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Staub auf unseren Herzen

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 30. Juni 2013

Staub auf unseren Herzen
Zwischenmenschliche Gefühle von Familienmitgliedern sind nur schwer in Worte zu fassen, noch schwerer zu filmen und dennoch hat sich Regisseurin und Drehbuchautorin Hanna Doose genau dazu entschlossen, als sie mit „Staub auf unseren Herzen“ ihren DFFB Abschlussfilm drehte, in welchem Susanne Lothar ein letztes Mal zu sehen ist, verstarb sie doch im Sommer des letzten Jahres.

Die junge und alleinerziehende Kathi (Stephanie Stremler) hat alles andere als ein einfaches Leben, denn während sie einerseits mit ihrem nicht ganz einfachen Sohn allerhand Probleme hat, versucht sie auf der anderen Seite die Beziehung zu ihrer Mutter Chris (Susanne Lothar) nicht zu vernachlässigen. Chris ist Karriere-Coach, Kontroll-Freak und Mutter des kleinen Gabriel (Oskar Bökelmann), den sie bestmöglich umsorgt. Während Gabriel den Komplexen seiner Mutter unaufhaltsam ausgeliefert ist und diese über sich ergehen lässt, droht Kathi an dessen Einflussnahme langsam aber sicher zu zerbrechen. Ohne Job als Schauspielerin soll sie nun in die Wohnung im gleichen Hause ihrer Mutter ziehen, doch als ihr Kindsvater Wolfgang (Michael Kindl) plötzlich nach Berlin zurück kehrt, droht das Leben aller Beteiligten auseinander zu brechen…

Staub auf unseren HerzenOhne ein dramaturgisch festgelegtes Konzept für ihr Drehbuch versuchte Regisseurin und Drehbuchautorin Hanna Doose (Zwischen Himmel und Erde) in ihrem Abschlussfilm der DFFB eine Geschichte über Beziehungen innerhalb der Familie zu verwirklichen, die auf einer losen Idee beruhte. Die Dreharbeiten zogen sich über ein Jahr hin, die Darsteller trafen sich immer wieder zu einzelnen Drehtagen, wo diverse Szenen in erster Linie aus reinen Improvisationen entstanden und sich somit das Gerüst des Drehbuchs erst langsam heraus bildete. Das alles funktioniert leider nicht immer, was weniger an den Darstellern, als vielmehr besagten Improvisationen geschuldet ist, verschmilzt dies alles doch nie zu einem einheitlichen Ganzen.

Im Grunde erzählt „Staub auf unseren Herzen“ von gleich zwei Frauen die beide ihre jeweiligen Probleme haben, sich aber dennoch eine heile Welt vorgaukeln, wenn sie sich fast täglich sehen. Chris ist eine in die Jahre gekommene Frau die noch immer nicht über den indirekten Verlust ihrer Tochter Kathi hinweggekommen ist, während Kathi als alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn ebenso viel zu tun hat und sich bei alledem einfach nicht ihrem Job mit der Aufmerksamkeit widmen kann, wie man es eventuell sollte. Daraus entsteht eine Abhängigkeit zu ihrer Mutter die diese gnadenlos auszunutzen vermag, denn nicht nur das sie ihr aufgrund der finanziellen Probleme nun auch noch eine Wohnung im selben Haus gekauft hat, sie nimmt ihr in einer Schlüsselszene auch noch kurzerhand den Sohn eigenen weg.

Staub auf unseren HerzenBei alledem glaubt man ständig bei diesen improvisierten Dialogen zuweilen im falschen Film zu sein, wenn sich einerseits Kathi aufgrund ihrer Unsicherheit ihrer Mutter einfach nicht erwehren kann, diese wiederrum ihre kleinen Psychospielchen treibt, weiß sie ihre Erfahrung aus dem Job doch direkt gegen ihre eigenen Kinder einzusetzen. Es kommt immer wieder ein kleiner Konflikt unter der Oberfläche hervor, es gibt immer wieder Szenen in denen Kathi endlich einmal aus ihrer Haut fahren sollte, doch bis auf jene Szene nach einem Brettspiel, soll doch stets die Unsicherheit obsiegen.

Im Grunde ist diese improvisierte Geschichte ohne tiefergehendes dramaturgisches Konzept nicht einmal schlimm, es sind vielmehr die Darsteller selber, die dies oft im Sande verlaufen lassen. Viele Dialoge wirken einfach gekünstelt, zwischen einzelnen Sätzen gibt es immer wieder längere Pausen in denen die Darsteller förmlich nachzudenken scheinen, während der ganze Film mit so viel Nebenfiguren angereichert wird, die im Grunde völlig fehl am Platze sind. Da haben wir eine kurze Szene mit einem Regisseur der Kathi eine Absage erteilt, viele kleinere Proben in denen man Kathi beim Casting sieht, während ganz andere wie mit ihrem Puppenspielenden Freund in sich einfach nicht schlüssig wirken, wenn plötzlich deren Ex-Freundin herein kommt und diesem einen Kuss gibt.

Staub auf unseren HerzenWomöglich wäre mit einem festgelegten Drehbuch vieles anders gelaufen, eventuell hätte man sich zumindest im Kern auf bestimmte Strukturen festlegen sollen, vielleicht muss man aber auch das ganze Konzept in Frage stellen. Bei vielem fehlen ganz einfach die entsprechenden Schlüsselmomente, die Figuren bei denen der Zuschauer interessiert bei der Sache bleibt, eine gewisse Weiterentwicklung der eigentlichen Rahmenhandlung, während am Ende eine Botschaft steht, mit der die meisten Zuschauer leben könnten. Kathi wird eventuell den Schritt in die Freiheit schaffen, die Mutter wird womöglich ein Einsehen bekommen, was aber wird aus all den anderen Menschen, die oft nur Mittel zum Zweck sind?

Das ungewöhnliche Erstlingswerk „Staub auf unseren Herzen“ von Hanna Doose ist ab dem 19. Juli 2013 im Verleih von Movienet auf DVD erhältlich. Das Bild der DVD ist gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in Dolby Digital 5.1 gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, die diesmal allerdings recht übersichtlich waren. Neben dem Trailer zum Film gibt es lediglich ein entsprechendes Making Of von 37 Minuten Länge, in denen Hanna Doose und ihre Darsteller über die Improvisationen sprechen, über die Entwicklung des eigentlichen Filmes sowie das Zusammenspiel von Stephanie Stremler (Wer wenn nicht wir), Susanne Lothar (Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte) und Michael Kindl (Der Untergang).

Die Idee von Hanna Doose hinter „Staub auf unseren Herzen“ ist durchaus gelungen, doch finden die einzelnen improvisierten Szenen leider nicht immer glücklich zusammen. Hier hätte womöglich ein etwas stringenteres Drehbuch geholfen, um dieses Problem zu minimieren.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Movienet Film

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Staub auf unseren Herzen

Länge: 91 min

Kategorie: Drama

Start: 19.07.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Info

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Staub auf unseren Herzen

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 91 min
Kategorie: Drama
Start: 19.07.2013

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