cinetastic.de - Living in the Cinema

The Paperboy

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 17. Juni 2013

The Paperboy

Es ist Jahr für Jahr eine Überraschung wenn man sich vermeintlich gute Filme auf Festivals wie Venedig, Cannes oder auch Toronto anschaut und anschließend mit erschrecken feststellen muss, dass der eine oder andere persönliche Liebling einfach keinen Verleih finden kann. Einer jener Filme auf die genau diese Beschreibung zutraf war Lee Daniels in Cannes uraufgeführter „The Paperboy“, der zwar nicht unbedingt mit einer großartigen Geschichte, als vielmehr mit einem überaus sehenswerten Cast beeindrucken kann.

Lately im Jahre 1969: Die beiden Zeitungsreporter Ward Jansen (Matthew McConaughey) und Yardley Acheman (David Oyelowo) versuchen einen Fall erneut aufzurollen, bei dem der leicht verhaltensgestörte Hillary Van Wetter (John Cusack) angeblich einen Polizisten ermordet haben soll. Im Mittelpunkt dieser Ermittlungen soll mit der mittvierzigjährigen Charlotte Bliss (Nicole Kidman) allerdings eine Frau stehen die alles andere als normal zu sein scheint, denn nicht nur das diese eine Beziehung per Brief zu Van Wetter unterhält, sie hat auch allerhand Beweise für dessen Unschuld gesammelt, sodass sie die beiden Zeitungsreporter tatkräftig unterstützt. Als vierter im Bunde soll ausgerechnet Wards kleiner Bruder Jack (Zac Efron) mit in die Geschichte involviert werden, der sich insgeheim in Charlotte verliebt, die allerdings nebenbei ein Auge auf Yardley geworfen hat…

The PaperboySeit Jahren bereits versuchen die vorgestellten Filme der Filmfestspiele in Cannes zumeist auf Missstände aufmerksam zu machen, Grauzonen auszuloten und neuen wie auch alten Regisseuren eine Basis zu bieten, mit künstlerisch wertvollen Filmen gegen den Strom der Großindustrie zu schwimmen. Wie fügt sich dabei aber ein Film wie Lee Daniels „The Paperboy“ ein, der im Grunde bestenfalls zur Gruppe des Trash zu zählen ist? Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Peter Dexter (Nach eigenen Regeln) versucht dieser zusammen mit Co-Autor Lee Daniels (Precious – Das Leben ist kostbar) eine Geschichte über die Rassenproblematik zu erzählen, dies mit den bekannten Elementen eines Krimis zu verbinden und ganz nebenbei völlig verrückte Figuren im Mittelpunkt zu etablieren, doch letztendlich ist all dies egal, denn „The Paperboy“ lebt in erster Linie von seiner ungewöhnlichen Atmosphäre.

Erzählt aus der Perspektive der schwarzen Haushälterin Anita (Macy Gray) beginnt „The Paperboy“ wie ein klassisches Südstaatendrama das Wert auf die Klassenunterschiede zwischen Schwarz und Weiß legt, denn während beispielsweise die Szenen der Haushälterin gerade am Anfang unnötig präsent in den Vordergrund gestellt werden, versteift sich Lee Daniels schon bald auf die bekannten Themen des Umbruchs. Da haben wir einen toten schwarzen Polizisten der von einem weißen umgebracht wurde, einen schwarzen Journalisten der nur zusammen mit einem weißen einen Artikel schreiben darf und natürlich mit Ward auch noch jenen Mann, der eine Schwäche für Sexspiele mit männlichen Schwarzen entwickelt.

The PaperboyBei alledem ist die eigentliche Geschichte des Krimis fast nebensächlich, denn je weiter Lee Daniels die Handlung fortschreiten lässt, je mehr verläuft sich dieser in völlig unnötige Nebenhandlungen. Plötzlich geht es um gestohlenen Rasen, um eine Vergewaltigung die parallel zu stimmiger Soul-Musik vollzogen wird und natürlich um das Geflecht zwischen den Figuren, bei denen wohl fast jeder mit jedem im Laufe des Filmes einmal Sex zu haben scheint. Die Geschichte ist bei alledem überaus flach gehalten und zuweilen komplett an den Haaren herbei gezogen, doch all dies ist nicht weiter wichtig, denn „The Paperboy“ lebt vor allem von seinem Trash-Faktor sowie jenen Darstellern, die ungewohnt gute Leistungen abliefern.

Die mit weitem Abstand ungewöhnlichste Rolle hat diesmal Nicole Kidman (Moulin Rouge!) inne, die als trashige und verkorkste Barbiepuppe einen hang dazu entwickelt hat, Verbrecher zu lieben, während John Cusack (2012 – Das Ende der Welt) erneut den Beweis erfolgreich antritt, dass dieser jede noch so ungewöhnliche Rolle spielen kann. Bei alledem fällt ausgerechnet Zac Efron (High School Musical) ein wenig ab, der sich als 20-jähriger im Leben dahintreiben lässt, scheinbar kein Ziel zu haben scheint und ganz nebenbei auch noch mit der Beziehung zu Charlotte einen Mutterkomplex zu stillen versucht. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit Matthew McConaughey (Magic Mike), der stellenweise haarscharf am Overacting vorbei schrammt, wenn er den hässlichen Zeitungsreporter mimt und somit sein Saubermann-Image abzulegen versucht.

The PaperboyIm Bereich der Kamera vertraut Lee Daniels dem aus „James Bond 007 – Ein Quantum Trost“ bekannten Roberto Schaefer, der mit „The Paperboy“ eine durchaus ansehnliche Leistung abgeliefert hat. In seinen zumeist überaus dreckigen und von gelber Farbe dominierenden Bildern fängt er den Umbruch der 60er Jahre wirklich sehenswert ein, während Komponist Mario Grigorov (Shadowboxer) all dies mit einem klassischen Soundtrack untermalt, der mit seinen Tönen zumeist dezent im Hintergrund verbleibt.

Ab dem 18. Juli 2013 ist „The Paperboy“ im Verleih von Studiocanal Home Entertainment auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und in erster Linie all jenen zu empfehlen, die ungewöhnliche Dramen mit einem gewissen Trash-Faktor zu schätzen wissen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, um mehr zur Produktion und den Dreharbeiten zu erfahren. Es gibt neben dem Trailer eine unkommentierte „B-Roll“ (7 min) bei der wir Einblicke zum Ablauf zu einigen Szenen erhalten, ein sechsminütiges Feature mit kurzen Interviewpassagen zu ausgewählten Szenen sowie ganze neun Interviews mit Lee Daniels und seinen Darstellern, bei denen wir in 22 Minuten noch einmal allerhand interessantes erfahren, wenn diese auf ausgewählte Fragen antworten.

„The Paperboy“ ist einer jener Filme bei denen die eigentliche Geschichte schon wieder fast egal ist, denn obwohl das Drehbuch nur wenig unterhält, ist die entsprechende Atmosphäre umso besser. Längst totgeglaubte Darsteller wie Nicole Kidman gehen komplett aus sich heraus, sodass gute – wenn auch ungewöhnliche – Unterhaltung garantiert ist.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Studiocanal

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
The Paperboy

Länge: 107 min

Kategorie: Thriller

Start: 18.07.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

The Paperboy

The Paperboy

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 107 min
Kategorie: Thriller
Start: 18.07.2013

Bewertung Film: (6,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1