihrer Reise von Regisseur und Drehbuchautor Joachim Bornemann (Der Zauberregen) begleitet, der mit einer – zuweilen recht wackligen – Handkamera die komplette Reise aufgezeichnet und entsprechend auf 87 Minuten hat schneiden lassen. Herausgekommen ist ein spannendes Roadmovie von Hamburg aus durch die Türkei, Syrien, Jordanien, Ägypten, dem Sudan und natürlich auch Äthiopien, bei der natürlich die verschiedensten Probleme nicht ausbleiben konnten. Wir beobachten die beiden wie sie mit ihren 18 Jahre alten Bulli versuchen ganze Flüsse längsseits zu überqueren und dabei natürlich stecken bleiben, wie der Motor gleich zwei Wasserschläge abbekommt, sogar Flammen fängt und beide schließlich irgendwo stranden, wo sie erst einmal zwei Wochen auf entsprechende Ersatzteile aus Deutschland warten müssen.

Vom Kiez zum KapWährend dieser Reise ist natürlich das Thema Fußball und insbesondere der Wiederaufstieg des FC St. Pauli stets omnipräsent und so versuchen die beiden Freunde alles nur erdenkliche, die Spiele irgendwie doch noch zu sehen. Da wird das Handy von „Papa“ zuhause kurzerhand neben den Fernseher gelegt was absolut unverständlich ist, da wird mitten in Äthiopien plötzlich Bundesliga geschaut und natürlich bleibt auch das Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaften nicht aus, dass beide in einem Supermarkt verfolgen.

Parallel dazu versucht Joachim Bornemann immer wieder die entsprechenden Spiele des FC St. Pauli und das Gefühl der Fans mit einzubinden, wenn er die Auswärtsreisen und die entsprechenden Heimspiele versucht darzustellen. Genau dies gelingt ihm leider nicht wirklich vollends, denn so spannend die Reise von Kay und Berndt ist, so enttäuschend verläuft der visuelle Eindruck der Fanreisen. Im Grunde sieht man immer gleiche Bilder mit aufgebrachten und laut feiernden Fans, die entsprechenden Tore die geschossen wurden sowie gegen Ende das entsprechende Jahrhundertkonzert im Millerntor-Stadion. All dies passt mit dem eigentlichen Roadmovie zuweilen nicht wirklich zusammen und wirkt nicht immer stimmig, weswegen man sich entweder rein auf die turbulente Reise nach Kapstadt hätte konzentrieren müssen, oder aber mehr von jenen Situationen hätte einbauen müssen, in denen versucht wurde die entsprechenden Spiele der 2. Bundesliga mit zu verfolgen.

Vom Kiez zum KapFür Fans des FC St. Pauli und Fußballfans im allgemeinen wird diese Kritik nur bedingt wichtig sein, denn hier ist vor allem die zugrunde liegende Stimmung wichtig, die in „Vom Kiez zum Kap“ wirklich herrlich transportiert wird. Kay und Berndt scheinen trotz diverser Probleme einen riesen Spaß gehabt zu haben, das der Bulli im Hamburger Hafen erneut ansprang scheint wie ein Wunder zu wirken und auch wenn die eine oder andere Szene zuweilen sehr gestellt aussieht, wird man von diesem Abenteuer wohl noch lange zu berichten haben.

„Vom Kiez zum Kap“ ist eine wirklich interessante Dokumentation die sich Fußballfans nicht entgehen lassen sollten. Die Reise über 20.000 Km mit einem 18 Jahre alten Bulli ist spannend, der Aufstieg des FC St. Pauli in die erste Bundesliga mit schönen Bildern unterlegt und auch wenn zuweilen nicht alles perfekt wirkt, kann man dies Werk dennoch bedingungslos empfehlen.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Brown Sugar Films, Maria Pineiro

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Vom Kiez zum Kap

Länge: 87 min

Kategorie: Documentary

Start: 11.07.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Vom Kiez zum Kap

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 87 min
Kategorie: Documentary
Start: 11.07.2013

Bewertung Film: (7/10)

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